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NPD-Chef Apfel unter Druck

NPD-Chef Apfel unter Druck

Rund zweieinhalb Wochen vor dem geplanten Bundesparteitag werden die Zeiten rauer für NPD-Chef Holger Apfel. Grund sind gleich zwei neue Parteien, die mehr oder weniger am rechten Rand auf Stimmenfang gehen - die rechtspopulistische "Alternative für Deutschland" (AfD) und "Die Rechte" des altbekannten Neonazi-Kaders Christian Worch.

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Holger Apfel

Quelle: dpa

Beide Neugründungen stellen eine Konkurrenz für die NPD dar, Apfel droht in die Zange genommen zu werden.

Der erste öffentliche Auftritt war allemal ein Überraschungserfolg. Zur Auftaktveranstaltung der neuen Partei "Alternative für Deutschland" Mitte März in Oberursel hatten die Organisatoren mit vielleicht 200 Teilnehmern gerechnet. Am Ende waren dann aber rund 1200 Interessierte gekommen, und das, obwohl der eigentliche Gründungskongress erst im April über die politische Bühne gehen soll.

Prompt landete die AfD Treffer in der überregionalen Presse, und nicht zuletzt gab es Auftritte in Talkshows. Grund für die große Aufmerksamkeit ist der plakative Inhalt der neukonservativen Populisten: Die Alternative für Deutschland will zwar keineswegs rechtspopulistisch sein, sie tritt aber klar als die eurokritische Partei schlechthin auf. Und sie kann getrost davon ausgehen, dass das bei vielen Bundesbürgern Sympathiepunkte bringt. So hat erst kürzlich eine Umfrage ergeben, dass rund 26 Prozent die Grundposition der Euro-Kritiker teilen. Hinzu kommt die aktuelle Zypern-Krise, die bei vielen Bürgern die alte Sorge befeuert, dass die Gemeinschaftswährung nicht auf Dauer trägt.

Dabei ist die AfD prominent besetzt. Hinter ihr stehen nicht nur ein ehemaliger Staatssekretär, sondern auch renommierte Publizisten - und der Ex-Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel. Die Tatsache, dass diese Mischung aus Ehemaligen und Emeritierten mit der Losung "Weg mit dem Euro" politisch zu punkten versucht, ist für manch andere Partei ein Problem. Denn damit steht die Alternative für Deutschland nicht nur in Konkurrenz zu einer sozialdemokratisierten Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), sondern auch zur rechtsextremen NPD.

Seit Wochen lassen Apfel und seine Kameraden kaum eine Gelegenheit aus, um gegen die EU und den Euro mobil zu machen. Denn damit - und mit seiner Losung von der "seriösen Radikalität" - will Apfel die Neonazi-Partei hoffähig machen. Doch genau hier, im Milieu der Altkonservativen und Merkel-Enttäuschten, dürfte die AfD nun weitaus bessere Karten haben als die braune Truppe.

Das ist die eine Seite der unschönen Gemengelage für den NPD-Chef. Die andere dreht sich um jene Kader, denen die NPD-Funktionärsriege seit langem als zu bürgerlich und "verbonzt" gilt. Hier ist jetzt mal wieder der Neonazi Christian Worch mit seiner Neugründung "Die Rechte" aktiv - was eine kleine Anspielung auf "Die Linke" von ganz rechts außen ist. Dabei besteht die Führungsriege zum Teil aus früheren Funktionären der ebenfalls rechtsextremen DVU, die nicht bereit waren, in die NPD einzutreten. Darüber hinaus dürfte Die Rechte aber auch für die traditionell parteifernen freien Kameraden attraktiv sein.

Dafür sorgt schon allein die Tatsache, dass Worch in der Szene vor allem durch seinen Hang zum Aktionismus bekannt geworden ist. Kaum ein anderer Neonazi in Deutschland hat in den vergangenen Jahren so viele Aufmärsche angemeldet wie er - die Serie von Demos in Leipzig zum Beispiel. Bei vielen Neonazis genießt der altgediente Kader deshalb hohes Ansehen.

Damit wird die Lage für Apfel zunehmend schwierig. Denn intern hat er bereits mit dem sogenannten "Freundeskreis Udo Voigt" zu tun. Dahinter stehen Anhänger des früheren NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt, der im Herbst 2011 von Apfel aus dem Amt gedrängt worden war.

Der NPD-Bundesparteitag soll am 6. April stattfinden, voraussichtlich in Bayern. Bisher allerdings hat Apfels Truppe noch keinen passenden Saal gefunden. Als letzte Möglichkeit bliebe der Neonazi-Partei somit Sachsen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.03.2013

Jürgen Kochinke

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