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Sachsen-Anhalt: CDU läuft sich mit Haseloff für 2011 warm

Sachsen-Anhalt: CDU läuft sich mit Haseloff für 2011 warm

Magdeburg. Ein Jahr hat er noch vor sich, dann könnte er die Nachfolge von Ministerpräsident Wolfgang Böhmer antreten - falls die Wähler in Sachsen-Anhalt das so wollen.

Genau zwölf Monate vor der Landtagswahl am 20. März 2011 will Sachsen-Anhalts CDU an diesem Samstag Wirtschaftsminister Reiner Haseloff zum Spitzenkandidaten nominieren. Der 56-Jährige gilt schon seit der Landtagswahl 2006 als Thronfolger Böhmers. Oft war seitdem spekuliert worden, ob er Böhmer schon zuvor ablöst, um 2011 mit einem Amtsbonus ins Rennen zu gehen.

Für kurze Spannung sorgte Ende 2009 lediglich Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (65). Der wegen seiner Volksnähe beliebte Minister hatte öffentlich mit der Kandidatur geliebäugelt, seine Ambitionen aber schnell wieder aufgegeben und familiäre Verpflichtungen als Grund genannt. Ausschlaggebend war aber wohl, dass die CDU mit dem neun Jahre jüngeren Haseloff langfristig bessere Perspektiven hat.

„Gott sei Dank hat es mal geflackert. Das hat zur Meinungsbildung in der Partei beigetragen“, sagt Böhmer (74) zur kurzzeitigen Unruhe. Auf ein Machtwort hatte er verzichtet, sondern sogar provokant darauf hingewiesen, dass Haseloff nicht einziger geeigneter Kandidat sei - dies nach eigenen Worten aber nicht aus Zweifel, sondern in der Hoffnung, „dass die Entscheidung aus der Partei heraus kommt“.

Am Samstag soll das Votum zugunsten des Wirtschaftsministers, der eine Terminfülle wie kein anderes Kabinettsmitglied absolviert, nun offiziell werden. Die richtige Wahl kommt aber erst im Oktober, wenn die CDU über ihre Landesliste entscheidet. Haseloffs Gegner sind 2011 voraussichtlich Jens Bullerjahn (SPD) und Wulf Gallert (Linke).

Sollte der außerhalb des Landes kaum bekannte Haseloff die CDU in einem Jahr zum Sieg führen, würde er ein großes Erbe antreten. Böhmer ist trotz oder gerade wegen seiner knorrigen Art beliebt, so lange im Amt wie keiner seiner Vorgänger und Vater vieler wichtiger politischer Weichenstellungen.

Der wie Böhmer aus Wittenberg kommende Haseloff hat bisher vor allem als Arbeitsmarkt- und als Wirtschaftsexperte von sich Reden gemacht, etwa mit dem Modell „Bürgerarbeit“. Bei anderen Themen hat er sich oft zurückgehalten oder in komplizierten Formulierungen eine klare Position vermissen lassen. Haseloff müsse lernen, noch besser rüberzukommen, heißt es demzufolge auch bei der CDU. Fortschritte werden ihm allerdings attestiert.

Für Aufsehen sorgte der umtriebige Minister, als er im Juni 2009 die schwarz-rote Koalition als Idealfall bis 2020 bezeichnete. Der Aufschrei bei vielen Christdemokraten, die trotz guter Zusammenarbeit mit der SPD die FDP als ihren Wunschpartner ansehen, war groß. Doch Haseloff schätzt die Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten, deren Verlässlichkeit auch Böhmer immer wieder betont hat.

Dass Haseloff schon viel früher in die Staatskanzlei einziehen könnte, war nach der Wahl 2006 immer wieder kolportiert worden. Mit einem Amtsbonus hätte er viel bessere Chancen, die nächste Wahl zu gewinnen, hieß es. Böhmer gestand jetzt ein, dass er über eine solche Lösung nachgedacht hat. „Doch die Kollegen von der SPD haben sehr klar und nachvollziehbar gesagt, dass sie nicht zustimmen werden.“

Während Böhmer in der eigenen Landtagsfraktion mit ungemütlichen und gegen den Strich gebürsteten Aussagen oft aneckte, hat Haseloff zuletzt bewusst die Nähe zu den CDU-Abgeordneten gesucht. So muss CDU-Faktionschef Jürgen Scharf nicht lange überlegen, um zu sagen: „Der Rückhalt für ihn ist 100-prozentig.“

dpa

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