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Parole „Weitermachen!“ - Betriebe suchen Weg zurück in den Alltag

Parole „Weitermachen!“ - Betriebe suchen Weg zurück in den Alltag

Das Hochwasser hat die Arbeit in vielen betroffenen Firmen in Sachsen zum Erliegen gebracht. Dass es schnellstmöglich weitergeht, ist ihnen wichtiger als die Auflistung der Schäden.

Chemnitz. Darlehen können helfen - allerdings nicht jedem.

Für den Ministerpräsidenten stellen sie im Chemnitzer Gewerbegebiet Europark kurz Schaufel und Besen zur Seite, eigentlich aber kann sich dort keiner eine Pause leisten. „Ende der Woche sollen Maschinen rausgehen. In der Auslieferung steckt unser Geld“, sagt Christian Ulbricht, Geschäftsführer einer Firma für Nahrungsgütertechnik, die beispielsweise Mischmaschinen für Gewürze oder Backzutaten herstellt. 75 000 bis 100 000 Euro Schaden, so schätzt er, hat das Wasser verursacht, das am Samstag auf das Gelände des Gewerbeparks schwappte.

Für Stanislaw Tillich (CDU) hat er eine kleine Mappe mit Bildern zusammengestellt, mit der er den Regierungschef bei dessen Besuch am Mittwoch um Hilfe bittet. Eine Hochwasser-Versicherung hat Ulbricht nicht bekommen, als er damals einzog. Ob das Darlehen hilft, das Sachsens Regierung in Aussicht gestellt hat? Der Unternehmer zieht die Stirn in Falten. „Wir haben doch schon eine Kreditbelastung. „Es hilft vielleicht kurzfristig, aber wenn wir das dann zurückzahlen müssen, wird es schwierig“, sagt er.

„Sie können sich darauf verlassen, dass das Wirtschaftsministerium auf sie zukommt“, verspricht Tillich, als er Ulbrichts Mappe entgegen nimmt. Weil es nicht so viele Betroffene wie nach der Jahrhundertflut 2002 gebe, sei diesmal eine Einzelbetreuung der Betriebe möglich. „Das können wir uns diesmal leisten“, sagt der Ministerpräsident. Mit dem zinsgünstigen Darlehensprogramm habe man ein sehr komfortables Hilfsangebot geschaffen. „Wir legen Wert darauf, dass die Menschen auch selbst vorsorgen“, betont er.

Die Jahrhundertflut, die immer wieder als Vergleich herhalten muss, haben sie im Europark noch gut in Erinnerung. In Eigeninitiative sei danach eine Mauer um das Gelände hochgezogen worden, um es vor weiteren Hochwassern zu schützen, erzählt Andres Grobitzsch von der Objektverwaltung - 150 Meter lang und 20 Zentimeter höher als der Höchststand des Wassers von damals. Ironie des Schicksals: Kurz vor der Flut vom Wochenende sei sie abgebaut worden, weil endlich der „offizielle“ Schutzwall entstehen sollte. Für Grobitzsch „ein sehr unglücklicher Umstand“.

Die Folgen sind unter anderem im Sanitär- und Heizungsgroßhandel Mainmetall zu sehen. „Bei 1,20 Meter stand uns das Wasser hier drin“, sagt Michael Kehl, der die Aufräumarbeiten koordiniert. Bis zu 250 000 Euro könne der Schaden am Ende wohl betragen, vor allem wegen der beschädigten Ware. „Viele technische Geräte werden das hier nicht überlebt haben.“ Die Firma sei so eine Art Abholmarkt für Handwerker, die jetzt nach dem Hochwasser natürlich dringend Material brauchen. „Unser erstes Ziel ist deswegen, so schnell wie möglich den Alltag wiederherzustellen.“

Ganz im Osten des Landes sieht es nicht anders aus. Durchgeweichte Kartons, schlammverschmierte Folienverpackungen, verschmutzte Schlafsäcke stapeln sich auf dem Hof der Yeti GmbH in Görlitz. Die kleine Manufaktur - direkt am Ufer der Neiße - war am Sonntag bis zu einer Höhe von etwa zwei Metern überschwemmt. „Hochwasser kennen wir“, sagt Geschäftsführer Kay Steinbach. Die Firma sei wegen ihrer Nähe zum Fluss an ein Flutwarnsystem angeschlossen, werde per SMS informiert, wenn der Pegel gefährlich steigt. Doch die enorme Geschwindigkeit, mit der die jüngste Flut heranrollte, ließ keine Zeit, rechtzeitig etwas in Sicherheit zu bringen.

Yeti wirbt damit, die leichtesten Schlafsäcke der Welt zu fertigen. Nach Angaben von Steinbach wiegt die Version in der Größe M gerade einmal 265 Gramm. Den Spezialstoff dafür bezieht die Firma aus Japan. Das Hochwasser hat nun Ware im Wert von rund einer Million Euro vernichtet, schätzt der Chef. Hinzu kommen Schäden an Gebäude und Technik. Die kleine Firma mit acht Mitarbeitern setzt die Tradition der Textilindustrie in Görlitz fort. 2005 hatte sich das Unternehmen in denkmalgeschützten Hallen des früheren VEB Volltuch angesiedelt. Etwa 10 000 Schlafsäcke produziert der Betrieb jährlich, unter anderem für den Export nach Skandinavien, China und Japan.

„Wir haben Interesse, die Produktion in Görlitz wieder aufzubauen“, sagt Steinbach. Dafür erwarte das Unternehmen finanzielle Unterstützung, nachdem es in den Betrieb an der Neiße etwa eine halbe Million Euro investierte. Ob die Firma an einen „wassersicheren“ Standort umziehe, soll recht bald mit den dänischen Hauptgesellschaftern entschieden werden. Unterdessen hat Yeti tatkräftige Hilfe von einer Görlitzer Computerfirma bekommen. Sie hat Mitarbeiter freigestellt, die ansonsten Software prüfen und nun beim Aufräumen nach der Flut mit anpacken.

Anett Böttger und Nico Esch, dpa

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