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OPAL ist Deutschlands längste Baustelle - Ende 2011 soll Erdgas durch Sachsen fließen

OPAL ist Deutschlands längste Baustelle - Ende 2011 soll Erdgas durch Sachsen fließen

Unter dem Hafenbecken von Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) ist es kühl und feucht. Wingas-Ingenieur Manfred Kehrer läuft durch einen 2,40 Meter breiten und 188 Meter langen Tunnel, über ihm das Ostseewasser, sieben Meter hoch.

Lubmin/Kassel. „Ideale Luft für Asthmatiker“, sagt der Techniker. „Noch.“ Dieser Gang durch den Tunnel ist einer der letzten. In Kürze wird sich der Anfang der OPAL-Erdgasleitung durch die Betonröhre schieben, um dann in einer breiten Linkskurve nach Süden in Richtung Brandenburg und Sachsen abzubiegen.  

Lubmin bei Greifswald wird quasi eine Grenzstation für russisches Erdgas. Hier, wo bis 1990 Atomstrom erzeugt wurde, wird die 1200 Kilometer lange Ostseepipeline Nord Stream anlanden, ab 2012  mit bis zu 55 Milliarden Kubikmeter russischem Erdgas pro Jahr. Zwei bis drei Tage war das Gas dann vom russischen Wyborg unterwegs. In einer Übernahmestation, die derzeit vom Energiekonzern Wingas gebaut wird, wird das Gas vorgewärmt und dann in zwei Leitungen nach Süden (OPAL) und Westen (NEL) weitergeleitet, wie Bernd Vogel, Geschäftsführer der Wingas-Tochter OPAL NEL Transport (ONTG) berichtet.   

Schon jetzt ist Russland mit 37 Prozent der größte Erdgaslieferant für Deutschland. Fakt ist: Das NordStream-Projekt mit den beiden Anschlussleitungen wird die Abhängigkeit von russischem Erdgas weiter erhöhen, auch wenn nicht alles Gas in Deutschland bleibt. Die Transportkapazität der OPAL-Trasse mit 36 Milliarden Kubikmeter pro Jahr entspricht rund einem Drittel des deutschen Erdgasverbrauchs. Bezogen auf die Kapazität sei sie Europas größte Erdgaspipeline, sagt Vogel.   

Mit 470 Kilometern ist die OPAL zugleich Deutschlands längste Baustelle. Rund 2500 Arbeiter sind zwischen Ostseeküste und Erzgebirge beschäftigt. Eine Zahl, auf die der Energiekonzern mit Stolz verweist. Doch das kleine Jobwunder, das in Prenzlau oder Angermünde zu einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen geführt hat, ist zeitlich befristet. Im Oktober 2011 soll die eine Milliarde Euro teure Pipeline fertig sein. Nur zehn Arbeitskräfte sind dann für Wartung und Betrieb zwischen Lubmin und Olbernhau erforderlich.

Rund 280 Kilometer Leitung wurden bereits verschweißt, 180 Kilometer im Boden verlegt. Das aufwändige Genehmigungsverfahren, immerhin erst vor einem Jahr abgeschlossen, ist abgehakt. Die Trasse kreuzt Privatgrundstücke,  172 Straßen, 27 Bahngleise, 39 größere Gewässer und auch Naturschutzgebiete. Einige Gemeinden und Bauern klagten vor den Verwaltungsgerichten - bisher ohne Erfolg.   

Wie Ameisen ziehen die Baukolonnen nach einem festgelegten System mit Baggern, Biegemaschinen und Schweißautomaten übers Land. Insgesamt muss die Pipeline bis zum Erzgebirge 700 Höhenmeter überwinden. Mit 1,40 Meter Durchmesser ist OPAL Deutschlands dickste Pipeline - die Biegung der der Röhren entsprechend aufwändig. „Das ist wie beim Tapezieren“, sagt Bernd Vogel. „Die geraden Strecken gehen schnell, aber an den Fenstern und Heizungen dauert es lange.“   

Im Schlepptau folgen den Bautrupps Archäologen und Geologen, auf der Suche nach Zeugnissen früherer Besiedlungs- und Erdgeschichte. Allein in Mecklenburg-Vorpommern stießen die Archäologen auf mehr als 50 Fundstätten, darunter ein 2000 Jahre altes Gräberfeld. In Sachsen wurden an 17 Fundstellen rund 40 000 Stücke von der Steinzeit-Keramik bis zu Brunnenresten aus dem 10. Jahrhundert entdeckt. Die Grabungen hätten zum Teil völlig neue Erkenntnisse über die Siedlungsgeschichte in Sachsen gebracht, sagt Landesarchäologin Regina Smolnik.   

Für die geologischen Untersuchungen hat Wingas ein Forschungsprojekt mit Hochschulen in Berlin, Freiberg und Greifswald aufgelegt und stellt dafür 40 000 Euro pro Bundesland bereit. In dem fast 500 Kilometer langen Graben öffnet sich den Forschern ein Fenster in die Erdgeschichte. „Bisher wurden geologische Karten aufgrund von einzelnen Bohrungen erstellt. Die Strukturen zwischen den Bohrstellen wurden dann berechnet“, erklärt der Greifswalder Geograf Reinhard Lampe. Mit dem durchgängigen Graben über mehrere hundert Kilometer könne jetzt die Verzahnung, Lagerung und das Alter geologischer Schichten exakt bestimmt werden. Schon jetzt sei klar, dass die geologischen Karten teilweise neu geschrieben werden müssen.

Martina Rathke, dpa

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