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Nicht auf Sand gebaut: Sächsischer Sandstein bleibt ein Dauerbrenner

Nicht auf Sand gebaut: Sächsischer Sandstein bleibt ein Dauerbrenner

„Willkommen in der Kreidezeit“, begrüßt Produktionsleiter Uwe Jahr Gäste in der Sächsischen Sandsteinwerke GmbH. Jahr steht im Steinbruch in Pirna-Posta, die Wände sind hier 90 Millionen Jahre alt und damit vergleichsweise jung.

Pirna. Gebildet hat sich Sandstein noch etwa 200 Millionen Jahre früher, als Wüstenklima das Territorium des heutigen Freistaates bestimmte und Sandschichten sich immer mehr zu festem Gestein verdichteten. Da der Anteil verwitterbarer Materialien in seinem Inneren nur gering ist, halten Experten Sandstein für ein ideales Baummaterial. Städte wie Dresden sind wesentlich aus diesem Stein gebaut.

Auch nach jahrhundertelangem Abbau können die Sandsteinwerke in der Sächsischen Schweiz aus dem Vollen schöpfen. Allein in Pirna- Posta reichen die Vorräte noch mindestens 100 Jahre. Aus sechs Steinbrüchen gewinnt das Unternehmen sein Material. Unterschieden wird in Postaer, Cottaer und Reinhardtsdorfer Sandstein - die Namen beziehen sich auf die Lagerstätten. Der Postaer Stein ist der härteste, für Bildhauerarbeiten eigenen sich besser die anderen beiden. Stress mit Bürgerinitiativen gegen Bergbau hat die Firma nicht. „Es gibt eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, wir sind ja schon seit Generationen hier Arbeitgeber“, sagt Jahr.

Der Produktionsleiter führt durchs Gelände, gleich ist die nächste Sprengung angesagt. Bohr- und Sprengmeister Gerald Weiß greift zum Signalhorn und bläst kräftig in die metallene Tüte. Dann donnert es mehrmals kräftig. Bis sich der Rauch verzieht, darf niemand an die Bruchstelle - so will es der Arbeitsschutz. Blöcke mit einer Kantenlänge von reichlich zwei Metern säumen das Trümmerfeld. Nach dem Abtransport werden sie in Werkhallen in Pirna in die benötigte  Form gebracht. Etwa 5000 Kubikmeter Sandstein werden so jedes Jahr der Natur entnommen. In den 90er Jahren waren es noch rund 9000. Viele Bauherren setzen lieber auf Billigsteine aus dem Ausland.

„Der Markt hat sich geändert, heute wird überall auf der Welt Naturstein produziert“, erklärt Geschäftsführer Johannes Roßrucker. Natürlich finden es die Sachsen ärgerlich, wenn ausgerechnet im Freistaat Sandstein aus China oder Afrika verbaut wird. Experten wie Jahr schwören jedenfalls auf die Qualität der einheimischen Ware. Manchmal sorgt Eisenhydroxid im Gestein für ungewollte Zeichnungen - nur ein kleiner Schönheitsfehler. Uwe Jahr macht dafür Gott persönlich verantwortlich: „Wir kriegen den, der das vor 90 Millionen Jahren zusammengerührt hat, nicht mehr.“

Aber auch so ist Sandstein eine Augenweide - besonders dann, wenn er in der Abendsonne in warmen Gelbtönen schimmert. Die Frauenkirche ist das allererste Referenzobjekt der Sächsischen Sandsteinwerke. 15 000 Kubikmeter Stein und damit drei Jahresproduktionen wurden beim Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Gotteshauses verwendet. Aber auch das frühere königliche Schloss Christiansburg in Kopenhagen und Gebäude in Schweden, Russland oder Österreich sind mit Material aus dem Elbsandsteingebirge gebaut. Künftig wollen die Sachsen auch Stein für den Neubau des Landtages in Potsdam liefern.

Rund 100 Mitarbeiter sorgen für einen Jahresumsatz, der zwischen sieben und acht Millionen Euro liegt. Derzeit hat das Unternehmen sechs Lehrlinge, die in den Berufen Naturwerksteinmechaniker und Steinmetz ausgebildet werden. Nach Steinmetz-Bewerbern - zu DDR-Zeiten ein attraktiver Beruf - müssen manche Firmen heute mitunter lange Ausschau halten. Die Fuchs+Girke Bau und Denkmalschutz GmbH in Ottendorf-Okrilla bei Dresden hat in diesem Jahr zwei Lehrstellen im Angebot - aber bisher nur einen Interessenten.

Jörg Schurig, dpa

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