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Prozess um Badeunfall in Zeulenroda: Angeklagte weisen Schuld von sich

Prozess um Badeunfall in Zeulenroda: Angeklagte weisen Schuld von sich

Zwei Mitarbeiter des Zeulenrodaer Spaßbades "Waikiki" stehen seit Donnerstag in Gera vor Gericht. Sie sind wegen unterlassener Hilfeleistung und Körperverletzung angeklagt.

Gera. Der Vorwurf: Sie hätten nach einem Badeunfall trotz der Aufforderung einer Besucherin keinen Notarzt gerufen, um einem Jungen zu helfen. Der Zwölfjährige aus Chemnitz ist seitdem schwerst behindert.

„Wenn der Notarzt nach 15 Minuten gekommen wäre, könnte der Junge heute ohne Einschränkungen leben“, stellte Richter Siegfried Christ auf Basis eines Gutachtens klar. Doch während ein Bademeister um das Leben des Jungen kämpfte, hielten sich seine beiden Kollegen nicht für zuständig und gingen anderen Aufgaben nach.

Rückblende: Es ist Samstagnachmittag und im Freizeitbad Waikiki in Zeulenroda herrscht Hochbetrieb. Auch eine OP-Schwester und ihr damaliger Lebensgefährte vergnügen sich mit ihren Kindern im Tropenbad, als sie einen bewusstlosen Jungen im Becken bemerken. Rasch alarmieren sie einen Bademeister und ziehen den Zwölfjährigen aus dem Wasser.

Der Bademeister beginnt ihn zu reanimieren und schickt die Frau zur Kasse, um dort den Notarzt rufen zu lassen. „Die Kassiererin hat gesagt, sie sei dafür nicht zuständig, das sei Aufgabe des Bademeisters“, erzählte die Zeugin mit Empörung in der Stimme. Als diese dann doch zum Hörer greift, sei sie zurückgelaufen, um dem Bademeister zu helfen.  Doch die Kassenfrau ruft nicht den Notarzt, sondern einen anderen Bademeister. Der schaut zwar nach. Als er aber von weitem seinen Kollegen im Sanitätsraum sieht, habe er gedacht, dieser habe alles im Griff und schon den Arzt gerufen, lässt der 46-Jährige über seinen Anwalt erklären. Ob sein Kollege Hilfe braucht, fragt er nicht. Stattdessen habe er kurz darauf selbst einer Frau mit Kreislaufbeschwerden helfen müssen, gab er an.

So verstreicht wertvolle Zeit. Erst als der um das Leben des Jungen kämpfende Bademeister nach etwa einer Viertelstunde die Misere bemerkt, alarmiert er selbst den Notarzt. Der trifft nach einer weiteren Viertelstunde ein. Zwar wird das Leben des Jungen gerettet, doch er liegt tagelang im Wachkoma, trägt Hirnschäden davon und muss heute rund um die Uhr gepflegt werden. „Es ist an dem Tag alles etwas blöd gelaufen“, sagte die schlanke Kassiererin vor Gericht. Ihr sei der Ernst der Lage nicht klar gewesen. „Hätte ich gewusst, dass er schon reanimiert wird, hätte ich sofort die 112 gerufen.“ Sie sprach von einer Stresssituation und betonte abermals, dass laut Anweisung die Bademeister für solche Fälle zuständig seien.

Der mitangeklagte Bademeister lässt über seinen Anwalt sein „tief empfundenes Mitleid“ für den Jungen und seine Familie ausdrücken. Doch ein richtiges Schuldeingeständnis kommt von keinem der beiden. Richter Christ fühlte sich angesichts der Aussagen an das Verhalten der Verantwortlichen nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten in Duisburg erinnert: „Jeder sagt hier: Ich bin nicht zuständig.“ Er monierte ebenfalls, dass dem angeklagten Bademeister erst kurz vor der Hauptverhandlung eingefallen sei, dass es noch einen weiteren Notfall an dem Nachmittag gegeben habe. Das soll überprüft werden. Ein Urteil gab es daher am Donnerstag noch nicht. Vielmehr sollen bei einem zusätzlichen Termin am 11. Oktober weitere Zeugen gehört werden.

dpa

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