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Rassistische Übergriffe: Sachsens Wirtschaft befürchtet Nachteile

Imageschaden Rassistische Übergriffe: Sachsens Wirtschaft befürchtet Nachteile

Die in Sachsen gehäuft wahrgenommenen Ausschreitungen aus fremdenfeindlichen Motiven dürften auch wirtschaftlich noch ein Nachspiel haben. Vertreter von Wirtschafts- und Tourismusverbänden fürchten um den Verlust von Aufträgen und Arbeitsplätzen.

Touristenströme am Zwinger in Dresden: Die Zahl der Gäste in der Landeshauptstadt ist aber bereits spürbar zurückgegangen.

Quelle: dpa

Dresden. Die in Sachsen gehäuft wahrgenommenen Ausschreitungen aus fremdenfeindlichen Motiven dürften auch wirtschaftlich noch ein Nachspiel haben. Vertreter von Wirtschafts- und Tourismusverbänden fürchten um den Verlust von Aufträgen und Arbeitsplätzen.

Die ausländerfeindlichen Übergriffe wie zuletzt im mittelsächsischen Clausnitz und in Bautzen haben im In- und Ausland hohe mediale Aufmerksamkeit. Der unausweichliche Imageschaden „bleibt natürlich auch für den Tourismus im Freistaat nicht ohne Folgen“, wie Andrea Kis vom Landestourismusverband Sachsen der LVZ sagte. Die rund 200 000 Beschäftigten der Branche würden zwar täglich alles geben, um Gäste zufriedenzustellen und nachhaltiges Wachstum zu fördern.

„Wenn dann aber so verheerende Bilder von Pegida-Demonstrationen oder von Übergriffen wie in Clausnitz und Bautzen die Runde machen, leidet das Image eines gastfreundlichen und weltoffenen Sachsen“, so die Tourismusexpertin. „Das Phänomen dumpfer Wut und gehäufter Gewaltaktionen wird sich auf den Tourismus auswirken“, befürchtet die Referentin für Grundsatzfragen und betont, ihr Verband „distanziert sich nachdrücklich von fremdenfeindlichen Auswüchsen jeder Art“.

Erste Reaktionen bereits spürbar

Die ersten Reaktionen der Gäste sind bereits jetzt spürbar. Erstmals nach sechs Jahren Wachstum sind die Touristen-Zahlen für Dresden entgegen dem Sachsen-Trend rückläufig. Im vergangenen Jahr gingen die Übernachtungen um drei Prozent zurück, bei den Ankünften gab es ein Minus von 2,3 Prozent. Bettina Bunge, die Geschäftsführerin der Dresden Marketinggesellschaft, sprach gestern von einem „Pegida-Effekt“ und einem Imageverlust für die sächsische Landeshauptstadt.

Das habe auch eine repräsentative Markenstudie gezeigt. Vor allem bei Gästen aus dem Inland macht sich die Zurückhaltung bemerkbar: 2015 sank die Zahl ihrer Übernachtungen um 5,1 Prozent auf rund 3,4 Millionen. „Menschen haben sich in dem Zeitraum bewusst gegen einen Dresden-Besuch ent­schieden und ihre Privat- oder Geschäftsreise abgesagt, wie wir von Veranstaltern und Branchenvertretern wissen“, sagte Bunge.

Die fremdenfeindlichen Äußerungen rund um die montäglichen Demonstrationen sorgten für Verunsicherung besonders bei inländischen Gästen. „Wir müssen ein klares Zeichen setzen, dass nicht nur Touristen in unserer Stadt willkommen sind, sondern alle Menschen, egal warum sie kommen“, sagte Annekatrin Klepsch, Dresdens Bürgermeisterin für Kultur und Tourismus. „Dafür benötigen wir aber die Hilfe der Landesregierung.“

Auch regionalen Unternehmern bereitet die ausländerfeindliche Stimmung Sorgen. Sie befürchten wirtschaftlich nachteilige Folgen. Es sei zu befürchten, dass der mit den Übergriffen einhergehende Imageschaden „irgendwann auch messbare Nachteile, etwa bei Auftragseingängen oder der Fachkräftegewinnung von außerhalb Sachsens“ haben werde, sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Dresden, Detlef Hamann, dem Handelsblatt.

Weltoffenheit als wichtige Grundlage

Er forderte die Politik zum Eingreifen auf, um Vorbehalten gegen Flüchtlinge den Boden zu entziehen. Dazu müssten auch die „Befürchtungen der Menschen“ zur Kenntnis genommen werden. „Eine Willkommenskultur, die Menschlichkeit, Verständnis und Integrationsangebote einfordert, muss auf klaren Regeln beruhen.“ Straftaten müssten unterbunden werden.

Hamann zeigte sich zugleich besorgt, dass Beobachter insbesondere im Ausland lokale Phänomene für die gesamte Region verallgemeinern könnten. Vorfälle in Sachsen schienen „medial eine besonders hohe Priorität“ zu haben, sagte er. Vor diesem Hintergrund werde es für sächsische Unternehmer „immer schwieriger, auf den Märkten ein positives Bild sächsischer Wirtschaftskraft zu präsentieren“.

Weltoffenheit ist nach den Worten von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) „eine wichtige Grundlage für die Zukunft Sachsens“. Für die innere Sicherheit solle der Personalabbau der Polizei gestoppt werden. In Clausnitz hatte am Donnerstagabend eine pöbelnde Menschenmenge von rund 100 Leuten einen ankommenden Bus mit Flüchtlingen blockiert. Gegen die Polizei gibt es Vorwürfe wegen ihres rüden Vorgehens gegen die Flüchtlinge. Im Bautzen hatten zudem Schaulustige in der Nacht zum Sonntag den Brand eines Hotels bejubelt, in das Flüchtlinge einziehen sollten.

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