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Nach Spielabbruch in Mügeln: Innenminister will Sicherheitsmaßnahmen überdenken

Nach Spielabbruch in Mügeln: Innenminister will Sicherheitsmaßnahmen überdenken

Das Fußball-Bezirksklasse-Spiel SV Mügeln gegen Roter Stern Leipzig in Mügeln ist am Samstag vorzeitig beendet worden. Wie die Polizei mitteilte, unterbrach der Schiedsrichter das Spiel in der 80. Minute nachdem ein Teil der insgesamt 600 Zuschauer rechte Parolen gerufen und rassistische Lieder gesungen hatten.

Mügeln. Zu dem Zeitpunkt führte der SV Mügeln/Ablaß mit 2:0.

Der Referee hatte das Spiel bereits in der 28. Minute für etwa 25 Minuten unterbrochen, weil es zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Leipziger Fans gekommen war. Ein RSL-Anhänger hatte beobachtet, wie im heimischen Fanblock ein Hitlergruß gezeigt wurde. Nach Polizeiangaben wurden die Beamten, als sie im Gästeblock die Personalien des Augenzeugen aufnehmen wollten, von unbeteiligten Gästefans angegriffen. Ein Polizist und zwei Randalierer wurden dabei verletzt. Es entwickelten sich Tumulte.

In der zweiten Halbzeit setzten sich die verbale Auseinandersetzungen zwischen beiden Fanlagern fort. Laut Polizei wurden von Seiten der Mügelner Fans zunehmend diskriminierende Sprüche skandiert. Ermahnungen der Ordnungskräfte blieben unbeachtet, so dass der Schiedsrichter in der 80. Minute die Partie für beendet erklärte.

Der Rote Stern Leipzig zeigt sich nach dem Spiel in einer offiziellen Mittelung "entsetzt über die offen zu Tage tretende menschenverachtende Gesinnung" der gegnerischen Fans. Den Polizeieinsatz in der ersten Halbzeit im Gästeblock bezeichnet Vereins-Vorstand Sophia Bormann als "unverhältnismäßig". Mehrere Fans seien auf das Spielfeld geflüchtet. "Die Einsatzkräfte hätten mit uns oder unseren Ordnern vorher reden sollen, dann wäre es wohlmöglich nicht zu den Tumulten gekommen", erklärt sie gegenüber LVZ-Online.

Bereits vor dem Anpfiff war es nach Polizeiangaben zu zum Teil gewaltätigen Auseinandersetzungen der gegnerischen Fanlager gekommen. Ein Leipziger habe im Einlassbereich einen am Boden liegenden Anhänger des SV Mügeln mehrfach in Richtung des Kopfes getreten. Gegen ihn wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Im Anschluss an das Spiel kam es auf dem Mügelner Marktplatz zu einer Demonstration von ca. 60 Personen. Diese löste die Polizei auf, nachdem auch hier ein Lied mit verfassungsfeindlichem Inhalt angesungen wurde. Die Personalien aller beteiligten Personen wurden aufgenommen, gegen sie wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet.

Mügelns Presseverantwortlicher Jan Greschner distanzierte sich von den Vorkommnissen. „Ich und auch der gesamte Verein möchten die rechten Gesänge einer Gruppe, die noch niemals in Mügeln oder Ablaß zum Fußball erschienen waren, in keinster Weise leugnen oder gar beschönigen. Wir distanzieren uns in absoluter Weise von diesen dort Anwesenden“, teilte Greschner in einer Stellungnahme auf der Homepage des Clubs mit. Er betonte aber auch, dass die Leipziger Anhänger den ersten Spielabbruch provoziert hätten. Zudem seien die Mügelner Spieler sowohl im Hinspiel als auch am Samstag als „Nazis“ bezeichnet worden. „Von Zuschauern und Spielern!“, behauptete Greschner.

Sachsen Innenminister Markus Ulbig kritisiert die jüngsten Ereignisse scharf. „Das hat mit Fußball nichts mehr zu tun. Die verbalen und

gewaltsamen Auseinandersetzungen rund um das Spiel zeigen, dass der Fußball von rechten und linken gewaltbereiten Extremisten benutzt wird. Wir werden gemeinsam mit dem sächsischen Fußballverband weiterhin konsequent gegen diese Entwicklungen vorgehen. Die Ereignisse in Mügeln haben gezeigt, dass wir zusammen mit den Vereinen auch über neue Maßnahmen zu mehr Sicherheit bei Risikospielen reden müssen.“

„Das sind Kräfte, für die der Fußball nur als Bühne dient", erklärt Klaus Reichenbach, Präsident des sächsischen Fußballverbandes am Tag nach dem Spiel. Er erwarte von den Vereinen "eine klare Distanzierung von jeder Art Gewalt und Hassparolen.“

Roter Stern Leipzig ist in dieser Saison bei Auswärtsspielen schon mehrfach Angriffsziel von Rechtsextremen geworden. Am 24. Oktober 2009 hatten rund 50 Neonazis die Partie FSV Brandis - Roter Stern überfallen. Bei der Prügel-Attacke waren etliche Zuschauer und auch Spieler aus Leipzig zum Teil schwer verletzt worden. Zwei der ermittelten Straftäter von Brandis wurden mittlerweile zu Haftstrafen verurteilt.

Mügeln war in den vergangenen Jahren immer wieder Schauplatz extremistischer Gewalttaten. Bei einer Schlägerei von 20 bis 25 Jugendlichen vom vergangenen Karfreitag ermittelt der Staatsschutz. Im März gab es einen Angriff auf den indischen Mitarbeiter einer Pizzeria. Im August 2007 war die Stadt durch ausländerfeindliche Übergriffe auf eine Gruppe von Indern während eine Volksfestes in die Schlagzeilen geraten.

dpa/ar

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