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Nazi-Aufmarsch überschattet Gedenken in Dresden

Nazi-Aufmarsch überschattet Gedenken in Dresden

Die Stadt Dresden gedenkt an diesem Samstag ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und muss sich erneut auf Krawalle einstellen. Das sächsische Innenministerium rechnet mit bis zu 8000 Rechtsextremen aus ganz Deutschland und dem Ausland.

Dresden. Ein Großaufgebot der Polizei soll ein Aufeinandertreffen mit Gegendemonstranten verhindern. Die Stadt selbst möchte mit einer Menschenkette von der Synagoge bis zum Altmarkt Stellung beziehen. Ob dieses Symbol am Ende die Nachrichten vor allem ausländischer Medien bestimmen wird, bleibt fraglich.

Dresden scheint 65 Jahre nach der Tragödie weit von würdevoller Erinnerung entfernt. Viele Einwohner haben nur noch Sehnsucht nach Stille. So, wie es früher einmal war, als Menschen abends Konzerte oder Gottesdienste besuchten und dann mit einer Kerze an die Ruine der Frauenkirche kamen. Der 13. Februar war als Symbol der Versöhnung gedacht. Heute steht das Datum für ein jährlich wiederkehrendes Ritual, das von Neonazi-Aufmärschen überschattet wird und Linksautonome auf den Plan ruft. Deren Sprüche wie „Keine Träne für Dresden“ sorgen genauso für Empörung wie die Geschichtsfälschung der Nazis.

Deshalb wirken eher die kleinen Geschichten am Rande berührend. So erhalten auf dem Friedhof Dresden-Tolkewitz elf Tote der Luftangriffe britischer und amerikanischer Bomber nach 65 Jahren endlich ein Grab. Erst im April und Juli 2009 waren sie bei Bauarbeiten gefunden worden. Zwei von ihnen konnten identifiziert werden, Angehörige sind nun bei der Bestattung dabei. Die anderen Opfer bleiben namenlos. Nach neuen Erkenntnissen kamen bei den Angriffen am 13./14. Februar 1945 bis zu 25 000 Menschen ums Leben, Rechtsextreme hängen als Beleg für ein „alliiertes Kriegsverbrechen“ gern eine Null an diese Zahl.

Berührend ist auch die Geschichte des Musikers Isang David Enders. Der 22 Jahre alte Cellist ist Konzertmeister bei der Staatskapelle Dresden. Sein Vater stammt aus Deutschland, seine Mutter aus Korea - Enders vereint die Gesichtszüge zweier Völker. Das Gedenkkonzert der Staatskapelle unter Leitung von Christian Thielemann spielt Enders nicht. Er lässt sein Instrument an diesem Abend schweigen, weil er Nazis nicht begegnen möchte. „Als anders Aussehender bleibe ich lieber zu Hause. Ja, ich habe Angst auf die Straße zu gehen“, sagt Enders, der in Dresden Erfahrungen mit Pöbeleien gemacht hat.

Die Konzerte von Staatskapelle und Philharmonie gehörten schon immer zu den nachhaltigsten Eindrücken des 13. Februar in Dresden - auch für den Dirigenten Christian Thielemann. Wenn sich das Publikum nach der Musik ohne Applaus von den Plätzen erhebt und der Toten gedenkt, erreicht der Tag seine ursprünglich gewollte Bestimmung. Thielemann, der 2003 zu diesem Anlass schon einmal am Pult stand, beschrieb die Stimmung in der Stadt als „besinnlich, nachdenklich und ernst“. „Das war etwas, was ich noch nie erlebt hatte.“

dpa

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