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Nach acht Jahren endet Ryanair-Linienbetrieb in Altenburg

Nach acht Jahren endet Ryanair-Linienbetrieb in Altenburg

Der Traum vom Drehkreuz für Billigflieger ist wie eine Seifenblase zerplatzt: Am Samstag wird letztmalig eine Ryanair-Maschine auf dem Altenburger Flugplatz nach London abheben.

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Ryanair startet nicht mehr ab Altenburg. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Altenburg. Der Billigflieger war der einzige Anbieter von Linienflügen ab Altenburg. Nun wird es wohl längere Zeit still in den beiden Terminals. „Wir haben 50 Leute entlassen“, berichtet Geschäftsführer Jürgen Grahmann. „Ab dem 1. April werden nur noch 15 Mitarbeiter da sein.“

Wie geht es weiter auf dem früheren Militärflugplatz, der seit der Wiedervereinigung mit Millioneninvestitionen ausgebaut wurde? Vorerst wollen die Flugplatzbetreiber verstärkt auf Geschäftsflüge setzen. Zu den wichtigsten Kunden in diesem Segment gehören laut Grahmann etwa Volkswagen Sachsen und Südzucker in Zeitz. „Unser großer Vorteil sind die kurzen Wege zur westsächsischen Industrieregion Chemnitz-Zwickau“, sagt Grahmann. „Wir hatten im vergangenen Jahr 10 700 Flugbewegungen, nur 700 davon von Ryanair.“

Aber auch das Angebot von Linienflügen haben die Altenburger noch nicht abgeschrieben. „Wir haben unsere Start- und Landebahn auf 2400 Meter für große Maschinen ausgebaut - das macht ohne Linienflüge keinen Sinn“, erläutert Grahmann. In den Verhandlungen mit dem Land haben die Flugplatzbetreiber dabei jüngst einen wichtigen Etappensieg errungen: Das Land zahlt vorerst weiter wie versprochen 250 000 Euro pro Jahr für die Flugsicherung. Ohne die Lotsendienste und mit einem Verlust der Kontrollzone wären Verhandlungen mit Fluggesellschaften obsolet geworden. „Wir sind in Gesprächen“ - mehr will Grahmann derzeit nicht sagen.

Doch auch ohne Linienflüge ist der kleine Airport ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region. Nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer Ostthüringen (IHK) sind mehr als 600 Arbeitsplätze direkt oder indirekt dort angesiedelt. „Für die Ansiedlung von Unternehmen ist es wichtig, dass ein Landeplatz in der Nähe ist“, berichtet der Zwickauer Landrat Christoph Scheurer (CDU) aus seiner Erfahrung. Vor allem Großunternehmen nutzten den Flieger für Geschäftsreisen. „Gerade bei Firmen, die im Hochtechnologie-Bereich tätig sind, kommt es auf Geschwindigkeit an. Bei Lieferausfällen ist da ein Landeplatz in der Nähe immens wichtig.“

Beispiel Volkswagen Sachsen: Der Autobauer mit 7300 Beschäftigten in Zwickau und Chemnitz hat den Altenburger Flugplatz bisher für kleinere Frachtmengen genutzt, um Engpässe im Betriebsablauf zu vermeiden. Zudem landen die Vorstände und Gäste meist in Altenburg. „Wir sind daran interessiert, den Flugplatz auch zukünftig nutzen zu können“, sagt Unternehmenssprecher Gunter Sandmann. Die Anfahrt von dort bis zum Werk in Mosel dauert etwa eine halbe Stunde, die Fahrt bis zu den Flughäfen Leipzig/Halle oder Dresden mindestens doppelt so lange.

Mit dem Rückzug von Ryanair aus Altenburg verliert Thüringen die einzige direkte Linienflugverbindung ins Ausland - mit fatalen Folgen für den Fremdenverkehr, wie die Chefin der Altenburger Tourismus GmbH, Christine Büring, konstatiert. Zusätzliches Wachstum sei für den Thüringer Städtetourismus vor allem durch Gäste aus dem Ausland zu erzielen, ist sie überzeugt. „Aber zu glauben, dass sich ein Engländer in den Zug setzt und hierherkommt, ist illusorisch.“ Und wer einmal in Leipzig/Halle gelandet sei, fahre dann wohl eher nach Berlin weiter als nach Erfurt, Jena oder Eisenach. Gerade auch mit Blick auf das Reformationsjubiläum sieht Büring da Potenzial verschenkt.

Auf rund elf Millionen Euro wurden die jährlichen Konsumausgaben der in Altenburg eingereisten spanischen und englischen Fluggäste in einer IHK-Studie beziffert, allerdings gaben sie den Großteil davon außerhalb Thüringens aus. „Was da an Subventionen reingesteckt wurde, ist letztlich immer wieder reingekommen“, betont Büring. Auch wenn das Hotel- und Gastgewerbe in Altenburg selbst davon nur marginal Nutznießer war, die Region insgesamt habe profitiert.  

Mehr als 17 Millionen Euro an Steuergeldern sind in den Flugplatz geflossen. Als in den Sand gesetzt sehe er das Geld nicht, sagt der Direktor beim Thüringer Rechnungshof in Rudolstadt, Klaus Behrens. Es sei wichtig gewesen, Visionen für diese strukturschwache Region zu entwickeln. „Unser Appell an das Land und die Gesellschafter ist: Seid kreativ und denkt darüber nach, was ihr tun könnt und welche Konzepte es noch gibt, um diese Infrastruktur zu nutzen.“ Das gelte nicht nur für den Flugplatz Altenburg, sondern auch für den hochsubventionierten Erfurter Landeplatz.

dpa

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