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Nie mehr Politik - Dieter Althaus verabschiedet sich aus dem Thüringer Landtag

Nie mehr Politik - Dieter Althaus verabschiedet sich aus dem Thüringer Landtag

Dieser Freitag ist sein letzter im Landtag in Erfurt. Seit dem Wechsel zum kanadisch-österreichischen Magna-Konzern Anfang Februar hat Dieter Althaus, einst starker Mann der Ost-CDU und bis vor sieben Monaten Ministerpräsident von Thüringen, keine Parlamentssitzung geschwänzt.

Erfurt. Nun will er noch mit über den Landeshaushalt abstimmen - seine Nachfolgerin Christine Lieberknecht (CDU) verfügt in der neuen Koalition mit der SPD nicht gerade über eine komfortable Mehrheit. Dann ist definitiv Schluss für den Abgeordneten Althaus. „Das ist ein voller Rückzug aus der Politik“, sagt der 51-Jährige. Keine Gedanken an eine Rückkehr in einigen Jahren? „Nein.“   

Der Mann, der im vergangenen Jahr mit seinem Ski-Unfall, bei dem eine Frau auf einer Piste in Österreich tödlich verletzt wurde, für Dauerschlagzeilen sorgte, hat einen Strich unter die Vergangenheit gezogen. Nicht ohne Wehmut, wie er sagt. Immerhin war der ehemalige Lehrer aus dem thüringischen Eichsfeld 20 Jahre in der Politik und hat nach der Wiedervereinigung eine steile Karriere hingelegt. „Ich bin mit Leidenschaft Kultusminister, Fraktionschef und dann fast sechseinhalb Jahre Ministerpräsident gewesen und habe hart für das Land gearbeitet.“ Sein letztes politisches Amt im Bundesvorstand der CDU läuft im Herbst aus.   

Nun habe Phase drei seines Lebens begonnen: Der Managerjob beim Automobilzulieferer Magna, den er nicht nur durch den Übernahmepoker um Opel kennt, in dem Landespolitiker mit Opel-Werken wie Althaus mitgemischt haben. Wenn die Rede auf seine neue Aufgabe kommt, fallen bei Althaus Sätze, die mit „Wir bei Magna...“ beginnen. Er hat nun ein Büro in Wolfsburg, wo er als Vize-Präsident Europa für den großen Kunden VW zuständig ist, ab nächster Woche aber auch eines in seinem Heimatort Heiligenstadt. Der ehemalige Spitzenpolitiker ist zwischen der Deutschland- und Europazentrale des Konzerns unterwegs, demnächst auch in Asien oder Südamerika. „Es wird kein Büro geben, wo ich von Montag bis Freitag bin.“   

Die massive Kritik, er sei nun Autolobbyist, lässt Althaus nicht gelten. Dagegen steht ein Satz von Magna-Chef Siegfried Wolf, mit dem sich Althaus duzt: „Es ist erfreulich, wenn Politiker ihre exzellenten Kontakte und Erfahrungen nach der aktiven Zeit der Wirtschaft zur Verfügung stellen“, erklärte Wolf nach der Personalentscheidung. „Behördenkontakte sind bei meiner Aufgabe so viel“, sagt Althaus und lässt zwischen Zeigefinger und Daumen einen kleinen Spalt frei.

An seinem vorletzten Tag als Politiker wirkt der 51-Jährige gut gelaunt, redet mit vielen in den Landtagsgängen und eilt dazwischen schnell noch zu einer Abstimmung ins Plenum. Von der Anspannung, der erstarrt wirkenden Mimik nach dem Ski-Unfall, dem Debakel bei der Landtagswahl mit dem Verlust der absoluten Mehrheit und nach seinem einsamen Rücktritt als Partei- und Regierungschef im September ist nicht viel geblieben. „Ich habe eine spannende Aufgabe, kann mich einbringen, werde gefordert.“ Allein in Europa habe Magna über 33 000 Beschäftigte. Ihm sei nach der Krise im vergangenen Jahr schnell klar gewesen, dass er einen Neuanfang braucht, „dass ich einen neuen Weg gehe, konsequent“.

Aber ein Detail, das an seine Politikerzeit erinnert, ist Althaus doch wichtig. An einer Tür in den Gängen der CDU-Landtagsfraktion steht sein Name vor dem seines Vorgängers Bernhard Vogel (CDU). Raum 287 mit dem Hinweis „Ministerpräsidenten a.D.“ wird ihm in Erfurt erhalten bleiben.

Simone Rothe, dpa

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