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Sachsens Ausländerbeauftragter für schnelle Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse

Sachsens Ausländerbeauftragter für schnelle Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse

Anna Geiser stammt aus Sibirien, studierte dort Vorschulpädagogik und Psychologie. Sie liebt die Arbeit mit Kindern, in ihrer neuen Heimat Sachsen engagiert sie sich in einem Verein für die Belange der Kleinsten - nur eine reguläre Arbeit als Erzieherin bleibt der 32-Jährigen verwehrt.

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Martin Gillo (CDU) ist Ausländerbeauftragter in Sachsen.

Quelle: dpa

Dresden. Denn ihr Diplom aus Russland wird im Freistaat nicht anerkannt. Sachsens Ausländerbeauftragter Martin Gillo kennt Dutzende Fälle dieser Art. „Wenn Sie eine Stunde lang mit solchen Leuten sprechen, kommen Ihnen die Tränen - oder Sie haben kein Herz“, sagt der CDU-Politiker, der als Manager selbst lange Zeit im Ausland jobbte.

Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse bedeute zweierlei: „ein Potenzial und ein Problem“, sagt Gillo. Laut einer Studie gibt es in Sachsen 10.000 Menschen, deren Abschlüsse nicht anerkannt sind. In ganz Deutschland wird ihre Zahl auf 300.000 geschätzt. Manche haben sogar zweimal studiert, andere können eine Berufsausbildung und viel Erfahrung vorweisen. „Diese Menschen leben unter uns - doch sie scheitern an den Regeln, die wir uns selbst gegeben haben.“ Bis vor kurzem hätten die Jobcenter Menschen mit ausländischem Abschluss noch als „ungelernt“ geführt. „Auf diese Weise wurden aus Ärztinnen Putzfrauen und aus Ingenieuren Lagerarbeiter.“

Gillo spricht von einer strukturellen Chancenlosigkeit, die zu menschlichen Problemen und tragischen Schicksalen führe. „Das zeigt sich besonders auch bei den Spätaussiedlern. Sie leben bei uns, weil wir gesagt haben: Kommt zu uns. Aber seit sie hier sind, sprechen wir eine andere Sprache.“ Gillo ist froh, dass die Bundesregierung den Entwurf eines Anerkennungsgesetzes vorgelegt hat und „widersinnige Ungerechtigkeiten“ ausräumt. Nun sieht er die Länder am Zug - denn mit Ausnahme der Heil- und Handwerksberufe haben die Länder über die Anerkennung von Berufen zu befinden.

Sachsen gründete deshalb im September 2010 einen Runden Tisch, der auch konkrete Fälle lösen sollte. Ein Jahr danach zieht Gillo Bilanz. „Wir haben im Grunde nicht einem einzigen der Betroffenen wirklich helfen können. Auch wir sind an der jetzigen Situation und an unseren heutigen Regeln gescheitert.“ Gillo empfindet das als frustrierend und traurig. Andererseits fühle er sich in seinem Tun bestätigt. Das Bundesgesetz werde derzeit in den Ausschüssen behandelt und solle noch 2011 verabschiedet werden: „Nun brauchen wir eine konstruktive und zukunftsgewandte Landesgesetzgebung. Wann, wenn nicht jetzt?“ Gillo hofft, dass Sachsen binnen Jahresfrist handelt.

Als Gillo am Freitag seine Empfehlungen formuliert, hat er neben Anna Geiser zwei weitere Betroffene mitgebracht. Die Elektrotechnik- Ingenieurin In Am Sayad Mahmood floh vor 15 Jahren vor Saddam Hussein aus dem Irak. Papiere und Zeugnisse konnte sie nicht mitnehmen - Chancen auf eine Berufsanerkennung hat sich bislang nicht. „Es gibt genügend kluge Köpfe unter Zuwanderern“, sagt die Frau. Auch der aus Afghanistan stammende Anglist und Literaturwissenschaftler Mohammad Zaher bemühte sich vergeblich um akademische Anerkennung. „Ich kann nur Hausfrau oder Putzfrau werden, aber das ist nicht mein Beruf“, sagt auch Anna Geiser.

„Wie glaubwürdig ist ein Land, dass nach Fachkräften ruft, aber denen, die schon hier leben, keine Chance gibt“, sagt der ehemalige AMD-Manager Gillo. Ideen für eine Besserung der Lage hat er viele. Er regt an, Qualifizierungen Betroffener mit einer Art Bildungskredit vorzufinanzieren. Viele würden sich gern weiterbilden, hätten aber kein Geld dafür. Außerdem schwebt ihm eine Anlaufstelle vor, bei der auch Unternehmen dringend benötigte Fachkräfte mit ausländischen Abschlüssen suchen können. Gillo will eine „interkulturelle Öffnung der Wirtschaft“. Sie müsse offen sein für die Vielfalt menschlicher Bildungswege. „Kaum ein Berufsweg verläuft heute noch gerade.“ 

dpa

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