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Sachsens Denkmälern auf dem Land droht der Verfall

Sachsens Denkmälern auf dem Land droht der Verfall

Ungenutzte Schlösser, Herrenhäuser, Rittergüter und Fabrikareale - in Sachsens ländlichen Regionen stehen zahlreiche Kulturdenkmäler leer und verfallen. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa zum Internationalen Tag der Denkmalpflege an diesem Montag.

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Eingerüstetes Kriegerdenkmal. (Symbolfoto)

Quelle: Steffen Brost

Dresden. In Sachsen gibt es rund 105 000 Denkmäler. Etwa ein Drittel ist sanierungsbedürftig, der Rest befindet sich in einem guten Zustand. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sowie zahlreiche Vereine und Privatinitiativen unterstützen das Land bei dem Erhalt der Denkmäler.

„Immer mehr Menschen ziehen vom Land weg, die Häuser werden nicht mehr genutzt. Das macht uns Sorgen“, sagt Michael Kirsten, stellvertretender sächsischer Landeskonservator. Auch in kleineren Städten stehen ganze Gründerzeithäuser leer. Zudem müssen die Landesdenkmalpfleger mit immer weniger Personal auskommen. Freie Stellen werden nicht besetzt, bis 2020 soll zudem Personal abgebaut werden, so Kirsten. Die Folgen: Für Spezialgebiete wie etwa die Orgel-Denkmalpflege gibt es immer weniger Fachleute, die beim Restaurieren entsprechend beraten können.

Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums stehen in diesem Jahr rund 10 Millionen Euro an Landesmitteln für die Erhaltung und Pflege von Kulturdenkmälern zur Verfügung (2010: 7,6 Millionen). Weniger Gelder fließen allerdings aus dem von Bund, Ländern und Gemeinden finanzierten Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“. Waren es im Vorjahr noch rund 52 Millionen, sind es 2010 noch rund 36 Millionen Euro. Sachsens Grüne warnen vor einer „Demontage“ des Denkmalschutzes. Aktuell befänden sich ganze Denkmalgruppen in einem kritischen Zustand, hieß es. Neben technischen Denkmalen seien vor allem ländliche Anwesen und dörfliche Wohnhäuser betroffen.

„Aber auch Bahnhöfe, Brücken, ungenutzte Schulen und ehemalige Verwaltungsbauten sind zuweilen stark gefährdet“, erklärte eine Sprecherin des Erzgebirgskreises. Mehr als 8400 Kulturdenkmäler sind im Kreis registriert - rund 326 000 Euro stehen in diesem Jahr für den Erhalt und die Pflege zur Verfügung.

Viele Denkmäler wären ohne das ehrenamtliche Engagement von Vereinen dem Verfall preisgegeben. So etwa das Schloss Leuben bei Oschatz. Jahrelang regnete es in die barocke Anlage aus dem 18. Jahrhundert, Decken brachen ein, meterhoch stapelte sich der Schutt. Seit 2004 kümmert sich ein Verein um das Schloss, rund 50 Mitglieder opfern einen Großteil ihrer Freizeit, um „ihr“ Schloss nach und nach mit Hilfe von Fördergeldern zu sanieren und den Park in Schuss zu halten. „Hätten wir nicht die Initiative ergriffen, wäre das Schloss verfallen“, sagt der Vorsitzende Marek Schurig.

In Leipzig kümmert sich der Verein HausHalten um die Rettung leerstehender Altbauten. Sie riefen 2004 das Projekt der „Wächterhäuser“ ins Leben: Nutzer zahlen meist nur einen geringen Betrag für Strom- und Nebenkosten und halten im Gegenzug das Haus instand. Die 13 „Wächterhäuser“ in Leipzig werden vorwiegend von Studenten, Künstlern oder Vereinen genutzt.

Bürgerschaftliches Engagement dürfe jedoch auch in schwierigen Zeiten Kommunen, Länder und Bund nicht aus der Verpflichtung entlassen, warnt Ursula Schirmer von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Seit 1990 hat die Stiftung rund 50,1 Millionen Euro für die Rettung bedrohter Denkmäler im Freistaat ausgegeben. Mit dem Geld wurden 681 Bauten saniert. Darunter etwa das historische Prälatenhaus in Meißen oder das Kloster Marienthal in Ostritz.

Rund 9,5 Millionen Euro hat die Stiftung allein in die Sanierung der Görlitzer Innenstadt investiert. Dafür wurden die historischen Hallen- und Bürgerhäuser, aber auch Kirchen, die Synagoge und öffentliche Bauten auf Vordermann gebracht. Zum Internationalen Tag der Denkmalpflege werden in Görlitz Führungen angeboten. So etwa zur „Mittelalterliche Wandmalerei“ sowie durch die Ausstellung „Bewahrte Zierde“ in der Alten Feierhalle des Friedhofs.

Christiane Raatz, dpa

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