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Personalmangel: Immer mehr Kneipen in Sachsen machen dicht

Fachkräfte fehlen Personalmangel: Immer mehr Kneipen in Sachsen machen dicht

Sachsens Gastwirte suchen händeringend nach Fachkräften. Aus Personalmangel müssen immer mehr Restaurants im Freistaat schließen. Doch auch flexible Arbeitszeiten könnten die Situation entschärfen, meinen Betroffene.

Die Kleine Vodkaria in der Gottschedstraße in Leipzig bleibt wegen Fachkräftemangel geschlossen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Akuter Personalmangel, teurer Mindestlohn und wuchernde Bürokratie: Die Kneiper in Sachsen und Thüringen drehen immer öfter den Zapfhahn zu. Selbst gut besuchte Kultkneipen haben zu kämpfen. Viele Gastronomen zwischen Delitzsch und Altenburg schränken ihre Öffnungszeiten ein. Andere geben ganz auf. Der Gaststättenverband Dehoga beklagt eine verhängnisvolle Entwicklung, ein Ende ist nicht Sicht. Leise und schleichend vollzieht sich ein Gaststättensterben in Mitteldeutschland.

Dabei sehen die Zahlen auf den ersten Blick nicht schlecht aus. „Jeder dreißigste Arbeitnehmer in Sachsen ist im Gastgewerbe beschäftigt“, erklärt Frank Vollgold, Sprecher der sächsischen Arbeitsagentur. Ende 2015 standen rund 37.500 Menschen in der Gastronomie und weitere 13.700 in der Beherbergung in Lohn und Brot – 60,5 Prozent davon in Vollzeit. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse sei im vorigen Jahr um rund acht Prozent gestiegen. Zurückzuführen sei das laut Vollgold auch auf den Mindestlohn. „Vielerorts wurden Minijobs abgebaut und durch reguläre Anstellungen ersetzt.“

Starre Arbeitszeitregelung

Dennoch finden viele Betriebe nicht genug Personal, teilweise müssen sie sogar Mitarbeiter ziehen lassen. „Die Leute fehlen überall“, klagt der Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Sachsen, Jens Vogt. Dabei sei der ländliche Raum noch mehr als die Ballungszentren betroffen. Entlang der tschechischen Grenze beispielsweise müssten Betriebe verstärkt auf Fachkräfte aus dem Ausland zurückgreifen. „In der Sächsischen Schweiz kommt bereits jede dritte Kraft aus dem Nachbarland“, so Vogt. Für die Entwicklung macht er neben Mindestlohn und demografischem Wandel vor allem die starre Arbeitszeitregelung verantwortlich.

Vogt verlangt deshalb eine einheitliche Ausnahmeregelung im Freistaat. „Die Verteilung der wöchentlich 48 Arbeitsstunden sollte flexibel zwischen Arbeitgeber und Angestellten aushandelbar sein.“ So könnten an ruhigen Tagen die Zeiten reduziert, bei hohem Besucheraufkommen hingegen längere Schichten gearbeitet werden.

Sinkende Ausbildungszahlen

Aber nicht nur beim regulären Personal hakt es. Auch die Ausbildungszahlen zeigen nach unten. Mit Stand August 2016 waren laut Arbeitsagentur in Sachsen 161 Stellen für angehende Restaurantfachleute ausgeschrieben – denen lediglich 19 Bewerber gegenüberstanden. Ähnlich die Situation auf anderen Berufsfeldern: Für 74 Plätze bei Hotelfachmännern bewarben sich nur 21 Schulabgänger. Für 194 Lehrstellen als Koch fanden sich nur 78 Interessenten. Bei den Gastronomiefachkräften kamen auf 41 Stellen nur 20 Anfragen. Abschreckend sei, so die Erfahrung vieler Wirte, dass am Wochenende und oft bis in die Nachtstunden gearbeitet werden müsse.

Wer nichts wird, wird Wirt? Mit diesen überkommenen Klischees müsse gründlich aufgeräumt werden – jungen Leuten soll der abwechslungsreiche Job am Tresen oder in der Küche wieder schmackhaft gemacht werden. Das fordert Bernhard Rothenberger, Inhaber von Auerbachs Keller in Leipzig. „Wir müssen den jungen Leuten klar machen, dass ein Ausbildungsberuf nicht weniger wert ist als ein Studium.“ Diese Sichtweise müsse auch beim Kunden ankommen. Denn, so Rothenberger, gutes Essen und Service hätten ihren Preis. „Es braucht mehr Verständnis für Lohnkosten und die daraus resultierende Preisgestaltung.“ Politik und Kundschaft müssten umdenken, sagt der Gastronom: „Sonst erleben wir hier bald ein noch viel schlimmeres Restaurantsterben.“

Bastian Fischer

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