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Neue Scheiben verdunkeln sich allein - Forscher entwickeln Glas aus Kartoffelstärke

Neue Scheiben verdunkeln sich allein - Forscher entwickeln Glas aus Kartoffelstärke

Wenn die Sommersonne Büros und Wohnungen mit großen Fenstern aufheizt, dann helfen oftmals nur Jalousien oder eine Klimaanlage. Forscher und Unternehmen aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt wollen das Problem künftig mit Fensterglas lösen, das sich je nach Lichteinstrahlung selbst verdunkelt.

Jena/Wolfen. Grundlage dafür sei ein farbloser Klebstoff auf Basis von Kartoffelstärke, teilte die Universität Jena am Dienstag mit. Er soll mit einem speziellen Farbstoff versehen werden, so dass die Glasscheiben bei bestimmter Lichtintensität blau werden und damit weniger Licht durchlassen. Erste Prototypen sind bis Anfang 2012 geplant.

Der Kleber aus Kartoffelstärke sei ursprünglich für medizinische Anwendungen entwickelt worden. Ein Vorteil sei, dass sich diese Stärke in großen Mengen preisgünstig gewinnen lasse, erklärte der Leiter des Kompetenzzentrums Polysaccharidforschung der Universität Jena, Thomas Heinze. Zudem lasse sich aus ihr ein schmelzbarer, transparenter Klebstoff herstellen. Diesen haben sich die Forscher den Angaben nach weltweit patentieren lassen.

Der Kleber sei zwischen zwei Glasscheiben nahezu unsichtbar und damit ideal für Verbundglas geeignet. Erste Prototypen lägen bereits vor. Das geplante „automatische Verschattungssystem“ sei deutlich preiswerter als existierende elektrochrome Systeme, bei denen das Glas durch elektrische Spannung verdunkelt wird. Das Gemeinschaftsprojekt werde von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen in den kommenden zwei Jahren mit rund einer Million Euro gefördert.

Neben den Chemikern der Universität Jena sind an der Entwicklung das Institut für Baukonstruktion der TU Dresden, das Institut für Technische Keramik in Hermsdorf, die Industrieforscher des Jenaer Innovent e.V. sowie die Ostthüringer Materialprüfungsgesellschaft beteiligt. Hinzu kommen zwei mittelständische Industriepartner aus Sachsen und Sachsen-Anhalt, darunter die Firma Synthon in Wolfen.

dpa

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