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Mühlentag bietet in Sachsen Tradition zum Anfassen

Schrot und Korn Mühlentag bietet in Sachsen Tradition zum Anfassen

Für alle, die hautnah erleben wollen, wie aus Getreide Mehl wird, ist der Mühlentag genau das Richtige. Er gewährt über Pfingsten Einblick in ein jahrhundertealtes Handwerk – auch im sächsischen Triebischtal.

Die frisch sanierte Erdholländer-Windmühle in Wittenburg (Mecklenburg-Vorpommern).

Quelle: dpa

Miltitz. Der Boden vibriert. Riesige Lederriemen halten die Treibräder der Mahlwerke in Bewegung. Und Müllermeister Alexander Bartsch kommt ins Schwärmen, wenn er über sein altes Handwerk in Miltitz bei Meißen berichtet. Der 42-Jährige betreibt seine Mühle in vierter Generation. Viele technische Teile stammten aus den 1920er- und 1930er-Jahren, erzählt er. 1922 habe die Mühle im romantischen Tal des Flüsschens Triebisch eine Wasserturbine erhalten, die noch immer im täglichen Betrieb zuverlässig arbeite.
Insofern klappert hier keine Mühle am rauschenden Bach, wie es das alte Volkslied will. Die Miltitz Mühle wurde erstmals 1589 auf handschriftlichen Karten erwähnt. „Da sie zu dieser Zeit schon vier Wasserräder zum Antrieb von Öl- und Mehlmühlen sowie eines Sägewerks besaß, ist die Mühle wahrscheinlich noch viel älter“, vermutet Bartsch. Seither arbeite sie vermutlich ohne Unterbrechung. Zum Deutschen Mühlentag am 25. Mai können Neugierige auch einen Blick in diese historische Anlage werfen - wie in viele weitere.
Etwa ein Dutzend Mühlen im Triebischtal laden am Pfingstmontag zu lehrreicher Geselligkeit mit Musik, Kinderbäckerei und Führungen ein. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung beteiligen sich in ganz Sachsen 199 der ehrwürdigen Produktionsstätten. Die Miltitzer Mühle erstreckt sich über fünf Stockwerke. Der Graben, der Wasser dorthin und zurück zur Triebisch leitet, ist 1200 Meter lang. Die schweren Mahlwerke, die das Getreide mit Stahlwalzen zerkleinern, stehen im Untergeschoss. Das fertige Mehl wird in den oberen Stockwerken abgefüllt, teilweise noch immer in Zentnersäcke. Viel davon wird aber auch lose mit einem Silo-Lastwagen ausgeliefert. Vom Getreidekorn bis zum feinen Mehl sind 12 bis 16 Mahldurchgänge notwendig.

Wie fein die Walzen das Getreide zerkleinern sollen, kann Bartsch mechanisch über Stellräder regulieren. Dazu gehört Erfahrung. „Ich arbeite viel nach Gefühl und Gehör.“ Der Meister hat drei Gehilfen in der Produktion; drei Frauen kümmern sich in Teilzeit um das Büro und den kleinen Mühlenladen. Rund 1000 Tonnen Getreide werden hier pro Jahr gemahlen. Hauptkunden sind traditionelle Bäckerbetriebe in den Dörfern rings um die Mühle und in der nahen Lommatzscher Pflege, die als eine der Kornkammern Sachsens gilt. Auch Bio-Bauernhöfe mit eigenen Hofläden lassen ihr Getreide in Miltitz schroten oder mahlen. „Wir profitieren vom Trend zurück zur Natur und zum traditionellen Handwerk“, stellt Bartsch fest. Immer mehr Familien backten gelegentlich selbst Brot. Weizen, Roggen und Dinkel seien die wichtigsten Getreidearten. Aber auch historische Sorten wie Emmer oder Einkorn würden gemahlen.

Von der Mehlproduktion allein könne der Betrieb aber nicht leben, räumt der Müllermeister ein. „Wir haben vier Standbeine - wie unser Esel.“ Der Esel-Wallach Emil gehört zum Familienbetrieb, auch wenn er keine Mehlsäcke mehr schleppen muss. Neben dem klassischen Mahlbetrieb handelt die Mühle heute mit Getreide- und Futtermitteln, betreibt einen Laden und liefert Strom aus Wasserkraft.
2007 hat sich Bartsch eine zweite Turbine angeschafft; rund 100.000 Kilowattstunden pro Jahr kann der Betrieb ins Netz einspeisen. Der Müller engagiert sich für die Mühlentradition im Triebischtal - und hofft auf rund 4000 Besucher am Pfingstmontag. Er bedauert, dass seine Heimat vom Tourismus des nahen Elberadwegs und der Weinregion um Meißen weitgehend abgehängt ist. „Dabei haben wir hier im Triebischtal ungenutzte Potenziale und viel unberührte Natur.“ (mit dpa)

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