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Sachsen lässt sich Ansiedlung von Wölfen bisher 1,8 Millionen kosten

Sachsen lässt sich Ansiedlung von Wölfen bisher 1,8 Millionen kosten

Der Wolf ist in Sachsen auf dem Vormarsch. Mittlerweile gibt es allein im Raum Lausitz zwölf Rudel. Tendenz steigend. Knapp zwei Millionen Euro hat der Freistaat bisher in die Rückkehr investiert.

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Der Wolf ist in Sachsen auf dem Vormarsch.

Quelle: dpa

Leipzig. Eine Ausweitung der Gebiete, in denen Schutzmaßnahmen gefördert werden, ist aber vorerst nicht geplant.

Auf 1,82 Millionen Euro beläuft sich mittlerweile die Gesamtsumme, die der Freistaat für die begleitete Rückkehr des Wolfes nach Sachsen ausgegeben hat. Das teilte das Umweltministerium auf Anfrage der Leipziger Volkszeitung mit. Dazu kommen Mittel des Bundesamtes für Natur, die in verschiedene Programme geflossen sind. Beispielsweise in ein "Fachkonzept für ein Wolfsmanagement in Deutschland", in "Grundlagen für Managementkonzepte für die Rückkehr von Großraubtieren Rahmenplan Wolf" sowie in eine "Pilotstudie zur Abwanderung und zur Ausbreitung von Wölfen in Deutschland".

Seit Beginn im Jahre 2002 haben sich die jährlichen Projekt-Kosten in Sachsen mehr als verzehnfacht. Genügten 2002 noch 21 448 Euro, mussten im vergangenen Jahr bereits 226 509,64 Euro aufgewendet werden. Den Löwenanteil erhielten 2013 das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz, das im Auftrag des Freistaats Forschungsarbeit zum Thema betreibt, sowie das Wildbiologische Büro Lupus in Spreewitz (94 993 Euro). 70 620 Euro gingen an das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz in Rietschen. Darüber hinaus wurde die Vorbeugung vor Wolfsschäden mit 28 927,14 Euro gefördert. 5981,50 Euro mussten als Entschädigung an Bauern und Schäfer gezahlt werden. 25 988 Euro schließlich entfielen auf sonstiges - vor allem genetische Untersuchungen, aber auch Senderhalsbänder, Tierarztkosten und diverse Veranstaltungen.

Mit dem Ausbreiten der Wolfspopulation verbunden waren auch im vergangenen Jahr Angriffe auf Nutztiere. Das Kontaktbüro Wolfsregion meldet für 2013 auf seiner Internetseite 32 Vorfälle, bei denen Wölfe beteiligt waren oder bei denen die Ursachen nicht eindeutig geklärt werden konnten. Dabei wurden 62 Schafe, Kälber und Ziegen getötet. Insgesamt erhöht sich so die Anzahl der verletzten und getöteten Tiere seit 2002 auf 660. Mittlerweile gibt es in der Lausitzer Region 15 Wolfsterritorien. Im vergangenen Jahr kamen dort in zwölf Rudeln mindestens 45 Welpen zur Welt.

Bisher gilt lediglich die Osthälfte Sachsens als Fördergebiet. Die Grenzlinie verläuft etwa von Bad Düben im Norden über die südlichste Spitze des Kreises Meißen und entlang des Kreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bis zur tschechischen Grenze.

"Wenn sich aber die Wölfe weiter ausbreiten, werden wir auch die Fördergebiete ausweiten. Gegenwärtig besteht dazu jedoch keine Veranlassung", sagt Frank Meyer, Sprecher des Sächsischen Umweltministeriums. Und fügt hinzu: "Im Bedarfsfall geht so etwas sehr schnell."

Im Fördergebiet können 60 Prozent der Kosten für Herdenschutzmaßnahmen wie Elektrozäune, Flatterband, Herdenschutzhunde und Unterwühlschutz bei Wildgattern bezuschusst werden. Zuletzt war vor zwei Jahren eine Ausweitung erfolgt. Damals hatten sich danach die in Anspruch genommenen Ausgaben für Prävention fast verdoppelt.

Der spektakulärste und zugleich umstrittenste Zwischenfall mit Wölfen ereignete sich im vergangenen Jahr im Dezember im Kreis Meißen. Aus einer Koppel brachen Pferde aus, liefen auf die B 6 und verursachten einen Unfall mit zwei Schwerverletzten. Schuld am Verhalten der Tiere soll ein Wolf gewesen sein. Der Kreisjagdverband warnte deshalb vor einer unkontrollierten Ausbreitung. Mittlerweile aber gibt es sowohl im Umweltministerium als auch im Wildbiologischen Büro Lupus erhebliche Zweifel an der Seriosität des Gutachtens. Umgekehrt fiel fast zum gleichen Zeitpunkt in der Lausitz ein Wolfswelpe einem Schrotschuss zum Opfer. Für Hinweise zur Ergreifung des Täters wurden 10 000 Euro ausgesetzt.

Heinz Baacke, Vizepräsident des Landesjagdverbandes Sachsen, ist sich ziemlich sicher: "Wenn alles so weiter geht wie bisher, wird in einem relativ kurzen Zeitraum ganz Sachsen besiedelt sein. Die Vermehrungsrate der Wölfe ist sehr hoch." Allerdings wurde bei einem Anfang Januar überfahrenen Wolf die Räude diagnostiziert. Dies könnte sich auf die Entwicklung der Welpen negativ auswirken.

Sogar in Niedersachsen wurde bereits ein Wolf gesichtet. Das Bundesamt für Naturschutz geht von 440 Rudeln aus, die Deutschland problemlos vertragen könnte. Experten wie Baacke glauben allerdings, dass damit bereits in sieben bis acht Jahren die Lebensraumkapazität erschöpft sein könnte. Möglicherweise werde sich mit dem Vordringen nach Westen auch die Akzeptanz in der Bevölkerung ändern. Deshalb fordert Baacke, dass der Gesetzgeber bereits jetzt über die Zeit danach nachdenkt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.01.2014

Roland Herold

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