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Norovirus in Leipzig nachgewiesen - Experte: "Das sagt noch gar nichts"

Norovirus in Leipzig nachgewiesen - Experte: "Das sagt noch gar nichts"

Die Zahl der Magen-Darm-Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen ist in Leipzig nicht weiter gestiegen. „Es scheint, dass die Fälle abebben“, sagte am Montag Nils Lahl, Sachgebietsleiter Infektionsschutz beim Leiziger Gesundheitsamt.

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Nach massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen in ostdeutschen Schulen und Kitas hat die Catering-Firma Sodexo die Produktion auch in ihren vier Thüringer Küchen am Montag fortgesetzt.

Quelle: dpa

Leipzig/Berlin. Seit Freitagnachmittag seien keine neuen Meldungen bei der Behörde eingegangen. Sie registrierte bisher 348 Betroffene. Leicht geklettert ist dagegen die Patientenzahl in Markkleeberg. Die Gesundheitsbehörde registrierte dort 43 Neumeldungen und damit eine Gesamtzahl von 249 Erkrankten. Auch im Landkreis Nordsachsen kamen am Wochenende 38 zusätzliche Fälle dazu.

Das Leipziger Gesundheitsamt ist auch am Montag wieder mit Prüfern unterwegs. „Wir nehmen noch einmal Stuhlproben von Patienten und checken das Personal von Essenanbietern“, erklärte Lahl. Bei einem Patienten sei inzwischen das Norovirus nachgewiesen worden. Laut Lahl heißt das aber noch gar nichts. Seine Kollegen ermittelten weiter und schließen Bakterien als Urheber für die Epidemie ebenfalls nicht aus.

Bei den bisher untersuchten Speiseproben hätten die Wissenschaftler noch keinen positiven Befund erhalten. "Das dauert aber auch einige Zeit, bis alles ausgewertet ist", so Lahl. Damit sei nach wie vor unklar, was der genaue Auslöser für die Erkrankungen ist. Möglicherweise könnte eine Verunreinigung durch einen Zulieferer in die Küchen von Mittagessenversorgern eingeschleppt worden sein. Solange kein genaues Ergebnis vorliege, erteile das Leipziger Gesundheitsamt auch keine Verbote.

Kindergartenkinder und Schüler erhalten damit nach wie vor auch Mahlzeiten von der Firma Sodexo. Das Unternehmen in Rüsselsheim hat in der vergangenen Woche nahezu alle der insgesamt 8962 Erkrankten in Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beliefert. Ein Firmensprecher wies mehrfach jede Schuld von dem Betrieb.

Experten aus Bund und Ländern gehen bislang davon aus, „dass der Ausbruch nur durch ein belastetes Lebensmittel beziehungsweise eine Charge einer Lieferung ausgelöst wurde“. Möglicherweise sind Noroviren oder auch giftbildende Bakterien Schuld an dem Ausbruch.

Der Unterricht war am Montag in Leipzig nicht eingeschränkt. „Alle Schulen hatten geöffnet“, sagte Roman Schulz, Sprecher der Bildungsagentur. Ihm seien keine dramatischen Entwicklungen bekannt. Nach wie vor gelte: „Hygiene ist das A und O“, so Schulz. In diesem Punkt seien die Schulen seit den Fällen von Schweine- und Vogelgrippe vorbereitet. Auf den Toiletten ständen Seifenspender und bei Bedarf auch Desinfektionsmittel bereit.

Eine Empfehlung zur Mittagessenversorgung will die Bildungsagentur nicht geben. „Das ist ein ganz heißes Eisen“, erklärte Schulz. Bei den Ehec-Fällen im vergangenen Jahren seien schnell spanische Gurken verteufelt worden. Am Ende stellte sich heraus, dass der Erreger durch ägyptischer Bockshornkleesamen verbreitet wurde. Deshalb müsse auch jetzt ein genaues Laborergebnis abgewartet werden.

Anders als in Leipzig haben Schulen und Kindergärten in Berlin und Thüringen am Montag auf Essen der Catering-Firma Sodexo verzichtet. Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung wollte mit der Firma verhandeln, ob die Essens-Lieferungen in den kommenden Tagen wieder aufgenommen werden. In Thüringen untersagte eine Amtsärztin dem Anbieter bis auf weiteres, in einer Suhler Großküche Essen für Kinder zu kochen, wie eine Sprecherin der Stadtverwaltung mitteilte.

Von der Welle am stärksten betroffen ist Brandenburg mit 2896 Fällen; gefolgt von Sachsen (2880), Berlin (2223), Thüringen (913) und Sachsen-Anhalt (50). 23 Kranke mussten in Kliniken behandelt werden, darunter die meisten (16) in Brandenburg. In der Regel verliefen die Erkrankungen unkompliziert und waren nach kurzer Zeit ausgestanden.

Nach dem Höhepunkt Mitte vergangener Woche hat sich die Lage laut Robert Koch-Institut beruhigt. Erste Fälle hatte es demnach bereits am 19. September in Sachsen gegeben, also mehr als eine Woche, bevor die Erkrankungen offiziell bekanntwurden. Aus Sicht des RKI ist es aber auch möglich, dass diese Erkrankungen mit der späteren Welle nichts zu tun haben.

In Sachsen ist das hochansteckende Norovirus inzwischen in 69 Fällen als Erreger von Magen-Darm-Erkrankungen nachgewiesen worden. Neben diesen Erregern stehen auch Gift bildende Bakterien im Verdacht. Sicher ist offenbar: Die Erkrankungen hängen mit dem Schulessen der Cateringfirma aus dem hessischen Rüsselsheim zusammen. Ein Sprecher hatte am Sonntag erklärt, dass es im Produktionsprozess keine Ungereimtheiten gebe. Am Montag lag noch keine Äußerung der Firma vor.

Um die Ursache so schnell wie möglich zu finden und den Ausbruch der Magen-Darm-Erkrankungen zu stoppen, war eine Task Force unter Federführung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingerichtet worden. Beteiligt sind auch das RKI, das Bundesinstitut für Risikobewertung und Vertreter der zuständigen Länderbehörden.

Matthias Roth/dpa

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