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Papst freut sich über Seligsprechung Alojs Andritzki am Pfingstmontag in Dresden

Papst freut sich über Seligsprechung Alojs Andritzki am Pfingstmontag in Dresden

Papst Benedikt XVI. hat am Pfingstsonntag der von den Nationalsozialisten umgebrachten Christen gedacht und dies mit einem Aufruf gegen die Gewalt in der Welt verbunden.

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Priester Alojs Andritzki auf einer Fahne (Archivbild).

Quelle: Dominik Brüggemann

Dresden / Rom. In diesem Zusammenhang betonte der Papst, es freue ihn, dass am Montag in Dresden der 1943 getötete Priester Alojs Andritzki seliggesprochen werde.

Der sorbische Märtyrer, der im Alter von 28 Jahren umgebracht worden war, gehöre zu den vielen, „die ihr Leben im Namen des Herrn in den Konzentrationslagern hingegeben haben." Gleichzeitig rief der Papst zu Dialog statt Gewalt und zum Respekt der Menschenwürde auf.

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Dresden / Rom. Papst Benedikt XVI. hat am Pfingstsonntag der von den Nationalsozialisten umgebrachten Christen gedacht und dies mit einem Aufruf gegen die Gewalt in der Welt verbunden. In diesem Zusammenhang betonte der Papst, es freue ihn, dass am Montag in Dresden der 1943 getötete Priester Alojs Andritzki seliggesprochen werde.

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Benno (um 1010-1106) von Meißen war der erste Heilige in Sachsen. 1523 wurde der heutige Patron des Bistums Dresden-Meißen in diesen Stand erhoben. Nach 488 Jahren wird nun zum zweiten Mal im Bistum einem katholischen Christen eine der höchsten Ehrungen zuteil: Am Pfingstmontag wird Alojs Andritzki, ein mit nicht ganz 29 Jahren 1943 im Konzentrationslager Dachau umgekommener Priester, seliggesprochen.

Im Gegensatz zu Bischof Benno ist er auch in Sachsen aufgewachsen. Für Bischof Joachim Reinelt ist er „ein Vorbild in vielfacher Hinsicht“. Besonders in seiner Bedeutung für junge Menschen nehme er eine besondere Stellung ein. „Andritzki hatte als Jugendseelsorger die Nationalsozialisten scharf kritisiert und kam dafür in das KZ Dachau, wo er ermordet wurde. Sein Leben kann heute noch als Vorbild gerade für junge Menschen dienen, was Standhaftigkeit gegenüber Ungerechtigkeit und falschen Ideologien angeht.“

Einer der letzten, der ihn noch persönlich gekannt hat, ist Prälat Hermann Scheipers, 97 Jahre alt. Er war mit Alojs Andritzki im „Priesterblock“ in Dachau inhaftiert, in der Nachbarstube. „Er war ein junger Mensch, der Kunststücke machen konnte“, erzählt er. „Er konnte auf den Händen laufen. Sonntags haben wir elf Priester aus dem Bistum Meißen uns manchmal getroffen. Dass er im KZ saß, hat er gar nicht als etwas Besonderes genommen, sondern so, als wäre es für einen Priester etwas Selbstverständliches. Er hat seinen Glauben in hervorragender Weise gelebt. Nicht nur mit den Lippen bekannt, sondern durch seine Hilfsbereitschaft anderen Priestern gegenüber praktiziert. Er war ein Vorbild für viele.“

Als er und Alojs Andritzki an Bauchtyphus erkrankten, hätten sie sich beide krank gemeldet und seien ins Krankenrevier verlegt worden, berichtet Scheipers. „Die letzten Worte, die ich von ihm hörte, waren: ‚Du, wir wollen sehen, dass wir zusammenbleiben.‘ So aber ist es dann nicht gekommen. Alojs Andritzki hätte diese Krankheit überstehen können, wäre er nicht ermordet worden.“ Er sei Opfer eines der Funktionshäftlinge, eines sogenannten Kapo, geworden. „Das war ein österreichischer Kommunist, ein richtiger Pfaffenfresser.“ Dieser Mann, namentlich nicht bekannt, soll einem anderen Zeugen zufolge Andritzki mit einer Giftspritze umgebracht haben.

Andritzki hatte seine Ablehnung der Nazi-Diktatur auch öffentlich geäußert. Deshalb verhaftete ihn die Gestapo. Er wurde wegen „heimtückischer Angriffe auf Staat und Partei“ angeklagt und später nach Dachau deportiert. Von größter Bedeutung ist seine Seligsprechung für die katholischen Sorben. Schon 1936 hatte Andritzki in einer Ansprache an Angehörige seiner Volksgruppe dazu aufgerufen, sich nicht von den Nazis der Volkszugehörigkeit und der sorbischen Sprache entfremden zu lassen. „Ja, so ist es: unsere größte Ehre ist: unsere sorbische Nation soll leben – das heißt: Sorbe zu sein von Kopf bis Fuß!“, sagte er damals.

Schon seit 1946 wurde er in Radibor und der Region besonders verehrt. Stephan Delan, Pfarrer in Radibor, hat 1988 ein Gebet um die Seligsprechung mit verfasst. Er sieht ihr daher mit besonderer Freude entgegen. Erinnert zugleich jedoch daran, dass sorbische Herkunft und Muttersprache für Andritzki nicht an vorderster Stelle standen, sondern der christliche Glaube. Andritzkis Lebensweg sieht er als „junge Biografie, die hier beheimatet ist“. Und fügt hinzu: „Wir haben jetzt die Chance, in dieser Biografie zu lesen, was geschieht zwischen Gott und einem Menschen, der sich Gott anvertraut.“

Dass Andritzkis Seligsprechung für die Sorben etwas ganz Besonderes ist, sieht auch Bischof Joachim Reinelt: „Immerhin war er praktisch ‚einer von ihnen‘.“ Vor allem jedoch wünscht sich Reinelt, „dass mit der Seligsprechung alle Christen in Sachsen neues Selbstvertrauen und einen Begeisterungsschub erhalten, den eigenen Glauben bewusster wahrzunehmen und auch andere damit anzustecken“

Thomas Gärtner / dpa

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