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Sachsens Familienhebammen fordern Klarheit über ihre Zukunft

Sachsens Familienhebammen fordern Klarheit über ihre Zukunft

Sie werden dringend gebraucht und dennoch ist ihre Perspektive mancherorts ungewiss. Sachsens Familienhebammen haben jetzt Klarheit über ihre Zukunft gefordert.

Dresden. Der Sächsische Städte- und Gemeindetag wies am Dienstag Äußerungen aus dem Sozialministerium zurück, wonach die Kommunen diesen sozialen Dienst finanzieren müssten. Das Ministerium habe die Ausbildung der Hebammen ausgelöst und wolle sich jetzt „um die Zeche drücken“, sagte Geschäftsführer Mischa Woitscheck der Nachrichtenagentur dpa. „Die Familienhebammen wird dieses Verhalten des Sozialministeriums demotivieren, weil sie nicht entsprechend eingesetzt werden können.“ Das Ministerium wies die Kritik zurück.

Auf einer Tagung der Diakonie sprach Sozialministerin Christine Clauß (CDU) am Dienstagnachmittag in Moritzburg auch über Finanzierungsquellen. Konkret führte sie die Gesundheits- und Jugendämter der Kommunen, die Kassen und Träger wie das Felsenweg-Institut an. Leipzig wolle Familienhebammen in den Angebotskatalog übernehmen, in Pirna und Heidenau sei das bereits geschehen. Sachsen sehe sich selbst bei der Ausbildung in der Pflicht. Für knapp 40 Familienhebammen seien bisher 44.000 Euro ausgegeben worden. Am Dienstag erhielten die Hebammen des zweiten Ausbildungskurses ihre Zertifikate.

Nach Angaben des Sozialministeriums sind in diesem Jahr keine Kurse geplant, die Ausbildung soll 2012 weitergehen. Clauß erinnerte daran, dass die Bundesregierung im kommenden Jahr den Kommunen 120 Millionen Euro überweisen will, um Modelle für die Einbindung von Familienhebammen zu erproben. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte die Ministerin. Sachsen habe nicht erst gewartet, bis der Bund so weit ist und schon eher in die „frühen Hilfen“ investiert. „Das wird wachsen und gedeihen. Für uns ist es wichtig, das Saatkorn gelegt zu haben“, sagte Clauß der dpa.

Die Ministerin ist fest davon überzeugt, dass viele Familien, aber auch Kommunen das Angebot noch gar nicht kennen. Wenn die Familienhebammen Schule machen, würden sich auch andere Kommunen anschließen. Letztlich könne man die Kommunen aber nicht zwingen. „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“

„Wir stehen bereit, jeder will uns, aber wer uns eigentlich bezahlen will, ist unklar“, hatte die Chefin des Sächsischen Hebammenverbandes, Grit Kretschmar-Zimmer, schon im Vorfeld klar gemacht. Familienhebammen seien als „Lotsinnen in der Umbruchsituation von Schwangerschaft, Geburt und erstem Lebensjahr des Kindes“ wichtig. „Wir haben den intimsten Zugang zu den Müttern und wissen um ihre Sorgen, Nöte und Probleme. Uns können sie vertrauen und das tun sich auch.“

Sachsen hatte Familienhebammen ausbilden lassen, nachdem sich Schreckensmeldungen über getötete oder misshandelte Säuglinge häuften. Die Hebammen sollen überforderte Frauen und ihre Kinder betreuen. Letztlich befindet sich aber die ganze Familie im Fokus. Experten gehen davon aus, dass bundesweit etwa 60.000 Familien einen solchen Betreuungsbedarf haben. Als Risikofaktoren gelten unter anderen niedrige Bildung, Alkohol- und Drogenmissbrauch und Arbeitslosigkeit. Auf der Fachtagung wurde berichtet, dass in den meisten Fällen mehrere Faktoren eine Rolle spielen.

Woitscheck ist von der Zurückhaltung auf kommunaler Ebene nicht überrascht. „Eine Verpflichtung, den Einsatz von Familienhebammen zu bezahlen, besteht für die Kreisfreien Städte und Landkreise nicht. Jeder Jugendhilfeträger kann anhand des Bedarfes vor Ort selbst entscheiden, ob er Familienhebammen im Netz der Jugendhilfeangebote einsetzt oder nicht“, sagte Woitscheck. Zugleich forderte er den Freistaat auf, sich an der Finanzierung zu beteiligen bis die Bundesmittel eintreffen.

dpa

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