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Sachsen erkennt mehr Todesopfer rechter Gewalt an – Mord an Asylbewerber in Leipzig

Sachsen erkennt mehr Todesopfer rechter Gewalt an – Mord an Asylbewerber in Leipzig

Die sächsische Regierung hat die Zahl der offiziell anerkannten Todesopfer rechter Gewalt nach oben korrigiert. Demnach werden nun acht Tötungsverbrechen im Freistaat Rechtsextremen zugeschrieben, teilte die Linksfraktion im Landtag am Mittwoch mit.

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V-Leute sind Spitzel aus der Szene, die als angeworbene Verräter aus ihrer extremistischen oder kriminellen Gruppe dem Staat Informationen liefern.. Archiv- und Symbolfoto: Bernd Thissen

Quelle: dpa

Dresden. Bislang waren es sechs. „Das Innenministerium nähert sich langsam der Realität an“, erklärte die Abgeordnete Kerstin Köditz. Die Linken zählen fünf weitere Fälle in der Statistik dazu. Nach Angaben des Innenministeriums führte aber deren „Überprüfung zu keiner nachträglichen Änderung in der Bewertung“. Die Linken wollen sich nach eigenem Bekunden aber weiter dafür einsetzen.

Im Zuge der Neonazi-Mordserie hatte Sachsens Innenministerium im Dezember zugesichert, strittige Fälle noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Am Mittwoch antwortete das Ministerium dem Innenausschuss des Landtages. Aus dem Schreiben geht hervor, dass in die bisherige Bewertung keine Gerichtsurteile eingingen. Vielmehr verließ sich das Ministerium allein auf die Einschätzung des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes - für Köditz unverständlich. „Ich gehe davon aus, dass diese fatale Praxis künftig verändert wird.“

Die jetzt anerkannten Fälle reichen lange zurück. Am 23. November 1996 wurde der aus Syrien stammende Asylbewerber Achmed B. (30) in Leipzig erstochen, als er zwei deutschen Verkäuferinnen beistehen wollte. Nach Angaben der Linken waren die Frauen von Skinheads zuvor als „Türkenschlampen“ beschimpft worden.

Am 3. Oktober 1999 wurde in Hohenstein-Ernstthal ein 17-Jähriger von Nazi-Skins mit einem Axtstiel und Billardqueue zu Tode gequält. Der Tat waren Scharmützel zwischen Skins und Punks vorausgegangen. Das Landgericht Chemnitz stellte fest, dass Patrick T. „stellvertretend für jene Linken“ sterben musste, die am Überfall auf eine Diskothek beteiligt waren.

Die Linken hatte die Regierung schon Anfang 2011 gebeten, über alle seit 1990 verübten Tötungsverbrechen aus rechtsextremen, rassistischen oder antisemitischen Motiven zu berichten. Als erstes Opfer in Sachsen gilt der Mosambikaner Jorge Gomondai. Er war am 31. März 1991 in Dresden aus einer fahrenden Straßenbahn gefallen und hatte dabei tödliche Kopfverletzungen erlitten. Vor Gericht konnte nicht geklärt werden, ob Skinheads den 28-jährigen Afrikaner gestoßen hatten oder ob er aus Angst selbst gesprungen war. Ein Täter wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

dpa

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