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Naturkatastrophen: Tillich schlägt Pflichtversicherung vor

Elementarschäden Naturkatastrophen: Tillich schlägt Pflichtversicherung vor

Wenn Unwetter über Sachsen ziehen, dann sorgen sich vor allem Eigenheimbesitzer um ihr Hab und Gut. Daher drängt der Freistaat auf bezahlbare Versicherungspolicen für alle Bürger. Doch es sind sich nicht alle Seiten einig.

Unwetterschäden können zum Problem werden - darum fordert Sachsen eine Pflichtversicherung. (Archivbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Der Freistaat Sachsen dringt auf einen deutlich besseren Versicherungsschutz gegen Hochwasser und andere Naturkatastrophen. „Wir setzen uns bei der Versicherungswirtschaft und dem Bund dafür ein, dass jeder Bürger – auch in Hochrisikogebieten – eine bezahlbare Elementarschadenversicherung erhalten kann“, sagt Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) der LVZ. Eine bundesweite Pflichtversicherung stelle dabei eine Möglichkeit dar.

Pflichtversicherung

Sollte eine Pflichteversicherung gegen Schäden durch Naturgewalten eingeführt werden?

Hintergrund des Vorstoßes ist, dass Sachsen in den vergangenen Jahren immer wieder von Naturkatastrophen getroffen wurde. Dafür stehen unter anderem die Jahrhundertflut 2002, die Überschwemmungen 2010 nach sintflutartigen Regenfällen und das Hochwasser 2013. „Es gibt keinen Automatismus, dass immer der Staat einspringt“, macht Tillich klar, „jeder Grundstückseigentümer ist in eigenem Interesse angehalten, Elementarschäden finanziell selbst abzusichern.“ Der Freistaat investiere zwar auch weiterhin massiv in den technischen Hochwasserschutz – „das ist aber kein Ersatz für Eigenvorsorge“.

Aktuell ist in Sachsen, wie auch in Thüringen, nicht einmal jedes zweite Gebäude gegen Naturgewalten versichert. Das liegt auch an den hohen Prämien, erklärt Andrea Heyer von der Verbraucherschutzzentrale Sachsen (VZS): „Aufgrund der Selektion ist eine Elementarschadenversicherung nicht für jeden bezahlbar. Da bei einer Versicherungspflicht jeder Hauseigentümer eine solche Police abschließen müsste, käme es zu sinkenden und damit bezahlbaren Prämien.“

In Sachsen fast 70 Prozent für Versicherung

Eine VZS-Prüfung hat zudem ergeben, dass es in vielen Risikogebieten – etwa entlang der Elbe oder der Mulde – nahezu aussichtslos ist, sich gegen Natur­gefahren zu versichern. Deshalb setzt sich die Verbraucherschutzzentrale bereits seit 2002 für eine Pflichtpolice ein. In einer repräsentativen Umfrage aus dem Frühjahr 2017 sprachen sich immerhin 67 Prozent der Deutschen für eine solche Pflicht aus, in Sachsen und Thüringen waren es sogar fast 70 Prozent.

Die Versicherungswirtschaft hält davon nichts. „Eine Pflichtversicherung nimmt jeden Anreiz für Prävention – mehr Schäden wären die Folge“, sagt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Wenn jeder Schaden in jedem Fall ersetzt wird, bleiben staatlicher und individueller Hochwasserschutz auf der Strecke.“ Zudem steige die Abdeckungsquote: Waren in Sachsen im Jahr 2013 noch 42 Prozent der Häuser versichert, sind es jetzt vier Prozentpunkte mehr. Auch das Argument der hohen Kosten will der GDV nicht gelten lassen: „Häufig kostet eine Elementarschadenversicherung deutlich weniger als eine Vollkasko-Versicherung für das Auto.“ Laut GDV wurden 2015 knapp 2,6 Milliarden Euro und im vergangenen Jahr zwei Milliarden Euro für Schäden ausgezahlt.

Sachsens Regierungschef will dennoch – auch mit Hilfe der Ministerpräsidenten-Konferenz – weiterhin Druck auf die Versicherer machen. Tillich hofft auf ein Einlenken: „Ein starkes Signal wäre eine entsprechende Selbstverpflichtung der Versicherungswirtschaft.“ In der Schweiz gibt es bereits eine solche Pflichtversicherung.

Andreas Debski

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