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SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in Sachsen-Anhalt

Im Dauerlauf durch die Klinik SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in Sachsen-Anhalt

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz war zu Besuch im Universitätsklinikum  in Halle-Kröllwitz. Er sprach mit Studierenden und schaute sich das Klinikum an.

Klinikdirektor Stefan Plontke (l) erläutert dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz einen Untersuchungsraum in der HNO-Klinik im Universitätsklinikum Halle/Saale.

Quelle: dpa

Halle/Saale. Trüb und windig ist es an diesem Donnerstagvormittag in Halle. Geduckt eilen Menschen mit ihrem Köfferchen vom Universitätsklinikum in Halle-Kröllwitz zum Taxi. Andere kommen gestützt auf den Arm eines Partners, um sich anzumelden. Im Klinikum, einem riesigen Gebäudekomplex, herrscht wie jeden Tag geschäftiges Treiben. An diesem Tag hat sich kein Geringerer als der SPD-Kanzlerkandidat und designierte Parteivorsitzende Martin Schulz zu Besuch angesagt.

Nichts deutet auf dieses Ereignis hin. Keine Polizei, keine Absperrungen. Mancher mustert am Haupteingang verstohlen die Gruppe von Wartenden. Was wollen denn die Medienleute hier?

Schulz hat sich auf seiner Ost-Tour zu seinem ersten Auftritt in Sachsen-Anhalt angekündigt. Der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Halle, Professor Michael Gekle, nennt es eine Ehre, dass der frühere Präsident des EU-Parlaments dafür das Uni-Klinikum Halle ausgesucht hat.

„Wir sehen uns in der Pflicht, für die Universitätsmedizin in ganz Deutschland als ein Garant für die gesundheitliche Daseinsvorsorge zu sprechen“, sagt der Dekan. In Halle studieren an der medizinischen Fakultät 2000 junge Menschen. Am Klinikum arbeiten etwa 3000 Mitarbeiter und 500 Azubis. Mit Blick auf die Universitäts-Medizin in der Landeshauptstadt Magdeburg betont Gekle, „das Land braucht zwei Maximalversorger.“

Und dann fährt Schulz vor. Im blauen Anzug, mit weißem Hemd und blaugemusterter Krawatte entsteigt er augenscheinlich gut aufgelegt einer dunklen Limousine. Kurze Begrüßung, kein großes Aufheben, kein Eingangs-Statement für die Presse. Auf geht es zur Besichtigungstour. Neben der Cafeteria stupst eine ältere Dame ihre Begleiterin an: „Guck mal, wer das ist. Na, das ist doch der Schulz“, sagt sie und schon ist er vorbeigerauscht.

Fast im Dauerlauf eilen Schulz und seine Begleiter über die langen Flure des Klinikums. In einigen Sitzgruppen warten Patienten, einige schauen verwundert auf das Treiben. Schließlich die HNO-Klinik. Hier will sich der Sozialdemokrat genauer umschauen. „Wir sind das Fachgebiet der Sinne“, sagt Klinik-Direktor Stefan Plontke zur Begrüßung.

Aufmerksam folgt Schulz den Worten des Mediziners, der unter anderem die Phoniatrie, die Funktionsabteilung, die Audiologie und schließlich den Raum für die Hörprüfung bei Kindern vorstellt. Er schaut selbst durch ein Mikroskop.
Einige kurze Worte wechselt er mit Ärzten und Studenten. Einem Patienten wünscht er gute Besserung. Zusammen mit einem Doktoranden lässt er sich fotografieren. Gut gelaunt scherzt er: „Können wir bei mir einen Hörtest machen, ich bezahle auch“. Dann platzt ein Krawallmacher in den Rundgang. Im knallroten T-Shirt unter der Jacke brüllt er Parolen. Beschimpft die SPD als Arbeiterverräter. Sicherheitsleute bringen ihn weg. Gegen ihn ermittelt nun der Staatsschutz.
Nach dieser etwa halbstündigen Besichtigungstour zieht Schulz sich zurück. Ohne Presse will er mit Vertretern der Fakultät, des Personalrates und der Studentenschaft sprechen. Sein Fazit hinterher: Der Ärztemangel vor allem auf dem Land ist ein Problem, bei dem der Staat mehr tun muss. Eine Steilvorlage liefert ihm die Kunde vom Haushaltsüberschuss beim Staat. Schulz möchte das Geld in Ausbildung und Pflege investieren.

„Gut ausgebildete Männer und Frauen sind die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes“, betont er. Er wolle sich deshalb auch für Gebührenfreiheit von der Kita bis zur Universität einsetzen. „Das müssen wir herstellen“, sagt er. Alle Menschen sollten gleiche Chancen auf Bildung bekommen.

Seinen knapp zweistündigen Besuch nennt er einen „extrem spannenden Vormittag“. Er habe viel gelernt und sei tief beeindruckt von der hohen Qualität bei der Verbindung von Forschung und Praxis. „Das ist geradezu vorbildlich.“
Erklärtes Ziel von Schulz ist es, die Wählerpotenziale im Osten zu mobilisieren. Zuvor war der Kanzlerkandidat schon in Brandenburg und Sachsen gewesen. Bei den Landtagswahlen 2016 war die SPD in Sachsen-Anhalt nur noch knapp über zehn Prozent gekommen. Schulz ist nun angetreten, das Blatt zu wenden.

LVZ

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