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Politiker: Polizei soll soziale Netzwerke besser nutzen – Sachsen schon Vorreiter

Politiker: Polizei soll soziale Netzwerke besser nutzen – Sachsen schon Vorreiter

Die Polizei in Sachsen-Anhalt sollte nach Ansicht des innenpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Rüdiger Erben, verstärkt die sozialen Netzwerke nutzen. Sachsen hat mit einem eigeen Facebook-Team bereits reagiert.

Die Polizei in München bei Facebook.

Quelle: Screenshot LVZ

Magdeburg/Leipzig. Die Polizei in Sachsen-Anhalt sollte nach Ansicht des innenpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Rüdiger Erben, verstärkt die sozialen Netzwerke nutzen. Erben verwies dabei am Sonntag auf die positiven Erfahrungen, die die bayerische Polizei während des Terroralarms in der Silvesternacht gemacht habe. „Allein die Tatsache, dass die Polizei in den sozialen Medien präsent war und verlinkt werden konnte, hat vermutlich schon zur Beruhigung beigetragen“, erklärte Erben in einer Mitteilung. Zwar gebe es in einigen Polizeidienststellen des Landes bereits positive Ansätze. Es fehle jedoch an einem Gesamtkonzept.

Hessen und Berlin seien diesbezüglich „meilenweit“ voraus. Auch die Nachbarländer Brandenburg und Niedersachsen gingen deutlich offensiver vor, verwies Erben auf einige Beispiele.

Sachsen nannte Erben zwar nicht, aber im Freistaat arbeitet seit dem vergangenen Jahr ein eigenes Social-Media-Team. Geleitet wird es von Polizeihauptkommissar Olaf Hoppe (38) und hat seinen Sitz in Leipzig. „Mit Pressemitteilungen erreichen wir nicht mehr alle Bürger“, so der Polizeihauptkommissar. Deshalb begäbe sich auch die Polizei in die „aktive kommunikative Welt“. „Dort können wir viel direkter handeln und direkt mitdiskutieren“, erklärt Hoppe.

Dank der Sozialen Medien können die Bürger direkt auf dem Smartphone auch Terrorwarnung sehen - und schnell reagieren. Die Münchner Polizei nutzte die Sozialen Medien in der Silvesternacht besonders intensiv - und bekam dafür viel Lob aus dem Netz.  „Aktuelle Hinweise, dass in #München ein Terroranschlag geplant ist. Bitte meidet Menschenansammlungen und die Bahnhöfe Hauptbahnhof + Pasing“, stand im ersten Tweet am Silvesterabend.

Mehr als 4000 Mal wurde die Nachricht geteilt. Es folgte: „Wir halten Euch über die aktuelle Lage auf dem Laufenden!“ Daraufhin habe sich die Zahl der Follower auf Facebook und Twitter in der Silvesternacht etwa verdoppelt, sagt der Münchner Polizeisprecher Wolfgang Behr.

„Wir wollen in erster Linie die Bürger informieren, erhoffen uns aber auch Verständnis für die polizeilichen Maßnahmen“, sagt Polizeisprecher Behr. An einem solchen Abend beispielsweise den Hauptbahnhof zu räumen, sei ein enormer Eingriff. Carsten Reinemann, Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München ergänzt: „Twitter ist als Kanal für die Polizei ideal, weil man schnell reagieren kann und ungefiltert nicht nur normale Bürger erreicht, sondern auch viele Journalisten.“ 

Kommuniziere man nicht, dann könnten sich gerade in den sozialen Medien extrem schnell Gerüchte und Falschmeldungen verbreiten, sagt Reinemann. Die Folge: Die Menschen sind mitunter noch stärker verunsichert oder sogar panisch. „Auch können interessierte Gruppen ein Informationsvakuum dazu nutzen, eine eigene, ihnen genehme Interpretation eines Ereignisses zu verbreiten“, sagt der Experte.

Wichtig ist aus Expertensicht eine schnelle, auf Fakten konzentrierte Information, die die mögliche Verunsicherung der Menschen im Blick hat. Natürlich sei das ein schmaler Grat für die Polizei. „Eine Terrordrohung wird immer Ängste auslösen. Das Beste, was man dann tun kann, ist zu informieren ohne Spekulationen Nahrung zu geben und Panik zu schüren“, sagt Professor Reinemann.

Matthias Roth (mit dpa)

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