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Mutter-Kind-Kuren in Sachsen hoch im Kurs - Kassen befürchten Missbrauch als Urlaub

Mutter-Kind-Kuren in Sachsen hoch im Kurs - Kassen befürchten Missbrauch als Urlaub

Kuren für Mütter und Väter gemeinsam mit ihren Kindern stehen in Sachsen weiter hoch im Kurs. Während das Müttergenesungswerk kritisiert, dass diese Kuren von den Krankenkassen bundesweit immer öfter abgelehnt werden, bleibt die Zahl der Bewilligungen im Freistaat annähernd konstant, teilte die AOK Plus, Sachsens größter Krankenversicherer, auf Anfrage mit.

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Quelle: Volkmar Heinz

Dresden. Dennoch lehnt auch sie etwa jeden dritten Antrag ab. Die Kassen befürchten, dass diese Kuren als Urlaub missbraucht werden, ergab eine dpa-Umfrage. Wohlfahrtsverbände und Müttergenesungswerk raten Betroffenen, in Widerspruch zu gehen.

Beim DRK in Sachsen werden immer weniger Mutter-Kind-Kuren gezählt. „In den ersten drei Monaten dieses Jahres kamen 521 Mütter oder Väter mit ihren Kindern in das „Haus am Jonsberg““, sagte DRK- Sprecherin Antonie Muschalek. Verglichen mit dem Vorjahr sei das ein Minus von 58 Prozent. Bei Jonsdorf im Zittauer Gebirge unterhält das DRK das Heim für Kur, Erholung und Familienurlaub. „Die Mütter und Väter können mit ihren Kindern Kraft schöpfen und ihre Gesundheit stärken“, sagte Muschalek.

Die AOK Plus in Dresden will nicht für den Rückgang verantwortlich sein. 1265 Vorsorge- und Rehaleistungen für Mütter und Väter mit ihren Kindern seien im ersten Halbjahr in Sachsen bewilligt worden - etwa ebenso viele wie in den vergangenen Jahre. 2009 habe die Zahl bei 2015 und 2008 bei 2070 gelegen. „Etwa zwei Drittel der Anträge werden unterstützt“, so AOK Plus-Sprecherin Hannelore Strobel. „Eine Mutter-Kind-Kur ist aber nicht als Urlaubsersatz gedacht.“ Es gebe Fälle, bei denen entlastende Hilfen wie Kinderspielkreise oder die Nachmittagsangebote von Kindergärten die bessere Alternative seien.

Auch die Techniker Krankenkasse (TK) weist Vorwürfe zurück, bei Mutter-Kind-Kuren auf die Bremse zu treten. „Fast Dreiviertel aller Anträge in diesem Jahr wurden bewilligt“, sagte TK-Sprecherin Annett Böttcher in Leipzig. Das sei sogar eine Steigerung. Im Vorjahr habe Quote bei 72 Prozent gelegen. Böttcher hat eine andere Erklärung für die sinkende Zahl von Kuren: „In den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurde 12,4 Prozent weniger Anträge gestellt.“ Stehe die Erholung im Vordergrund, rechtfertige dies keine Mutter-Kind-Kur, betonte auch Böttcher. „Eine Kur ist eine medizinische Maßnahme.“

Anträge auf Mutter-Kind-Kuren würden oft abgelehnt, räumte hingegen der Sprecher der Barmer GEK für Sachsen, Thomas Schmid ein. „Das heißt aber nicht, dass nichts gemacht wird.“ Die Kasse orientiere auf kostengünstigere Behandlungen zu Hause - Badekuren, Massagen, Lebensberatung. „Es geht darum, Menschen zu helfen - nicht ihnen einen Urlaub an der See zu finanzieren.“

„Die Antragsverfahren für Mutter-Kind-Kuren sind sehr mühsam und werden von Betroffenen oft als kränkend empfunden“, kritisierte Kathrin Pflicke vom Müttergenesungswerk in Dresden. Die Vorschläge der Krankenkasse würden deren Situation oft nicht gerecht. „Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kleinstkindern und ohne Familie kann zu Hause kaum regenerieren. Meist waren die Frauen nach Jahren an dem Punkt, an dem sie erkannten, dass sie es nicht mehr allein schaffen.“

Ines Vogel von der Arbeiterwohlfahrt rät Müttern und Vätern, sich bei abgelehnten Anträgen zu wehren. Dafür gebe es Beratung. Derzeit gehe nur etwa jeder zweite Betroffenen in Widerspruch und davon wiederum sei jeder zweite Fall erfolgreich. „Widerspruch lohnt sich.“

dpa

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