Volltextsuche über das Angebot:

0 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Sachsen erwartet über tausend unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Asyl Sachsen erwartet über tausend unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Die Zahl junger Asylsuchender wird sich im kommenden Jahr verfünffachen, erwartet die Landesregierung. Deshalb werden viele neue Unterkünfte und mehr Betreuuungspersonal benötigt. Die Kosten für die Unterbringung sollden dadurch um mindestens 30 Millionen Euro steigen.

Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU)

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die Sachsen im nächsten Jahr aufnehmen muss, wird sich verfünffachen. „Wir rechnen mit deutlich mehr als Tausend Kindern und Jugendlichen, die ab Januar 2016 nach und nach bei uns aufgenommen und betreut werden“, sagte Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) gegenüber LVZ.de und sprach von einer „großen Herausforderung“. Momentan kann der Freistaat maximal 250 Flüchtlinge unterbringen, die unter 16 Jahre sind und ohne Eltern oder Verwandte nach Deutschland gekommen sind. Am Mittwoch will das Bundeskabinet in Berlin ein neues Gesetz beschließen, das die künftige Verteilung der jungen Asylsuchenden regelt.
 
Momentan sieht die gesetzliche Lage vor, dass unbegleitete Flüchtlinge, die unter 16 Jahre sind, von den Jugendämtern dort untergebracht werden müssen, wo sie in Deutschland angekommen sind. Grenznahe Bundesländer sehen sich deshalb benachteiligt. „Andere Bundesländer – Bayern, Hessen, das Saarland – laufen massiv Sturm gegen die bisherige Regelung: Denn die Anzahl der Flüchtlinge sprengt alle Konzepte, die Kinder und Jugendlichen angemessen zu betreuen“, erklärte Klepsch. In Sachsen sind die Flüchtlingskinder derzeit überwiegend in Leipzig, Dresden und Ostsachsen untergebracht.
 
Der Freistaat Sachsen rechnet mit erheblich steigenden Kosten. So seien einige neue Unterkünfte und zudem Betreuungspersonal notwendig, sagte die Sozialministerin. „Zur Zeit erfolgt die Unterbringung in Kinderheimen. Doch das wird nicht reichen. An dieser Stelle werden wir auch investieren müssen.“ Ziel sollte aber sein, so Klepsch, Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien unterzubringen oder Patenschaften zu ermöglichen. „Wir sind mit den Städten und Landkreisen in Gesprächen und haben eine Stabstelle eingerichtet. Momentan stimmen wir uns wöchentlich ab – weil die Zeit eilt.“
 
Aktuell gibt Sachsen 8,5 Millionen Euro pro Jahr für diese Flüchtlingsgruppe aus. Diese Gelder werden bisher an die Bundesländer, die viele der unbegleiteten Minderjährigen aufnehmen, überwiesen. Bei einer Verfünffachung der Flüchtlingszahl ist von mindestens 40 Millionen Euro auszugehen, die vom Freistaat im nächsten Jahr zu zahlen sind. Für die Sozialministerin steht fest: „Wir müssen den Kindern helfen und das dafür Notwendige auf den Weg bringen. Sie haben ein Recht darauf, dem Kindeswohl entsprechend untergebracht, versorgt und betreut zu werden.“
 
Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge machen nur einen Bruchteil der Asylsuchenden aus, der allerdings seit Jahren wie die Zahl der Bewerber insgesamt deutlich wächst. 2014 stellten laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 202.824 Menschen einen Asylantrag – davon entfielen 4399 auf unbegleitete unter 16-Jährige. Im Jahr 2008 waren es noch 763. Insgesamt leben derzeit in Deutschland rund 14.000 dieser jungen Flüchtlinge, die durch die Kinder- und Jugendhilfe betreut werden.
 
Die Bundesrepublik behandelt diese Flüchtlinge grundsätzlich anders als Erwachsene oder Familien: Sie werden nicht abgeschoben, Jugendämter nehmen sie in Obhut. Die meisten der Flüchtlingskinder stammen aus Afghanistan, Somalia, Eritrea und Syrien. „Hinter jedem Kind steht ein Schicksal, das wir uns oft kaum vorstellen können, viele dieser Minderjährigen sind traumatisiert. Das heißt, dass wir uns intensiv um sie kümmern müssen“, sagte Klepsch.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Asyl
Unterkunft für jugendliche Flüchtlinge (Archivbild).

Parallel zur Zahl der Asylsuchenden steigt auch die Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. In Leipzig schaffen mehrere soziale Träger neue Unterbringungen für die Jugendlichen.

mehr
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr