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Sachsen baut Angebot für suchtkranke Strafgefangene aus

Therapiestation in Regis-Breitingen Sachsen baut Angebot für suchtkranke Strafgefangene aus

Drogen im Knast sind ein generelles Problem. Die hohen Fallzahlen sagen auch etwas darüber aus, welche Klientel häufig hinter Gittern sitzt. Für manche sind Drogen sogar der Grund, ins Gefängnis zu gehen.

Der Jugendstrafvollzug in Regis-Breitingen bekommt im Juni eine Therapiestation für Suchtabhängige. Dafür sind elf Plätze vorgesehen, teilte das Justizministerium mit. (Archivbild)

Quelle: dpa

Dresden. Sachsen baut sein Angebot für drogenabhängige Gefangene aus. Der Jugendstrafvollzug in Regis-Breitingen bekommt zum 1. Juni eine Therapiestation. Dafür sind elf Plätze vorgesehen, teilte das Justizministerium mit. Zu der bereits bestehenden Station in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Zeithain soll später noch eine im Chemnitzer Frauengefängnis hinzukommen. In Zeithain gibt es 20 Plätze für suchtkranke Männer. Hier geht es vor allem um Crystal-Konsumenten. Nach einer Erhebung haben etwa 40 Prozent aller Gefangenen in Sachsen ein Suchtproblem mit Drogen und Alkohol. Bei 30 Prozent geht es um eine Abhängigkeit, bei 10 Prozent liegt ein schädlicher Gebrauch von Rauschmitteln vor.

Nach Angaben des Ministeriums werden binnen eines Jahres im sächsischen Justizvollzug etwa 9200 Gefangene untergebracht. Mehr als 2500 davon nehmen jährlich Termine bei der Suchtberatung wahr. Etwa 450 Gefangene beantragen mit Unterstützung der Suchtberater eine stationäre Suchttherapie nach der Entlassung. «Die Tendenz, dass nicht mehr die Alkoholabhängigkeit, sondern die Abhängigkeit von illegalen Drogen bei Gefangenen dominierend ist, zeichnet sich seit mehreren Jahren ab», hieß es. Ausländische Straftäter würden nicht gesondert statistisch erfasst. Gegenwärtig werde die Suchttherapie in den JVA durch den Kriminologischen Dienst Sachsens evaluiert.

«Die Verwirklichung eines modernen Behandlungsvollzugs und die sichere Unterbringung der Verurteilten müssen Hand in Hand gehen», erklärte Justizminister Sebastian Gemkow (CDU). Dass dies möglich ist, zeige die 2014 in Zeithain eingerichtete Therapiestation: «Die konzeptionelle Ausgestaltung in Form einer sozialtherapeutischen Wohngruppe, die durch vielfältige Behandlungsmaßnahmen wie Kunst- und Gartentherapie sowie tiergestützte und bewegungstherapeutische Maßnahmen ergänzt wird, ist bundesweit einmalig.» Mit der neuen Station in Regis-Breitingen werde Sachsen deutschlandweit führend bei der Suchttherapie im Justizvollzug.

In den Gefängnissen werden bei Durchsuchungen in den Hafträumen und im Außengelände immer wieder Drogen gefunden. Bei Cannabis nahmen sowohl die Einzelfunde als auch die dabei entdeckten Mengen - 2016 waren es 107 Fälle mit insgesamt knapp 265 Gramm - zuletzt zu. Bei Crystal gab es 2016 einen Rückgang der Einzelfunde auf 68, dafür stieg die Menge von zuvor 78,4 auf 92,3 Gramm an. Bei Heroin war die Menge gleichfalls steigend, bei Ecstasy und Kokain dagegen sinkend.

Nach Angaben des Ministeriums werden die Drogen vor allem durch Besucher oder bei der Rückkehr von Gefangenen nach Freigängen ins Gefängnis geschmuggelt. Mitunter versuchen Dritte aber auch, Drogen über die Außenmauern auf das Gelände zu werfen.

In den vergangenen Jahren ist eine Vielzahl von Gegenmaßnahmen umgesetzt worden. In der JVA Leipzig soll zum Beispiel ein Fangnetz das Hineinwerfen unerlaubter Gegenstände verhindern. Wenn der Verdacht besteht, dass Besucher Betäubungsmittel mitbringen, dann können in den Haftanstalten eine Trennvorrichtung und eine verstärkte Kontrolle des Haftraumes angeordnet werden. Ferner besteht die Möglichkeit, Haus- und Besuchsverbote gegen Angehörige oder Bekannte der Häftlinge auszusprechen. Auch ein- und ausfahrende Fahrzeuge können kontrolliert werden. Der Justizvollzug in Sachsen setzt inzwischen auch sechs Drogenspürhunde ein.

LVZ

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