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Neue Figur fertig: Im Oranienbaumer Schlosspark wird wieder genickt

Internationaler Museumstag Neue Figur fertig: Im Oranienbaumer Schlosspark wird wieder genickt

Im Chinesischen Haus des Schlosspark in Oranienbaum ist nun wieder eine sogenannte Nickfigur zu finden. Damit ist ein verloren gegangenes Ausstattungsstück wieder ersetzt worden – und kann am Museumstag am Sonntag von 11 bis 16 Uhr besichtigt werden.

Chinesische Einflüsse, wie das Teejhaus, haben im Oranienbaumer Schlosspark Tradition.
 

Quelle: dpa

Oranienbaum. Robert Hartmann muss keine empörten Worte fürchten. Der Mann von der Abteilung Baudenkmalpflege der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz fasst der Dame couragiert ins Gesicht. An das etwas vorspringende Kinn, um genau zu sein. Dort sitzt der Punkt, damit sich der Frauenkopf in Bewegung setzt. Noch scheint die über Gewichte funktionierende Mechanik im Inneren der Gipsfigur ein wenig schwergängig zu sein. Ein lediglich leichtes Antippen reicht nicht. Hartmann muss kräftigen Druck ausüben.

Die 140 Zentimeter hohe Statuette einer alten Chinesin, die auf einem kleinen Sockel steht, reagiert bestätigend. Es ist eine sogenannte Nickfigur. Die streng wirkende Gestalt – zwei steile Falten zwischen den Augen, das Haar straff zurückgekämmt – gehört seit Anfang der Woche zur Ausstattung des Chinesischen Hauses im Schlosspark des sachsen-anhaltischen Oranienbaum (Landkreis Wittenberg). Die Rekonstruktion der Chinesin stellt die vorerst letzte Maßnahme der Arbeiten am chinesischen Teil des Schlossparks dar.

War die im Volksmund Glockenturm genannte fünfgeschossige Pagode bereits Anfang der neunziger Jahre restauriert worden, gewann ab 2009 auch das Chinesische Haus seine historische äußere Gestalt und auffällig-markante Farbigkeit zurück. Durch Arbeiten am Stuckfußboden, die Rekonstruktion der Tapeten und Lampions sowie der Restaurierung des Mobiliars wurde der ursprünglichen Raumeindruck wieder lebendig.

Die originalen Nickfiguren aus Oranienbaum gingen im oder in der Folge des Zweiten Weltkriegs verloren. Den einzigen Anhaltspunkt für die Rekonstruktion lieferten historische Fotos aus dem Chinesischen Haus, mit deren Hilfe nach vergleichbaren Beispielen gesucht werden konnte. Im Rijksmuseum in Amsterdam wurde schließlich eine gleich aussehende Statue der älteren Frau ausfindig gemacht. Die niederländischen Kollegen stimmten der fototechnischen Erfassung im Maßstab 1:1 zu. Somit konnte ein Bildhauer die Figur für das Chinesische Haus per Hand nachfertigen. Die Arbeiten, die laut Experte Hartmann kostengünstiger waren als ein ins Auge gefasster 3D-Druck, wurden 2016 und 2017 realisiert. Damit ist nun ein verloren gegangenes Ausstattungsstück wieder ersetzt worden – und kann am Museumstag am Sonntag von 11 bis 16 Uhr besichtigt werden.

Das Interesse an China, vielmehr jedoch an chinesischem oder chinoisem Kunsthandwerk hatten schon die Urgroßeltern des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) gezeigt. Johann Georg II. (1627-1693) und Henriette Catharina (1637-1708) dachten beim Bau des Oranienbaumer Schlosses daran, es mit großen Mengen an chinesischem Porzellan und chinesischen Lackmöbeln auszustatten. Auch ließen sie chinoise Szenen an die Wandpaneele malen. Chinoiserie ist eine an chinesischen Vorbildern orientierte Richtung der europäischen Kunst.

Von Andreas Behling

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