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Sachsen will Lehrpläne ausdünnen und Sozialkompetenz vermitteln

Neues Schulgesetz Sachsen will Lehrpläne ausdünnen und Sozialkompetenz vermitteln

Auf Sachsen kommen große Veränderungen zu: Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) will mit dem neuen Schulgesetz die Lehrpläne ausdünnen und auch die Stundenzahl reduzieren. Statt Wissen, das später kaum zu gebrauchen sei, sollen die Kinder und Jugendlichen verstärkt Sozialkompetenzen und Werte vermittelt bekommen.

Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) plant große Einschnitte in den Oberstufen-Lehrplänen.
 

Quelle: Andreas Döring

Dresden.  Der Freistaat Sachsen will die Lehrpläne entschlacken und stattdessen mehr Sozialkompetenzen sowie Werte vermitteln. „Es bringt uns allen für die Zukunft nur wenig, wenn unsere Schulabgänger laut Zeugnis zwar gut gebildet sind – es aber an sozialen Kompetenzen, an Verlässlichkeit, Engagement und Verantwortungsgefühl mangelt“, sagt Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) der Leipziger Volkszeitung. Neben der Wissensvermittlung soll das „Leben lernen“ einen deutlich größeren Raum in den Schulen und im Unterricht einnehmen. „Häufig klagen Eltern und Schüler, dass zu viel auswendig gelernt werden müsse und dies keine Vorbereitung auf das Leben sei. Ich teile diese Bedenken“, macht Kurth klar, „es gibt Wissen, das den Schülern späterhin kaum etwas bringt.“

Deshalb kommen in den nächsten Monaten sämtliche Lehrpläne der Oberstufe – sowohl das Gymnasium, als auch die Oberschule betreffen – auf den Prüfstand. „Es muss festgestellt werden, was tatsächlich notwendig ist und was nicht. Wichtig ist ein Basiswissen, ein Fundament: Zu diesem gehört zum Beispiel das Einmaleins und die Rechtschreibung, das Verstehen und Umsetzen von Aufgaben, aber auch das Bewerbungsschreiben und die Berufsorientierung“, erklärt die Bildungsministerin. Die meisten Lehrpläne sind mehr als zehn Jahre alt.

Dabei werden insbesondere die naturwissenschaftlichen Fächer auf ihr „Potenzial zur Entschlackung“ geprüft, allerdings nicht ausschließlich. Zum Beispiel müsse kein Schüler die Photosynthese bis zur Bewegung des letzten Ions kennen und auch Einsteins Relativitätstheorie müsse nicht bis ins kleinste Detail vermittelt und von den Schülern gepaukt werden, gibt Brunhild Kurth einen Einblick in die bevorstehenden Umwälzungen. Für die Oberschule wurden gerade erst Geschichte und Geografie in der 10. Klasse wieder zur Pflicht gemacht und damit die Wahlmöglichkeit abgeschafft – im Gegenzug soll bei anderen Fächern gestrichen werden. Die Änderungen sollen ab dem Schuljahr 2017/2018 greifen, also mit dem neuen Schulgesetz.

Gleichzeitig soll die Stundenzahl reduziert werden: „Weshalb muss Sachsen unbedingt Deutscher Meister im Stundenvolumen sein? Wir müssen uns auch mal fragen, welchen Stress wir unseren Kindern zumuten. Die Belastung für alle ist teilweise enorm“, sagt die Kultusministerin. Aktuell liegt Sachsen bei 269 Jahreswochenstunden bis zum Abitur – die Kultusministerkonferenz (KMK) gibt dagegen nur 265 vor. Deshalb werde sich der Freistaat künftig an die KMK-Vorgabe halten. Wir werden uns künftig, ab dem Schuljahr 2017/2018, an diese Vorgabe der KMK halten. „Mein Ziel ist es, mit der Prüfung der Lehrpläne auch die Belastung der Schüler zu senken, ohne dass darunter das hohe Bildungsniveau leidet.“

Innerhalb ihrer eigenen Partei, der CDU, dürften die Kurth-Pläne nicht zwingend auf Gegenliebe stoßen: Die Union gilt als Befürworterin einer klaren Leistungsorientierung, die allerdings mit der nun von der Bildungsministerin erstmals kritisierten hohen Belastung einhergeht. Kurth ist sich deshalb bewusst: „Das sind ambitionierte Pläne, die nicht jedem gefallen werden.“ Denn die Qualität des sächsischen Bildungssystem wurde bislang nahezu ausschließlich an überaus erfolgreichen Wissensabfragen festgemacht. So schnitten die Sachsen beim weltweit größten Schulleistungstest Pisa bundesweit überdurchschnittlich gut ab. Im Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft nahm der Freistaat im vergangenen Jahr zum zehnten Mal in Folge den Spitzenplatz ein. Dabei war der Abstand zu den zweit- und drittplatzierten Bundesländern Thüringen und Bayern gegenüber 2014 sogar größer geworden.

Daran soll sich laut der Kultusministerin möglichst nichts ändern – doch m Ende „sollen Lehrpläne stehen, die den fachübergreifenden und fächerverbindenden Unterricht viel besser fördern, die mit weniger Wochenstunden auskommen, Schulen und Schülern mehr Freiräume gewährt und einen Wertekanon vermitteln“.

Von Andreas Debski

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