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Sachsen hält an Waldumbau-Zielen fest – Kritik von Grünen und Experten unberechtigt

Sachsen hält an Waldumbau-Zielen fest – Kritik von Grünen und Experten unberechtigt

Sachsen hält trotz Problemen mit teilweise hohen Wilddichten und Verbisschäden im Forst an seine Zielen beim Waldumbau fest. "Es ist unser erklärtes Ziel, den Waldumbau in Sachsen mit der gleichen Kontinuität und in der gleichen Größenordnung wie bisher fortzuführen.

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Geschlagene Holzstämme im Wald. (Archivfoto)

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Hierzu sind weiterhin rund 1300 bis 1500 Hektar jährlicher Umbaufläche allein im sächsischen Staatswald notwendig, um den Waldumbau bis 2050 auf den wichtigsten Standorten abschließen zu können", sagte Landwirtschafts- und Umweltminister Frank Kupfer (CDU) der Leipziger Volkszeitung.

Mit Blick auf den Klimawandel und den gravierenden ökologischen Veränderungen sei es die wichtigste Aufgabe im Forst, den Wald mit standortgerechten und stabilen Baumarten, wie Buche, Eiche und Weißtanne, in Mischwälder umzubauen. Kupfer wolle sich dafür einsetzen, dass die finanziellen Fördermöglichkeiten auch künftig für den Privat- und Körperschaftswald zur Verfügung stehen. "Damit können auch diese Waldbesitzer in Sachsen ihren Wald zukunftsfest machen", so Kupfer.

Zugleich wies Kupfer Vorwürfe von Grünen und Forstexperten zurück, die aufgrund der hohen Wilddichten ein Stagnieren oder gar Scheitern des Waldumbaus in Sachsen befürchten. "Der Behauptung, dass der Waldumbau in Sachsen nicht recht vorankommt, muss ich deutlich widersprechen. Das Gegenteil ist der Fall." So seien von 1994 bis 2010 im säschsischen Staatswald rund 20.000 Hektar Wald umgebaut und im Privat- und Körperschaftswald in den Jahren 2001 bis 2010 im Durchschnitt jährlich 326 Hektar Wiederaufforstung und Waldumbau finanziell gefördert.

Allerdings seien zum Schutz der Neuanpflanzungen angepasste Wilddichten nötig. Hier seien die Jäger gefordert. "Insgesamt sind die Jäger sehr engagiert, die Ziele der Waldbesitzer zu unterstützen." Allerdings seien die notwendige Anpassung der Schalenwildbestände regional noch nicht überall erreicht. "Deshalb dürfen die Anstrengungen der Jäger bei der Erlegung von Schalenwild nicht nachlassen und müssen regional erhöht werden", forderte der Minister.

Der Grünen-Naturschutzexperte Johannes Lichdi kritisierte dagegen, die Staatsregierung würde die gravierenden Probleme beim Waldumbau komplett ignorieren. "Seit 2007 wird geklagt, die Wilddichten sind zu hoch, aber Konsequenzen fehlen", so Lichdi. Ohne den teuren Bau von Schutzzäunen sei derzeit kein Waldumbau möglich, etwa 50 Prozent der Verjüngungsflächen mit Laubbäumen seien umzäunt. „Dadurch entstehen allein dem Sachsenforst jährliche Kosten von etwa 3,25 Millionen Euro", kritisiert Lichdi.

In diesem Zusammenhang beklagt er auch das Rollenverständnis der Jäger in Sachsen. Manche Weidmänner hätten noch nicht verinnerlicht, dass die Jagd nicht nur Hobby, sondern auch gesellschaftliche Aufgabe sei. „Die vorgelegten Abschusslisten sind die Lebenslüge der Jäger", so Lichdi. Der wahre Maßstab für die Wilddichte sind Verbissgutachten." Und die würden eine andere Sprache sprechen.

Der Landesjagdverband weist die Vorwürfe zurück und sieht sich zu Unrecht in der Sündenbock-Rolle. "Ich sehe nicht ein, dass wir Jäger ehrenamtlich das alles wieder gerade rücken sollen, was eine subventionierte professionelle Forstwirtschaft in den letzten 150 Jahren falsch gemacht hat", sagte Verbands-Präsident Knut Falkenberg der Zeitung. Schuld am schleppenden Waldumbau seien die unterschiedlichen Interessen im Forst. „Es gibt auch Waldbesitzer, die sich über die Jäger beschweren. Die wollen kein Geld machen, die wollen Rehe sehen und benötigen ihren Wald nur fürs Feuerholz", so Falkenberg.

Falsch laufe in Sachsen jedoch die Ausbeute der Jagd. „Effektiver könnte Schwarzwild im Sommer bejagt werden. Dazu bräuchten wir aber Bejagungsschneisen in den Feldern." Dies scheitere derzeit an der ablehnenden Haltung Sachsens gegenüber einer EU-Regelung zur Förderung von Feldern mit Jagdschneisen. Trotzdem sei es Illusion zu glauben, man könne Aufforstung ohne Schutzzäune oder appetitzügelnde Schmiere an den jungen Baumspitzen betreiben.

Olaf Majer

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