Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -7 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Sachsen erweitert Jugendhilfe für Flüchtlinge

Betreuung Sachsen erweitert Jugendhilfe für Flüchtlinge

Sachsens Regierung stellt weitere Weichen für die Betreuung von Flüchtlingen. Im Fokus stehen mit der künftigen Verteilung auf alle Länder die unbegleiteten Minderjährigen. Und bei der Integration von Asylbewerbern generell geht der Freistaat auch neue Wege.

Symbolbild

Quelle: dpa

Dresden. Unbegleitete jugendliche Flüchtlinge werden künftig auf alle Bundesländer verteilt. Der Freistaat stellt sich deshalb auf 1500 aufzunehmende Minderjährige ein, die 2016 entsprechend der Einwohnerzahl auf Sachsens Landkreise und kreisfreie Städte verteilt werden sollen. Das Kabinett beschloss am Dienstag, die Kosten für die zusätzliche Jugendhilfe in Höhe von rund 100 Millionen Euro aus dem Haushalt zu finanzieren.

„Das Gelingen dieser Aufgabe ist auch ein Gradmesser für die Humanität unserer Gesellschaft“, sagte Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU). Zudem richtet Sachsen nach dem Vorbild des sozialen Jahres einen Freiwilligendienst Asyl ein. Die Opposition im Landtag bleibt skeptisch. Zuständig für Unterbringung und Betreuung der minderjährigen Flüchtlinge sind die örtlichen Jugendämter. Da die derzeit 2800 Plätze in Heimen und Wohngruppen landesweit nicht ausreichen, investiert der Freistaat laut Klepsch 60 Millionen Euro in Aus- und Neubau.

Für die Betreuung stehen rund 35,2 Millionen Euro zur Verfügung, zudem werden die Kommunen auch bei Mehraufwendungen für Personal unterstützt. „Das Geld steht bereit.“ Bereits im Herbst müsse mit ersten Baumaßnahmen begonnen werden. „Verzögerungen können wir uns nicht leisten.“ In den Landkreisen gebe es bereits viele Ideen und Engagement dafür. Jugendliche, die allein nach Deutschland kommen, werden ab Januar wie andere Flüchtlinge nach dem Königsteiner Schlüssel verteilt, statt in den Ankunftsländern untergebracht zu werden. Sie sind vor Abschiebung geschützt, bekommen einen Vormund, werden medizinisch und sozialpädagogisch betreut sowie entsprechend ihrer Voraussetzungen ins Bildungssystem eingebunden.

Betreuung in Heimen und Wohngruppen

Sobald sie 18 Jahre alt werden, können sie auch einen Asylantrag stellen. Ende Mai waren nach Ministeriumsangaben 141 Jugendliche von 12 bis 18 Jahren meist in Dresden, Leipzig und dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge untergebracht. „Sie haben häufig Schreckliches erlebt und schleppen einen „Rucksack“ mit“, sagte Klepsch. Viele seien integrations- und lernwillig. Sie werden auch mit gleichaltrigen Deutschen in Heimen und Wohngruppen oder auch in Pflegefamilien betreut. Ihre Integration sei eine Herausforderung, aber auch eine Chance für die Gesellschaft, betonte Klepsch. „Wir sollten sie nicht mit Vorurteilen, sondern mit offenem Herzen empfangen.“

Dabei schließt die Ministerin nicht aus, dass sich die kalkulierte Zahl noch ändert. „Wir haben grob, aber nicht großzügig gerechnet.“ In der Vergangenheit hatte Sachsen den anderen Ländern mit mehr jugendlichen Flüchtlingen einen Ausgleich von 9 bis 11 Millionen Euro pro Jahr gezahlt. 2016 könnten laut Klepsch rund 23,5 Millionen Euro für die Schlussrechnung fällig werden. Zudem sollen das Personal bei den Landesbehörden der Jugendhilfe aufgestockt und nach dem Vorbild des Sozialen Jahres (FSJ) ein Freiwilligendienst Asyl eingerichtet werden. Für die geplanten 50 Stellen stünden 360 000 Euro für zwei Jahre zur Verfügung. Die Freiwilligen sollen in Erstaufnahmeeinrichtungen und Heimen arbeiten. Auch Asylbewerber können den Dienst beantragen.

„Das ist ein kleiner Schritt, der mit zur Integration beitragen soll.“ Die Linke im Landtag findet die Maßnahmen zwar gut, forderte aber eine besondere fachliche Unterstützung durch das Landesjugendamt, um zusätzlichen Beratungs- und Verwaltungsbedarf zu decken. „Traumatisierte Jugendliche aus Kriegsgebieten dürfen nicht noch zusätzlich zum Opfer chaotischen Flüchtlings- und Asylmanagements in Sachsen werden“, sagte Annekatrin Klepsch. Und die Stellen im Freiwilligendienst Asyl dürften nicht zulasten des FSJ gehen.

Die Grünen mahnten eine ausreichende Finanzierung der Strukturen an und plädierten dafür, sogenannte Clearingstellen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an mehreren Standorten im Land einzurichten. In solchen Stellen wird anderem auch geprüft, ob es Angehörige in Deutschland oder der EU gibt.

LVZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr