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Sachsen ist bei Ganztagsschulen bundesweites Schlusslicht

Bertelsmannstudie Sachsen ist bei Ganztagsschulen bundesweites Schlusslicht

Die Bertelsmann-Stiftung hat am Donnerstag eine Studie zu Ganztagsschulen in Deutschland veröffentlicht. Sachsen ist in mehreren Bereichen Schlusslicht. Nur 1300 Euro investiert der Freistaat pro Jahr und Schulklasse. Doch die Regierung in Sachsen und Thüringen kritisieren das Papier.

Die Ganztagsangebote in Sachsen umfassen gerade einmal acht Stunden in der Woche. Damit sitzen die Schüler jeden Tag nur gut eineinhalb Stunden länger in der Schule (Archivbild).

Quelle: dpa

Leipzig/Dresden. Sachsen hat das Angebot an Ganztagsschulen in den vergangenen zehn Jahren zwar fast verdreifacht – aber erhält in einer Bertelsmann-Studie dennoch schlechte Noten. Demnach liegt der Freistaat gemeinsam mit Thüringen und Sachsen-Anhalt auf den letzten Plätzen eines bundesweiten Vergleichs. So führen die Wissenschaftler der Bertelsmannstiftung aus, dass kein Land weniger Geld in die Ganztagsbetreuung investiert als Sachsen. Lediglich 1300 Euro je Klasse gibt das Haus von Bildungsministerin Brunhild Kurth im Jahr für die nachmittägliche Betreuung an einem Gymnasium aus. In Rheinland-Pfalz sind es 37.000 Euro.

Die Opposition im sächsischen Landtag kritisiert, dass der Finanzrahmen für Ganztagsangebote seit Jahren auf niedrigem Niveau verharrt. „Mehr Schüler nehmen das Angebot in Anspruch, aber die Mittel steigen nicht. Unterm Strich bleibt für jeden Schüler weniger übrig“, erklärte Cornelia Falken, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion. Ein effektives Ganztagsangebot sei so nicht möglich. Die Linken-Politikerin gibt zu bedenken, dass es im Freistaat mit 9,1 Prozent überdurchschnittlich viele Schullabbrecher gibt. „Mit einer effektiven Ganztagsbetreuung könnten wir weit mehr Schülern zu einem Abschluss verhelfen.“ Davon würden besonders Kinder aus prekären Verhältnissen profitieren.

Laut der Bertelsmann-Studie stehen Ganztagsschülern im Bundesdurchschnitt an Grundschulen 14 Stunden wöchentlich über den Unterricht hinaus zum Lernen zur Verfügung, – in Sachsen sind es acht Stunden – etwas mehr als eineinhalb Stunden am Tag. Auch bei den weiterführenden Schulen bildet der Freistaat mit vier Stunden zusätzlicher Zeit das Tabellenende. Dabei werde ein Großteil der Betreuung nicht von Pädagogen übernommen, kritisiert Linken-Bildungspolitikerin Falken.

Ähnlich sieht der zeitliche Umfang in Thüringen aus: Hier haben Schüler an Grundschulen 7,9 zusätzliche Stunden wöchentlich zur Verfügung, an Gymnasien 3,9. Die Studienmacher räumen allerdings ein: „Wir berücksichtigen für den Vergleich gebundener Ganztagsschulen nicht den freiwillig nutzbaren zeitlichen Betreuungsumfang.“

Sachsen und Thüringen kritisieren Methode der Wissenschaftler

Genau dort liegt das Problem, machen Bildungspolitiker aus Sachsen und Thüringen klar. Während laut der Untersuchung nur jeder siebente bayerische Schüler an einem Ganztagsangebot teilnimmt, ist Sachsen mit acht von zehn Schülern hier bundesweit Spitzenreiter. Laut Kultusministerium in Dresden bieten 1438 der 1477 sächsischen Schulen solche Angebote, fast eine Viertel Million Kinder und Jugendliche nimmt teil. „Das Abschneiden bei der Bertelsmann-Stiftung ist auf die statistische Erfassung zurückzuführen. Sachsens Schulen unterbreiten ihren Schülern hauptsächlich freiwillige Angebote“, erklärt Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) gegenüber der LVZ. Da nur die 474 gebundenen Ganztagsschulen zählten, musste der Freistaat zwangsläufig schlecht abschneiden.

Das sieht auch Torsten Wolf, der bildungspolitische Sprecher der Thüringer Linksfraktion so: „Die Schwäche der Studie ist die geringe Übertragbarkeit des Ländervergleiches auf Thüringen und die einseitige Ausrichtung auf die gebundene Form der Ganztagsschule.“ In der Studie sei nicht erfasst, dass alle Thüringer Grund- und Gemeinschaftsschulen ein freiwilliges Ganztagsangebot machten. „Das ist ein einmalig guter Wert“, so Wolf. So würden bereits neun von zehn Grundschüler diese Angebote nutzen, fast 70 Prozent sogar länger als zehn Stunden. „Auch dies sind, von Bertelsmann nicht betrachtet, hervorragende Werte“, macht der Linken-Bildungsexperte klar.

Andreas Debski und Johannes Angermann

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