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Sachsen sichert Unterricht mit Quereinsteigern - 1148 neue Lehrer

Neues Schuljahr Sachsen sichert Unterricht mit Quereinsteigern - 1148 neue Lehrer

In wenigen Tagen beginnt in Sachsen das neue Schuljahr, viele Klassen werden dann von Quereinsteigern unterrichtet werden. Laut Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) seien so 45 Prozent der freien Stellen besetzt worden. Bis es mehr ausgebildete Lehrer gebe, müsse man durch ein „Tal der Tränen“.

In wenigen Tagen beginnt in Sachsen das neue Schuljahr, viele Klassen werden dann von Quereinsteigern unterrichtet werden. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Dresden. Sachsen setzt wenige Tage vor Beginn des neuen Schuljahres verstärkt auf Seiteneinsteiger, um den Unterricht abzusichern. Im Schnitt seien 45 Prozent der freien Stellen mit Quereinsteigern wie diplomierten Naturwissenschaftlern besetzt worden, erklärte Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) am Donnerstag in Dresden. Besonders hoch ist der Anteil von Beschäftigten ohne Lehramtsausbildung an Oberschulen (58 Prozent) und Grundschulen (45 Prozent). An den Gymnasien sind 4 Prozent der neu eingestellten Lehrer nicht entsprechend ausgebildet.

„Auf dem Arbeitsmarkt finden wir nicht die Lehrer, die wir benötigen - weder in Quantität noch in Qualität“, so die Ministerin. Zudem wollten 70 Prozent der Bewerber nur in Dresden oder Leipzig unterrichten. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Situation auf dem bundesweit heiß umkämpften Lehrermarkt noch einmal verschärft, erklärte Kurth. In Sachsen wurden bisher für das neue Schuljahr 1148 Lehrstellen besetzt - geplant waren 1200.

Bewerber ziehen Zusagen teilweise wieder zurück

Laut Kurth handelt es sich dabei um vorläufige Zahlen. Andere Bundesländer gehen in die heiße Phase bei der Einstellung ihrer Lehrer - und können dabei teilweise mit besseren Angeboten oder einer Verbeamtung locken. Allein in Leipzig hätten jüngst 30 Bewerber ihre Zusage wieder zurückgezogen. In den nächsten Tagen und Wochen werde man daher verstärkt über die Attraktivität des Lehrberufs und bessere Rahmenbedingungen sprechen, kündigte Kurth an. Am Nachmittag sollten dazu Gespräche mit den Lehrergewerkschaften sowie dem Finanzministerium geführt werden.

Der Landesschülerrat (LSR) warf der Regierungskoalition Versagen vor und kündigte einen landesweiten Aktionstag an. Die ohnehin knapp bemessenen 1200 Lehrerstellen linderten nicht den seit Jahren bestehenden Lehrermangel. „Wir sind nicht dazu bereit, die prekäre Lage bei der Lehrerversorgung weiter hinzunehmen“, erklärte LSR-Vorsitzender Friedrich Roderfeld. Zudem sprach der LSR angesichts der unterschiedlichen Seiteneinsteiger-Quote an Gymnasien und Oberschulen von einem „Zwei-Klassen-Schulsystem“.

Sächsischer Lehrerverband spricht von „dramatischen Dimensionen“

Auch der Sächsische Lehrerverband forderte Sachsen angesichts der unzureichenden Zahl der Bewerber zum Handeln auf: „Sachsen muss mit attraktiveren Bedingungen bundesweit um Lehrernachwuchs werben“, so der Landesvorsitzende Jens Weichelt. Gleichzeitig sprach er mit Blick auf die Seiteneinsteiger von „dramatischen Dimensionen“. Problematisch sei dabei vor allem die fehlende Vorbereitungszeit auf den Einsatz im Unterricht.

Kurth bat Eltern und Schüler um einen „Vertrauenvorschuss“ für die Lehrerneulinge: Seiteneinsteiger könnten durch ihre Erfahrung eine Bereicherung sein. Sie werden in den nächsten Wochen durch pädagogisch-didaktische Fortbildungen qualifiziert, zudem stehen ihnen erfahrene Mentoren zur Seite.

Im neuen Schuljahr werden rund 400 000 Schüler an den 1353 öffentlichen Schulen unterrichtet - 10 000 Jungen und Mädchen mehr als im vergangenen Schuljahr. In 530 Vorbereitungsklassen werden rund 9200 Flüchtlingskinder unterrichtet.

Zwar werde vor jeder Klasse ein Lehrer stehen, die Unterrichtsversorgung sei aber angespannter als zuvor, so die Ministerin. Die Stellen für Honorarkräfte und Springer, die als Vertretungslehrer einspringen, werden daher im neuen Schuljahr von 80 auf 270 Stellen aufgestockt. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 16 Millionen Euro. Unter den Vertretungslehrern sind den Angaben zufolge auch pensionierte Lehrer oder ehemalige Dozenten.

Lehrer aus Polen und Tschechien?

Um den Lehrermangel zu mildern, hatte Sachsen jüngst angekündigt, um Lehrer aus Polen und Tschechien werben zu wollen. Die Pläne werden weiter verfolgt, hieß es. Zuvor müsse man sich jedoch mit den dortigen Kultusbehörden in Verbindung setzen.

Die Linke kritisierte, dass Kurth den Lehrermangel nicht in den Griff bekomme. Daran seien vor allem die im Vergleich zu anderen Bundesändern niedrigen Nettogehälter schuld. Grünen-Politikerin Petra Zais bezeichnete die aktuellen Zahlen zum Schuljahresbeginn als „Absage an den Qualitätsanspruch von Schule.“

Insgesamt haben sich in diesem Jahr 1200 Lehrer in den Ruhestand verabschiedet, rund 1870 Lehrer wurden neu eingestellt. Damit habe Sachsen auf die Renten-Abgänge und die steigenden Schülerzahlen reagiert, erklärte die Kultusministerin. Mit einer Entspannung wird aber frühestens 2018/19 gerechnet. Weil die Zahl der Lehramtsstudienplätze nach oben geschraubt wurden, kommen dann mehr angehende Lehrer auf den Markt. Bis dahin müsse man ein „Tal der Tränen“ durchschreiten, so Kurth.

LVZ

Dresden 51.050409 13.737262
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