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Nach Archiv-Einsturz von Köln: Geborgenes Material kommt in Wermsdorfer Werkstatt

Nach Archiv-Einsturz von Köln: Geborgenes Material kommt in Wermsdorfer Werkstatt

Geborgene Schätze aus dem vor einem Jahr eingestürzten Stadtarchiv in Köln sollen jetzt in Wermsdorf gerettet werden. Ab März werden Urkunden, Notizen oder Protokolle im Archivzentrum Hubertusburg angeliefert und mittels modernster Technik und akribischer Handarbeitet bewahrt.

Wermsdorf. Wie genau das ablaufen soll, haben Restauratoren aus Köln, Münster, Hamburg und Wermsdorf jetzt in der Hubertusburg beraten.

Das Historische Archiv der Stadt Köln war am 3. März vergangenen Jahres in sich zusammengestürzt. Tonnenschwerer Schutt begrub dabei das geschichtlich wertvolle Gedächtnis des Hauses. "Das Material hat dabei schwer gelitten", weiß Ulrich Fischer von der Kölner Einrichtung, "ein Problem ist zum Beispiel der ganze Betonstaub. Dieser ist alkalisch und das greift das Papier an." Zudem setzten Schlamm und Wasser den Akten, Urkunden, Karten oder Protokollen zu. "Alles, was nass war, musste eingefroren werden", so Fischer. Der gängige Weg dafür sei das Gefriertrocknen.

Und das soll jetzt wieder aufgetaut werden - unter anderem in Wermsdorf. "Das ist eine Zeitfrage und muss innerhalb von zwei Jahren geschehen. Sonst droht - wie daheim im Eisfach - Gefrierbrand. Das heißt, die Eismoleküle werden größer und zerstören das Schriftgut", beschreibt Thomas-Sergej Huck, Leiter des Archivzentrums Hubertusburg in Wermsdorf.

Dass eine Rettungsaktion für Kölner Archivgut jetzt in seinem Haus durchgeführt werden soll, nennt Huck eine Selbstverständlichkeit. "Nordrhein-Westfalen hat uns im Jahr 2002 bei der großen Flut auch geholfen und das Ephoralarchiv von Grimma gerettet - da ist es eine Frage der guten Erziehung, sich zu revanchieren", meint er. Derzeit werde für die Arbeit in Wermsdorf ein Kooperationsvertrag zwischen dem Freistaat Sachsen und der Stadt Köln ausgearbeitet.

Bis Ende nächsten Jahres, schätzt Ulrich Fischer vom Kölner Archiv werde man in Wermsdorf zu tun haben - mindestens. Bisher seien 500 Gitterboxen mit geborgenen Unterlagen bestückt, noch gut zehn Prozent des Kölner Archivgutes vermuten die Experten in der Einsturzstelle. "Wir hatten schließlich eine Kapazität von über 30 Regal-Kilometern", macht der Fachmann deutlich.

"Wir wollen das geborene Material, das im Moment noch in Kühlhäusern in Nordrhein-Westfalen gefrostet wird, hier gefriertrocknen, dafür bietet Wermsdorf mit der größten verfügbaren Anlage sehr gute Voraussetzungen", betont er. In den Werkstätten in der Hubertusburg werde dem Archivgut im Vakuum Feuchtigkeit entzogen. Anschließend soll das Material trocken gereinigt werden. "Mit Pinsel oder Latexschwämmen. Da muss man jedes Stück in die Hand nehmen", erklärt Fischer.

"Wir setzen uns hier in ein gemachtes Nest, die Bedingungen passen hervorragend", urteilt Nadine Thiel über die Einrichtung in Wermsdorf. Sie ist die Leiterin der Restaurierung und koordiniert für die Kölner die Arbeiten. Der gesamte Archivbestand sei durch den Einsturz komplett in Unordnung geraten: "Ein Schnipsel einer Akte kann jetzt in Detmold sein, einer in Münster und einer in Wermsdorf. Wir müssen das sortieren, damit die Restaurierung funktioniert", beschreibt sie. Ehrgeiziges Ziel der Kölner: Alle Bestände wieder nutzbar machen. "Das ist realistisch", so die Expertin.

Jana Brechlin

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