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Nachbarschaft beschallt - Terror-Trio wirft braunen Schatten auf Unistadt Jena

Nachbarschaft beschallt - Terror-Trio wirft braunen Schatten auf Unistadt Jena

„Ich habe nichts mitbekommen“, ruft eine Passantin und eilt an diesem nebligen Novembertag hastig weiter. Im Plattenbau im Jenaer Stadtteil Winzerla ist der intellektuelle Kopf des Terror-Trios, das in ganz Deutschland gemordet und geraubt haben soll, aufgewachsen; die Eltern von Uwe Mundlos wohnen noch immer hier.

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Ein Schild „Winzerla“ weist auf das gleichnamige Wohngebiet in Jena hin. Die einer Mordserie verdächtigen Rechstradikalen sind in Jena aufgewachsen.

Quelle: dpa

Jena. Doch die Bewohner des Hauses geben sich wortkarg, wollen nichts wissen oder sagen. Eine Frau von schräg gegenüber ist redseliger: Als ihre Jungs noch klein waren, habe Mundlos manchmal die Nachbarschaft mit den Goebbels-Worten „Wollt ihr den totalen Krieg?“ beschallt.

Als Boomtown - eine der wenigen im Osten - ist Jena in den vergangenen Jahren überregional bekanntgeworden. Nicht nur, dass die Bevölkerung auf mehr als 100 000 Einwohner gewachsen ist. Die Stadt hat auch Thüringens größte Universität, moderne Forschungsinstitute und High-Tech-Unternehmen wie Jenoptik und Intershop vorzuweisen. Doch auch die rechtsextreme Szene ist hier seit Jahren aktiv.

Er habe den Eindruck, dass der Rechtsextremismus in der Stadt früher nicht ernst genug genommen wurde, sagt SPD-Oberbürgermeister Albrecht Schröter. So habe es immer wieder warnende Stimmen gegeben. Schröter, der sich gegen Rechts engagiert, hat selbst schon Drohungen erhalten. Sein Haus wurde mit Farbbeuteln beworfen. Dennoch: „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass Menschen so kaltblütig morden.“ Er habe die Hoffnung, dass die schreckliche Mordserie dem Widerstand gegen Rechtsextremismus Schub verleiht, erklärt Schröter, der an diesem Donnerstag in Berlin mit dem „Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“ geehrt wird.

Das Jugendzentrum in Winzerla, in dem das rechtsextremistische Trio verkehrt sein soll, ist inzwischen verlassen und von einem modernen Neubau ein paar Meter weiter abgelöst. Das sogenannte Braune Haus im Stadtteil Lobeda - lange Jahre ein Treffpunkt der rechten Szene - ist zwar seit einiger Zeit von der Stadtverwaltung wegen baulicher Mängel versiegelt. Im Hof dahinter deuten allerdings Bierbänke und eine schwarz-weiß-rote Flagge auf gelegentliche Treffen hin.

Klar gebe es hier Jugendliche in Neonazi-Kleidung, erzählt der Verkäufer eines Zeitungskiosks in Winzerla. „Ich fühle mich hier aber nicht bedroht.“ Ihr sei das alles schleierhaft, sagte eine Frau aus der Nachbarschaft: „Das sind ganz nette Eltern.“ Kurz ist an diesem Tag auch die Mutter von Uwe Mundlos zu sehen. Die schlanke Frau mit kurzen, blonden Haaren schiebt einen Rollstuhl in die Wohnung. „Wir stehen unter Schock und sind stark in Trauer“, sagt sie nur. Dann schließt sich die Tür.

Wie es zu der Entwicklung in Jena kam, müsse „sauber analysiert werden“, ohne Hysterie, betont Oberbürgermeister Schröter. So müsse über neue Ansätze in der Jugendarbeit diskutiert werden, damit die rechten Rattenfänger keine Chance mehr hätten. Die Stadtverwaltung sieht Indizien dafür, dass sich die Rechten aus Jena zurückgezogen haben. So gebe es etwa das Rechtsrock-Festival „Fest der Völker“, das im Juni 2005 erstmals in Jena ausgetragen worden war, nicht mehr.

Andreas Hummel, dpa

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