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Nur sechs Videosprechstunden im Monat – sächsische Ärzte laufen Sturm

Telemedizin Nur sechs Videosprechstunden im Monat – sächsische Ärzte laufen Sturm

Von Juli an bezahlen die Krankenkassen im Zuge des neuen E-Health-Gesetzes den Ärzten auch Videokonsultationen. Doch der Teufel steckt im Detail.

Videokonsultation statt Arztbesuch? Der Teufel steckt im Detail. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Überalterte Hausärzte, aussterbende Landärzte – die Politik in Deutschland muss auf den demografischen Wandel reagieren. Von Juli an bezahlen die Krankenkassen im Zuge des neuen E-Health-Gesetzes den Ärzten auch Videokonsultationen. Statt im Wartezimmer mit ansteckenden Mitpatienten zu sitzen, sollen Kranke ihren Hausarzt künftig auch per Computer konsultieren können. Doch der Teufel steckt im Detail.

Und Details zur Vergütung der Online-Videosprechstunde hat der Bundes­verband Internetmedizin (BIM) nun veröffentlicht. Der BIM stützt sich dabei auf einen Beschlussentwurf des Bewertungsausschusses. Dieser ist ein Gremium in der Gesetzlichen Krankenversicherung, das ein Gebührenverzeichnis erstellt, nach dem die Vertragsärzte Leistungen bei den Krankenkassen abrechnen können.

Danach soll eine Videosprechstunde künftig mit 137 Punkten bewertet werden. Der Erlös läge dann bei 14,43 Euro. Gleichzeitig soll auch das Punktwertvolumen je Arztpraxis mit 2393 Punkten im Quartal gedeckelt werden. Das bedeutet: Die Videosprechstunde könnte lediglich 17,5 Mal in drei Monaten angeboten werden – unabhängig von der Zahl der Ärzte in der Praxis.

Für die Patienten folgt daraus, dass sie bei durchschnittlich neun Arztkontakten je Jahr statistisch gesehen etwa alle 11 Jahre einmal eine Online-Videosprechstunde nutzen könnten. Denn von etwa 600 Millionen Arztkontakten in Deutschland pro Jahr, dürften nur etwas mehr als fünf Millionen Videosprechstunden vergütet werden – weniger als ein Prozent. Das aber stellt den Sinn des E-Health-Gesetzes von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) auf den Kopf.

Kritik aus der sächsischen Ärzteschaft

Kritik kommt deshalb auch von sächsischen Ärzten. Der Chef des Sächsischen Hartmannbundes, Thomas Lipp, moniert, das Gesundheitssystem in Deutschland verschlafe die Zeichen der Zeit. „Sechs Mal Telemedizin im Monat – damit hat man den Gesetzgeber im Prinzip betrogen“, so Lipp. Manche Ärzte, die Pflegeheime betreuen, brauchten die 17,5 Mal allein in einer Woche. Wenn aber die Technik für umfangreiche allumfassende Telemedizineinheiten mit etwa 10 000 bis 20 000 Euro zu Buche schlage, könne eine Refinanzierung nicht erfolgen. Schon jetzt sei es schwer, technische Geräte in Praxen zu refinanzieren. Ein Hausarzt erhalte für den Ultraschall einer Schilddrüse beispielsweise nur etwa 8 Euro. Ergo: „Kein Arzt wird da mitmachen. Das ist völliger Irrsinn“, sagt Lipp.

Auch der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) kritisiert, die Pläne seien „ein Schlag ins Gesicht der – vor allem auf dem Lande wegen Ärztemangels – unterversorgten Patienten und enttäuscht auf Ärzteseite alle, die sich für eine flächendeckende Nutzung neuer Medien in der Patientenversorgung einsetzen“.

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung (November 2015) ist fast jeder zweite Deutsche an der Einführung der Video-Sprechstunde interessiert. In Sachsen waren in jüngster Vergangenheit mehrere Telemedizinprojekte angeschoben worden. Neben der Telemedizinplattform von CCS-Telehealth Ostsachsen wurde die Installation eines Antibiotikanetzwerkes in Nordwestsachsen be-gonnen. Das Sozialministerium fördert auch ein innovatives Netzwerk für E-Health-Berater.

Von Roland Herold

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