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Rathenow steht als Kandidat für Amt des sächsischen Stasi-Beauftragten zur Verfügung

Rathenow steht als Kandidat für Amt des sächsischen Stasi-Beauftragten zur Verfügung

Der Schriftsteller und frühere DDR-Bürgerrechtler Lutz Rathenow hat seine Bereitschaft zur Übernahme des Amtes des Sächsischen Stasi-Landesbeauftragten erklärt.

Der Schriftsteller und frühere DDR-Bürgerrechtler Lutz Rathenow hat seine Bereitschaft zur Übernahme des Amtes des Sächsischen Stasi-Landesbeauftragten erklärt.

Quelle: André Kempner

Leipzig. In einem Interview mit der „Leipziger Volkszeitung“ sagte Rathenow: „Ich hätte vor, Wissenschaft, künstlerische Öffentlichkeitsarbeit und die Lebensgeschichten der Opfer und der Oppositionellen sehr viel stärker an die Öffentlichkeit zu bringen.

Ich möchte auch Brunnen bauen zu anderen DDR-Geschichten.“ Rathenow, zu DDR-Zeiten unter anderem auch Gründer und Leiter des Arbeitskreises Literatur in Jena bis zu dessen Verbot, verwies auch darauf, dass er nach dem Mauer-Fall in vielen Netzwerken diese Arbeit bereits gemacht habe.

Ende 2010 war Michael Beleites als Leiter der Behörde nach zehn Jahren aus dem Amt geschieden. Die Neubesetzung der Stelle, für die der FDP-Justizminister Jürgen Martens (FDP) das Vorschlagsrecht hat, erwies sich bisher als schwierig. Die zuletzt als Kandidatin gehandelte ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier ist, wie die wesentlichen politisch Beteiligten versichern, aus dem Rennen. Zu einer Gegenkandidatur in dieser Konstellation wäre Rathenow auch nicht bereit gewesen, versicherte der Schriftsteller.

„Als ich gefragt wurde, habe ich mich sehr genau informiert. Übereinstimmend wurde mir gesagt, und das nicht nur vom Justizminister, Freya Klier ist keine Kandidatin, die auf der Tagesordnung steht.“ Freya Klier sei „eine hervorragende Frau, die wichtige und grandiose Dinge macht“. Sie mache beispielsweise sehr gute Filme und dabei würde er sie gern unterstützen. „Ich sehe die Situation nicht, dass ich gegen Freya Klier antreten müsste. Das würde ich auch nicht“, stellte Rathenow klar.

Rathenow warb in dem Interview für eine Art flächendeckendes Netz von Beauftragten mit Blick auf die DDR-Hinterlassenschaft. „Ganz Deutschland braucht noch Beauftragte für die Folgen der DDR-Diktatur, auch im Sinne einer Diktatur-Prävention. Wir reden über die Gegenwart, wenn wir über die Vergangenheit reden.“ Dabei verwies er auf die jüngsten Vorgänge in autoritären Staaten Arabiens. Was sich dort abspiele, geschehe manchmal „auch unter Einbeziehung von Geheimdiensten und Polizisten, die auch von DDR-Leuten ausgebildet worden sind“, sagte Rathenow.

Rathenow sieht sich selbst als politisch über die Parteigrenzen hinweg vermittelbar. „Ich wäre bereit.“  Vor vier Wochen sei er für diese Aufgabe angefragt worden. „Es ist mir vier Wochen gelungen, dies geheim zu halten. Damit habe ich hoffentlich meine Politikfähigkeit bewiesen.“

In der DDR habe er sich „seit 1973 von einem normalen jungen pubertären DDR-Bürger in einen Oppositionellen hineinentwickelt“. Davon sei in 15 000 Seiten Stasiakten viel zu lesen. Vieles habe die Staatssicherheit auch nicht erfahren. „Ich sehe mich nicht als Opfer. Ich sehe mich als jemand, der die DDR einschneidend verändern wollte, bis zu dem Zeitpunkt, wo er sie los werden wollte.“

Rathenow warb in dem Interview dafür, die Kompetenz des Stasi-Landesbeauftragten nach dem Vorbild in Brandenburg in einen Landesbeauftragten für DDR-Diktatur zu erweitern. „Meine Kompetenz für diese Funktion, die im Sinne der Brandenburger Deutung erweitert werden sollte in einen Landesbeauftragten für DDR-Diktatur, liegt in einer wissenschaftlichen Ausbildung als Historiker. Sie liegt in einer publizistisch journalistischen analytischen Auseinandersetzung zu Zeiten der DDR und in den Zeiten danach.

Rathenow erklärte seine Bereitschaft, sich allen Fragen und Klärungswünschen in allen Landtagsfraktionen zu stellen, abgesehen von der NPD. „Es gibt Abgeordnete im Sächsischen Landtag, auf deren Stimmen ich keinen Wert lege. Ich würde mich bei der NPD nicht vorstellen. Bei allen anderen Parteien stehe ich zur Verfügung für Diskussionen. Ich betrachte mich als überparteilich.“

Dieter Wonka

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