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Proteste der selbstständigen Hebammen: Künftig keine Geburtshilfe mehr?

Proteste der selbstständigen Hebammen: Künftig keine Geburtshilfe mehr?

Mit einer Mahnwache vor der Dresdner Frauenkirche wollen Sachsens Hebammen am 27. Juli auf ihre prekäre finanzielle Situation hinweisen. Innerhalb von zwei Jahren haben sich die Beiträge zur Haftpflichtversicherung der Berufsgruppe mehr als verdoppelt, während die Einkünfte weitgehend gleich geblieben seien.

Leipzig. „Vor allem die selbstständigen Hebammen können nicht mehr von ihrer Arbeit leben“, sagte die Vorsitzende des sächsischen Hebammenverbands Grit Kretschmar-Zimmer gegenüber LVZ-Online.

Sollte sich die Situation nicht ändern, befürchtet Kretschmar-Zimmer, dass die wenigen in Krankenhäusern angestellten Hebammen künftig die Geburtshilfe der freien Kolleginnen übernehmen müssten, weil jene sich die Haftpflichtversicherung in Höhe von 3689 Euro pro Jahr nicht mehr leisten können. „Viele der Hebammen in Krankenhäusern arbeiten allerdings schon jetzt am Rand des Machbaren“, sagt Kretschmar-Zimmer. Die selbstständigen Hebammen ohne feste Anbindung, die bundesweit etwa Dreiviertel der Berufsgruppe ausmachen, würden dann künftig nur noch Vorbereitungskurse und Geburtsnachbereitung anbieten, weil die Versicherungsbeiträge hierfür deutlich geringer ausfallen.

Versicherer: Schadensleistungen sind gestiegen

Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. betreiben bundesweit etwa 4000 freiberufliche Hebammen Geburtshilfe und sind somit von der Zahlung der kompletten Versicherungssumme betroffen. Die Gründe für die deutlich gestiegenen Beiträge seien vor allem an den gestiegenen Kosten für Personenschäden zu suchen. „Die Schadenleistungen in der Hebammenhaftpflichtversicherung sind in den vergangenen Jahren jedes Jahr um durchschnittlich 13 Prozent gestiegen“, sagt Katrin Rüter de Escobar vom Verband auf Anfrage von LVZ-Online und fügt an: „Die Behandlungen nach Komplikationen werden immer vielfältiger, langwieriger und letztlich teurer. Die Kosten für Pflege, Medikamente und Therapie – in der Regel über mehrere Jahrzehnte hinweg – summieren sich dann schnell in Millionenhöhe.“ Diese Kosten ließen die Kranken- und Pflegekassen immer häufiger von den Haftpflichtversicherern ersetzen, die ihrerseits nun die Beiträge für die Hebammen deutlich erhöht haben.

Dank einer Online-Petition konnte der Bundesverband der Hebammen inzwischen auch den Bundestag dazu bewegen, den Forderung nach besserer Bezahlung durch die Krankenkassen und eine Absenkung der Versicherungsprämien Gehör zu schenken. Etwa 175.000 Bürger haben die Petition bis zum Stichtag am 17. Juli unterzeichnet. Unter Vermittlung einer Schiedsstelle einigten sich Hebammenverband und Krankenkassen auf einen Kompromiss. Ab 1. Juli 2010 erhalten Hebammen für klinische Geburten acht Euro pro Geburt mehr, für außerklinische Geburten 100 Euro zusätzlich. Aus Sicht von Grit Kretschmar-Zimmer vom sächsischen Hebammenverband ist dies jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Mit wechselnden Mahnwachen in allen Bundesländern wollen die Hebammen-Landesverbände deshalb weiter für ihre Forderungen nach einer Absenkung der Versicherungsprämie streiten. In Dresden treffen sich Interessierte und Unterstützer nächste Woche Dienstag zwischen 12 bis 14 Uhr auf dem Neumarkt am Lutherdenkmal zum stillen Protest.

Matthias Puppe

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