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"Paselwitzer Tagebuch" erzählt aus einem Ort, der sich auf keiner Landkarte findet

"Paselwitzer Tagebuch" erzählt aus einem Ort, der sich auf keiner Landkarte findet

Paselwitz ist ein sächsischer Ort, der auf keiner Landkarte zu finden ist. Dennoch erzählen seine Bewohner spannende Geschichten, die zwischen Trauer und Wut, Freude und Zuversicht angesiedelt sind.

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Quelle: dpa

Dresden. Die Paselwitzer erfahren ausgerechnet beim Dorffest vom Mauerbau am 13. August 1961. Es ist der erste Arbeitstag von Lutz Ralph als Gemeindepfarrer. Ralph schreibt Tagebuch, berichtet vom Alltag und den Besonderheiten, die die Bewohner des Dorfes umtreiben. Das sind Flucht in den Westen, Liebe im geteilten Deutschland, Hoffnung auf Wiedervereinigung, aber auch vom Arrangement mit den Gegebenheiten der DDR.

„Das Paselwitzer Tagebuch“ ist eine fiktiv-dokumentarische Erinnerung, entstanden zum 50. Jahrestag des Mauerbaus. Es lebt von Erinnerungen: MDR 1 Radio Sachsen hatte im Frühjahr seine Hörer aufgerufen, ihre Mauer-Erinnerungen aufzuschreiben. Hunderte Briefe kamen im Dresdner Funkhaus an. Kulturredakteur Andreas Berger (50) interviewte zehn von ihnen und erdachte als Ort der Handlung Paselwitz. Daraus entstand eine 80-minütige Radiosendung - eine Mischung aus Hörspiel und Feature - über Schicksale und deutsche Geschichte. Die liegen jetzt auch als Hörbuch vor. In Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung erhalten die Leser der Leipziger Volkszeitung, der Freien Presse und der Sächsischen Zeitung die CD in diesen Tagen gratis.

Den Hörer erwartet ein Mix von Original-Interviews und fiktiven Gesprächen von Pfarrer Ralph, dessen Nichte Andrea und Dorforganist Hans Krummer. Gesprochen werden deren Parts von keinen Geringeren als den Schauspielern Dieter Mann, Rolf Hoppe und dessen Tochter Christine. Dieter Mann bekannte während der Produktion - wie auch einer der Protagonisten aus Paselwitz - sich mit der Mauer arrangiert zu haben. „Es gab für mich keinen Grund, die DDR zu verlassen; und ich habe die Hoffnung gehabt, dass dieses System reformierbar ist und sich entwickeln wird - zu dem, was es so oft proklamiert hatte“, sagte der Schauspieler dem MDR.

Andere Paselwitzer gehen hart mit der DDR um. So die Frau, deren Bruder - ein Grenzsoldat - in den Westen flüchtete. Drangsaliert in der Heimat, durfte sie nicht einmal zu dessen zu Beerdigung fahren. Bewegend auch das Schicksal einer anderen Frau, die von ihrem Freund getrennt wurde, sich später mit ihm im tschechischen Karlsbad verlobte, die geplante Flucht nicht wagte und ihre große Liebe erst nach der Wende wiedertraf. Das Hörbuch wirft natürlich einen Blick auf das offizielle Verhältnis von Kirche zum Staat, aber auch auf das Wirken der Kirchenleute, bei denen viele Menschen mit großen und kleinen Gewissenskonflikten ein offenes Ohr und einen verschlossenen Mund fanden.

„Die Mauer hat auch mein Leben geprägt“, sagt Kulturredakteur Berger. „Ich wurde wenige Monate vor dem Mauerbau geboren, sie war dann bis zur Wende allgegenwärtig. Deshalb hat mich das Thema so interessiert.“ Die Geschichten dürften nicht vergessen werden. Das Dresdner Staatsschauspiel plant seinen Angaben zufolge, das „Paselwitzer Tagebuch“ als szenische Lesung auf die Bühne zu bringen.

Petra Strutz, dpa

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