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Rekonstruktion zerrissener Stasi-Akten wird neu organisiert

Nach 20 Jahren Rekonstruktion zerrissener Stasi-Akten wird neu organisiert

Millionen von Papierschnipseln liegen noch in Säcken. Stasi-Offiziere hatten nach dem Mauerfall fieberhaft versucht, Akten zu vernichten. Bürgerrechtler stoppten die Aktion. Doch bis heute ist nur ein kleiner Teil der Hinterlassenschaft wieder lesbar.

Nach rund 20 Jahren wird die Rekonstruktion zerrissener Stasi-Akten per Hand neu organisiert.

Quelle: dpa

Berlin. Nach rund 20 Jahren wird die Rekonstruktion zerrissener Stasi-Akten per Hand neu organisiert. „Die manuelle Rekonstruktion in Zirndorf wird zum Jahresende aufgelöst“, sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn. Zugleich betonte er: „Die Arbeit mit den Akten geht an anderen Orten weiter.“

Künftig sollen die Papierschnipsel in den ostdeutschen Außenstellen der Behörde und in der Zentrale zusammengefügt werden. Wann Papiere in großem Umfang per Computer zusammengesetzt werden können, blieb offen. Der Projektfortschritt verzögere sich, sagte der frühere DDR-Oppositionelle.

Zuletzt hatten vier Mitarbeiter der Behörde und vier abgeordnete Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zerrissene Stasi-Akten mühevoll zusammengepuzzelt. Seit 1995 wurden so rund 1,5 Millionen Blätter wieder hergestellt. Angesichts des Flüchtlingsstroms würden die Beschäftigten nun aber für das Bundesamt arbeiten. Das sei jetzt dringender.

„Das Bundesamt hat uns damals mit Personal geholfen, jetzt helfen wir“, betonte Jahn. Aus den rekonstruierten Papieren werden weitere Erkenntnisse über das Wirken der DDR-Staatssicherheit erwartet. Im Herbst 1989 wollten Offiziere massenhaft Akten vernichten. Nachdem die Reißwölfe heiß liefen, wurde auch per Hand zerfetzt. Bürgerrechtler stoppten die Aktion dann und retteten massenhaft Akten.

Die zerrissene Hinterlassenschaft wurde in 16 000 Säcken gelagert. Daneben blieben 111 Regal-Kilometer unversehrte Papiere erhalten. Seit 1995 wurde der Inhalt von mehr als 500 Säcken zumeist per Hand zusammengesetzt. Die Schnipsel aus etwa 15 500 Säcken sind noch nicht erschlossen. An der virtuellen Rekonstruktion arbeitet seit 2007 das Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik.

In das Pilotprojekt flossen bereits 6,5 Millionen Euro. „Die Software für die weltweit einmalige Technologie funktioniert, doch an einem entsprechend leistungsfähigen Scanner muss noch gearbeitet werden“, sagte Jahn. Derzeit werde ein neuer Vertrag geprüft, damit die Entwicklung der Technologie weitergehen könne. „Wir machen hier sorgsam weiter. Gerade die Opfer wollen wissen, was in den Akten steht. Die Stasi darf nicht im Nachhinein bestimmen, was wir lesen können und was nicht“, sagte der Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen.

Die Software für das gigantische Computer-Puzzle kann bereits seit zwei Jahren Risskanten, Schrift- und Papierarten zuordnen. Doch die Schnipsel müssen bislang per Hand in herkömmliche Geräte eingelegt werden. Außerdem seien die Scanner noch zu langsam. Akten aus 13 Säcken - das entspreche etwa 45 000 Seiten - seien auf diesem Wege zusammengefügt worden und nun im Archiv der Behörde, sagte Jahn. Die erste Amtszeit von Jahn läuft im März 2016 ab. Zu seiner Zukunft äußerte sich der 62-Jährige nicht. „Das entscheidet der Bundestag.“ Im Frühjahr will auch eine Expertenkommission Vorschläge zur Zukunft der Stasi-Unterlagen-Behörde unterbreiten.

Von Jutta Schütz

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