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Nur jeder Zehnte kehrt nach Sachsen zurück

In den Westen gegangen Nur jeder Zehnte kehrt nach Sachsen zurück

Sachsen hat nach Thüringen die höchste Rückwanderungsquote von Beschäftigten in ganz Ostdeutschland. Doch trotz aller Initiativen ist bislang nur einer von zehn Beschäftigten wieder zurückgekommen. Zumeist behalten die Rückkehrer auch noch ihren Arbeitsplatz im Westen und pendeln lieber, sagt die Chemnitzerin Antje Weyh vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Nur gut jeder Zehnte Auswanderer kehrte nach Sachsen zurück, viele pendeln noch heute.
 

Quelle: dpa

Leipzig.  Sachsen hat nach Thüringen die höchste Rückwanderungsquote von Beschäftigten in ganz Ostdeutschland. Doch trotz aller Initiativen ist bislang nur einer von zehn Beschäftigten wieder zurückgekommen. Zumeist behalten die Rückkehrer auch noch ihren Arbeitsplatz im Westen und pendeln lieber, sagt die Chemnitzerin Antje Weyh vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

LVZ: Zwischen Ost- und Westdeutschland ist der Wanderungssaldo laut Statistischem Bundesamt nahezu ausgeglichen. Eine gute Entwicklung?

Antje Weyh: Zweifelsohne. Aber das war nicht immer so. Allein im Jahr der Wiedervereinigung überstieg die Zahl der Fortzüge aus Sachsen, die der Zuzüge aus dem Westen um 117.565. Gemessen an der damaligen Einwohnerzahl des Landes war das ein Bevölkerungsverlust von knapp 2,5 Prozent. Davon hat sich Sachsen bis heute nicht erholt. Das hohe Geburtendefizit hat dazu geführt, dass die erwerbsfähige Bevölkerung altert und ihre Zahl weiter schrumpft.

Sie haben die Rückwanderung von Beschäftigten aus den alten Ländern nach Sachsen untersucht – mit welchem Ergebnis?

Im ausgewerteten Zeitraum von 2000 bis 2012 zogen 60.293 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zumeist in wirtschaftlich starke Bundesländer wie Bayern oder Baden-Württemberg. Die Verluste für Sachsen waren am größten in den Jahren 2001 und 2002. Zurückzuführen ist das sicher auf das wirtschaftlich schwierige Umfeld jener Zeit. Nur 11,5 Prozent kamen zurück.

Lässt sich ein Trend für 2013 und 2014 abzeichnen?

Zahlen liegen noch nicht vor. Ich denke, dass angesichts der guten Arbeitsmarktentwicklung im Freistaat in den vergangenen beiden Jahren mehr zurückgekommen sind. Derzeit bieten die Firmen rund 30.000 offene Stellen an – so viele wie noch nie seit der Wende. Damit sind die Chancen für eine Beschäftigung in Sachsen so gut wie nie zuvor – auch für Rückkehrer.

Es gibt eine Reihe von politischen Initiativen, um ehemalige Sachsen zur Rückkehr zu bewegen. Was bewirken sie?

Das lässt sich anhand der von uns ausgewerteten Daten nicht sagen. Grundsätzlich ist jede Initiative gut. Aus Umfragen geht hervor, dass viele der Weggegangenen über einen Rückzug nachdenken. Als Motive nennen sie zumeist das Vorhandensein von Freunden und Familie in der alten Heimat. Oft ist auch Eigentum da. Für andere spielt die bessere Kinderbetreuung im Osten eine wichtige Rolle. An unserer Untersuchung überraschte mich vor allem, dass zum Zeitpunkt der Rückkehr fast zwei Drittel der Rückkehrer im Westen arbeiteten.

Warum pendeln sie lieber, als im Osten einen Job anzunehmen?

Selbst im Laufe der Zeit behält immerhin noch ein Drittel seinen Job im Westen. Wir haben die Tagesentgelte vollzeitbeschäftigter Männer untersucht. Rückkehrer, die weiter in den alten Ländern arbeiten, verdienen knapp 30 Euro am Tag mehr als zurückgekommene Beschäftigte bei sächsischen Firmen. Das macht einen Unterschied von fast 900 Euro im Monat. Offenbar wiegen die höheren Löhne die Kosten des Pendelns auf. Jene, die eine Zeit lang in den alten Bundesländern gearbeitet haben und jetzt wiederkommen, verdienen übrigens mehr als zum Zeitpunkt ihrer Abwanderung und im Schnitt auch mehr als die, die hier geblieben sind. Das Pendeln hat sich für sie gelohnt.

Firmen, die ehemalige Sachsen zur Rückkehr bewegen wollen, müssen also tiefer in die Tasche greifen?

Neben den Löhnen spielen Arbeitsbedingungen, Weiterbildungsmöglichkeiten, Gesundheitsvorsorge und Kinderbetreuung eine wichtige Rolle. Zu bedenken gebe ich aber, dass auch im Westen schon viele Firmen Engpässe bei Fachkräften haben, oft sogar größere als im Osten. Ihre Möglichkeiten, mit besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen zu locken, sind gewiss nicht geringer als die ostdeutscher Firmen. Einen Punkt bei der Diskussion um Löhne dürfen wir nicht ausklammern: Ein Plus für den Osten sind noch immer die geringeren Lebenshaltungskosten.

Wandern mehr Frauen oder mehr Männer ab?

Wir haben in der Auswertung die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten betrachtet. Und hier gehen zumeist junge Männer. Andere Studien weisen für junge ostdeutsche Frauen eine hohe Migrationsbereitschaft nach. Was die Rückkehr betrifft, so kommen die Männer häufiger zurück nach Sachsen als die Frauen.

Sind das es eher jungere oder ältere Rückkehrer?

Die meisten von ihnen sind zwischen 25 und 39 Jahre alt, oder älter als 50. Besonders wenig Rückkehrer gibt es bei den unter 25-Jährigen.

Wie lange sind die Rückkehrer in Westdeutschland geblieben?

Im Durchschnitt dauert es drei Jahre, bis abgewanderte Frauen und Männer zurückkehren. Während dieser Zeit bleiben soziale Kontakte in die Heimat häufig bestehen. Je länger jemand weg ist, desto seltener erfolgt eine Rückkehr nach Sachsen.

Von Andreas Dunte

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