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Sachsen dehnt Projekt für ausländische Berufsabschlüsse aus

Sachsen dehnt Projekt für ausländische Berufsabschlüsse aus

Praxisnah ist der Unterricht für Zuwanderer aus aller Welt in der kleinen Stadt Freital bei Dresden allemal. Kurz bevor der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) am Montag zum Hospitieren erscheint, wird in einer Klasse der Konjunktiv II geübt.

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Praxisnah ist der Unterricht für Zuwanderer aus aller Welt in der kleinen Stadt Freital bei Dresden allemal

Quelle: dpa

Freital. Was würde ich tun, wenn ich Innenminister wäre? Mehr als ein Dutzend Frauen und ein Mann ringen mit der Grammatik und sind erstaunlich fit. Für Deutschdozentin Michaele Schütze-Tumova kein Wunder. „Frauen sind Konjunktiv-Typen. Sie träumen mehr“, weiß die Lehrerin.

Ulbig ist zum regionalen Bildungsanbieter Loesernet.com gefahren, um für ein altes Anliegen zu werben. Sachsen braucht dringend ausländische Fachkräfte. 2014 werden erstmals mehr Frauen und Männer in Rente gehen als junge Leute auf dem Arbeitsmarkt erscheinen. Schon heute gibt es mancherorts Fachkräftemangel - künftig könnte das flächendeckend der Fall sein. „Deshalb brauchen wir Menschen aus anderen Ländern. Wir brauchen den Mut, die Türen für leistungsfähige Einwanderer weiter zu öffnen“, sagt der Minister.

Schon 2011 hatte Ulbig aufs Tempo gedrückt. Neben einer Bundesratsinitiative für eine erleichterte Zuwanderung legte er im eigenen Ressort ein Pilotprojekt auf. Ausländische Fachkräfte aus Drittstaaten sollten künftig binnen vier Wochen ihre Arbeit aufnehmen können - durch schnellere Arbeit der Ausländerbehörden. Denn die sind für die Aufenthaltstitel zuständig. Nach Dresden und dem Landkreis Mittelsachsen soll das Projekt jetzt auf Chemnitz und Leipzig ausgedehnt werden. Dort gebe es besonderen Bedarf, hieß es.

Parallel setzte sich Sachsens Ausländerbeauftragter Martin Gillo für die Anerkennung der Berufsabschlüsse von Zuwanderern ein. „Unsere gesetzlichen Regelungen verhindern derzeit, dass qualifizierte Menschen aus anderen Ländern bei uns entsprechend ihrer Qualifikation arbeiten können“, erklärte er damals und nannte viele Beispiele. „Wenn Sie eine Stunde lang mit solchen Leuten sprechen, kommen Ihnen die Tränen - oder Sie haben kein Herz“, sagte der CDU-Politiker, der als Manager selbst lange Zeit im Ausland jobbte.

In Sachsen sollen 10 000 Zuwanderer betroffen sein, in ganz Deutschland 300 000. Einer von ihnen heißt Henry Lopez und stammt aus Guatemala. Der Chemielaborant lebt seit fünf Jahren in Deutschland und besucht derzeit in Freital einen Kurs zur „berufsbezogenen Sprachförderung für Personen mit Migrationshintergrund“ - so heißt das mit EU- und Bundesmitteln finanzierte Programm im Fachjargon. 14 Nationalitäten sind in Lopez’ Kurs vertreten. Sein Abschluss ist bisher nicht anerkannt, nun will er sein Deutsch verbessern. Der Gebrauch von Dativ und Akkusativ macht ihm besonders zu schaffen.

Da gibt auch der Hinweis keinen Trost, dass es die Deutschen manchmal selbst nicht besser können. Firmenchef Enrico Schwarz geht davon aus, dass die Absolventen seiner Schule irgendwann auch mal Sächsisch reden - wenn sie richtig im Freistaat „angekommen“ sind. Knapp 800 Männer und Frauen aus 66 Ländern haben bisher in Freital Kurse absolviert. 25 Prozent von ihnen konnten in einen Job oder in eine andere Weiterbildung vermittelt werden. Drei Absolventen hat Schwarz inzwischen bei der Loesernet.com GmbH eingestellt.

Ulbig und die Regionaldirektionschefin der Bundesarbeitsagentur, Jutta Cordt, stellen klar, dass einheimische Arbeitslose nicht vergessen werden. Zunächst gelte es, Fachkräfte im eigenen Land zu suchen. „Unsere Doppelstrategie ist aber auch darauf gerichtet, die Zuwanderung zu intensivieren“, sagte Cordt. Derweil läuft in den Nebenräumen der Unterricht weiter: Telefongespräche führen und Bewerbungen schreiben. Die Japanerin Yukiko Endo und Henry Lopez dürfen heute ihre Heimatländer vorstellen. Lopez hält sich auch mit Zeitunglesen fit. Den designierten Bundespräsidenten kennt er schon.

dpa

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