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Perfekte Kühlung: Ein Leipziger will die Fußball-WM in Katar retten

Perfekte Kühlung: Ein Leipziger will die Fußball-WM in Katar retten

Katar liegt der Fußball-Welt schwer im Magen. Ganz besonders den Fifa-Gewaltigen um Boss Sepp Blatter. 2010 hatten sie das Scheichtum Katar - halb so groß wie Mecklenburg-Vorpommern oder Hessen - völlig überraschend zum Austragungsort der Fußball-WM 2022 gekürt.

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Bahram Mohammadi will die WM in Katar retten.

Quelle: Andreas Doering

Leipzig. Nun fällt ihnen die Entscheidung gehörig auf die Füße. Denn zu den Korruptionsvorwürfen und Nachrichten über Menschenrechtsverletzungen gesellt sich immer mehr Skepsis, dass eine WM bei Tagestemperaturen um die 45 Grad und mehr im Sommer schlicht töricht wäre.

Die bislang vorgestellten Klimaanlagen, die vom Spielfeldrand aus mit Wassertröpfchen angereicherte Kaltluft aufs Feld blasen sollen, überzeugen wenig. Schon etwas Wind im Stadion und die Wassernebel landen sonst wo, nur nicht auf dem Rasen. Statt auf sattem Grün muss die Elite des Weltfußballs dann auf betonhartem Boden kicken.

Aus diesem Grund überlegen die Funktionäre, die WM in den Winter zu verlegen. Die Temperaturen liegen dann bei verträglichen 25 Grad. Allerdings würde das den internationalen Fußball-Kalender etwa auf Ebene der englischen Premier League, der Bundesliga oder der Champions League gehörig durcheinanderbringen.

Dabei gibt es eine Methode, die nach Meinung von Ingenieur Bahram Mohammadi den Rasen perfekt feucht halten und damit vor dem Verbrennen durch die Sonne schützen kann.

Schläuche unterm Grün

Auf das System der Rasenkühlung brachte den Leipziger der Süßwassermangel in den Wüstenstaaten. Bei seinem System winden sich unter der Rasenfläche - wie bei einer Fußbodenheizung - Schläuche, die an eine Kältemaschine angeschlossen sind. "Je wärmer die Luft, desto größer ist ihr Wassergehalt", erklärt Mohammadi. "Dank der Bodenkühlung wird eine künstliche Taubildung nach dem Vorbild der Natur erreicht. Das Wasser aus der Luft setzt sich an den Pflanzen nieder." Der Rasen werde ständig mit Wasser versorgt, außerdem schafft das System so eine angenehme Umgebungstemperatur, was den Spielern entgegenkommt.

Bei Außentemperaturen von 45 Grad muss laut dem Ingenieur der Rasen nur auf 23,5 Grad heruntergekühlt werden, dann setzen sich die ersten Tröpfchen aus der Luft auf den Halmen ab. Für eine gute Befeuchtung reichen drei bis vier Stunden Kühlung am Tag, erklärt er weiter. Das System verbrauche demzufolge auch nur wenig Energie. Außer für die WM 2022 sieht der Ingenieur auch andere Einsatzmöglichkeiten. Nicht nur in Katar. "Ich denke an Golfplätze, öffentliche und private Oasen." Die Wassergewinnung aus der Luft sei ein Weg, um wertvolles Trinkwasser einzusparen. "Wenn ich damit etwas sinnvolles leiste, ist viel erreicht. Das würde mich ehren."

Süßwasser ist knapp

Grüne Oasen sind nicht nur in der arabischen Welt angesichts des Süßwassermangels etwas für Leute mit Geld, erzählt er. "Entsalzungsanlagen haben meist keine lange Lebensdauer, da der Salzgehalt des Wassers hoch ist und das Mineral die Leitungen angreift beziehungsweise schnell zusetzt", erklärt Mahammadi, der seit 15 Jahren in Leipzig lebt und vor 27 Jahren aus Iran nach Deutschland geflüchtet ist. Als er in seiner alten Heimat nicht mehr als Lehrer für Naturwissenschaften arbeiten durfte, schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch, verdiente sich ein kleines Zubrot mit der Reparatur von alten Kühlschränken.

Nach schwerem Start in Deutschland - nicht zuletzt wegen der enormen Sprachbarrieren - holte Mohammadi erst sein Abitur nach und studierte dann in Braunschweig Umwelttechnik. Heute entwickelt er mit acht Mitarbeitern in seiner Leipziger Firma Mina Lösungen im Bereich Kälte- und Umwelttechnik. Einige Erfindungen wie eine LED-Beleuchtung in Kunsteisbahnen, eine mobile Fußwegbeheizung sowie eine Kälteschutzcreme kann die Firma vorweisen, ein Teil davon wurde patentiert. Der momentan größte Umsatzbringer der Firma sind Eislaufbahnen, die die Leipziger in ganz Deutschland aufbauen. Wobei Mohammadi auch hier eine eigene Erfindung vorweisen kann: einen multifunktionalen Kunststoff-Bodenbelag für Eisarenen und Kunsteisbahnen, die im Sommer auch als Rollschuh- oder Inlineskater-Bahnen genutzt werden können.

Sollte Mohammadi in Katar anfangs eine Rasenfläche von 150 Quadratmeter mit seinem System ausstatten, hat der Scheich jetzt die Fläche auf 750 Quadratmeter vergrößert. Seine Bewährungsprobe hat die Rasenkühlung im Juni dieses Jahres, wenn es im Emirat richtig heiß wird. "Ich wäre hoch erfreut, sollten die Kataris Gefallen an meinem System finden und es in den Fußballstadien einsetzen." Mit einer Partnerfirma aus Katar an der Seite könnte sich der Iraner ein größeres Engagement in dem Wüstenstaat vorstellen, wobei Mina die bauausführende Firma sein sollte. "Die örtlichen Gegebenheiten sind kompliziert", spielt der Leipziger auf die für Ausländer schwierige Rechtslage und den notwendigen Einsatz von wenig qualifizierten Gastarbeitern an. Er selbst habe für den Auftrag auf dem Grundstück des Scheichs vergebens nach Fachkräften vor Ort gesucht. Letztlich erledigte Mohammadi mit seinen Leipziger Mitarbeitern das Pilotprojekt im Wüstenstaat selbst.

Warum er eigentlich nicht selbst auf die Fifa zugeht und sein System anpreist? "Nun", sagt Mohammadi, "erst will ich sehen, dass es auch funktioniert." Ernsthafte Zweifel daran hat er aber nicht.

Andreas Dunte

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