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Noch mehr Plätze in Sachsens Erstaufnahmestellen - Proteste in Heidenau

Flüchtlinge Noch mehr Plätze in Sachsens Erstaufnahmestellen - Proteste in Heidenau

Angesichts ständig steigender Flüchtlingszahlen muss die Staatsregierung ihr Unterbringungskonzept anpassen. In Heidenau protestierten Flüchtlinge gegen die Bedingungen in ihrer Unterkunft.

Flüchtlinge protestieren am 10.09.2015 in Heidenau (Sachsen) mit Plakaten u.a. mit der Aufschrift «We die slowly» (Wir sterben langsam) gegen die schlechten Bedingungen in ihrer Unterkunft.

Quelle: dpa

Dresden. Angesichts steigender Flüchtlingszahlen muss Sachsens Staatsregierung ihr Unterbringungskonzept abermals anpassen. Intern gehe man jetzt von 15 000 Plätzen aus, die in Erstaufnahmeeinrichtungen geschaffen werden sollen, sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU) am Donnerstag in Dresden. Im Juli war die Regierung noch von 5000 Erstaufnahmeplätzen ausgegangen.

Gegen die Bedingungen in ihrer Unterkunft protestieren am Nachmittag rund 70 Flüchtlinge in Heidenau. Mit Pappschildern versammelten sie sich an der Straße vor dem alten Baumarkt, der wegen rechter Krawalle vor knapp drei Wochen in die Schlagzeilen geraten war. Auf den Schildern waren Schriftzüge wie „Wir sind kalt“ zu lesen, knapp 20 Polizisten sicherten den Protest. „Es ist erst September und schon jetzt frieren wir nachts. Wir haben nur einen dünnen Schlafsack, keine Decke und keine Kissen“, sagte der Syrer Anas Sakka, der seit knapp zwei Wochen in der Unterkunft in dem alten Baumarkt wohnt. Zudem sei es nachts oft laut und viele Bewohner warteten bereits seit Tagen auf ihren obligatorischen Gesundheitscheck.

„Ich habe völliges Verständnis für den Frust einiger Flüchtlinge“, sagte Christopher Neidhardt vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Neidhardt ist Einsatzleiter in der Heidenauer Asylunterkunft. Dass zahlreiche Asylbewerber in Heidenau seit Tagen auf ihre medizinische Untersuchung warten, kann er bestätigen. „Woche für Woche müssen wir die Flüchtlinge jetzt vertrösten.“ Die Erstaufnahmeverfahren seien völlig ins Stocken geraten durch die Masse der Flüchtlinge.

Ulbig gab zu, dass ein alter Baumarkt zur Unterbringung zahlreicher Menschen „natürlich keine Ideallösung“ sei. Unter den Gegebenheiten und dem enormen Anstieg der Flüchtlingszahlen sei das jedoch nicht zu vermeiden. „Wir werden in den nächsten Wochen auch auf solche Objekte zurückgreifen müssen.“ Bislang wurden laut Ulbig bereits 8850 Plätze in Erstaufnahmeeinrichtungen geschaffen. Der Minister kündigte an, dass die Unterkunft in einer Leipziger Messehalle bis zum Wochenende um 650 auf dann 850 Plätze erweitert werde. Dort sollen später einmal bis zu 2000 Menschen unterkommen.

Auch die neue Zeltstadt in der Nähe des Dresdner Hauptbahnhofs nimmt Form an: Zwei weitere winterfeste Großzelte für jeweils 200 Menschen seien bestellt, sagte Ulbig. Die Vorbereitungen für den Aufbau liefen. Ein erstes Zelt war bereits am Mittwoch mit 200 Menschen voll belegt worden. Um die Kommunen bei der Unterbringung der Flüchtlinge zu unterstützen, würden ihnen Haushaltserleichterungen ähnlich wie beim Hochwasser gewährt, sagte Ulbig. Zudem stelle die Regierung dem Landessportbund zusätzlich jährlich 200 000 Euro zur Integration von Flüchtlingen zur Verfügung, in diesem Jahr noch 50 000.

dpa

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