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Sachsens Lehrer im Streik: 12.000 Pädagogen demonstrieren vor dem Landtag in Dresden

Sachsens Lehrer im Streik: 12.000 Pädagogen demonstrieren vor dem Landtag in Dresden

Dresden. In Sachsen haben am Freitag rund 15.000 Lehrer die Arbeit niedergelegt, um für einen neuen Demografietarifvertrag und mehr Lehrerstellen zu protestieren.

An einer zentralen Kundgebung vor dem Landtag in Dresden nahmen rund 12.000 Pädagogen teil, welche Landesregierung sowie die Fraktionen von FDP und CDU scharf kritisierten. Laut Landtagsverwaltung war es die größte Demonstration, die es je vor dem Parlament gab.

„Wir sind geduldige Leute und bereit, den Stoff auch ein viertes Mal zu wiederholen“, sagte die sächsische Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Uschi Kruse. „Irgendwann muss das aber auch mal sitzen!“ Immerhin spare der Freistaat durch den Lehrerstreik eine sechsstellige Summe, die er nun wieder in die Bildung investieren solle.

 

Die Forderung der Pädagogen: Sachsen solle sich endlich dem Demografieproblem stellen, sonst drohe der „Bildungs-Gau“. Bereits jetzt liege der Altersdurchschnitt bei Sachsens Lehrern bei über 50 Jahren, so der Landesvorsitzende des Sächsischen Lehrerverbandes (SLV), Jens Weichelt. Mit 65 Jahren könne kein Lehrer vernünftig eine Klasse pubertierender Siebtklässler unterrichten. Daher fordern die Lehrer vor allem einen Demografietarifvertrag, der älteren Kollegen Altersteilzeit ermöglicht und gleichzeitig die Chance bietet, den nötigen Lehrernachwuchs einzustellen.

Zudem müsse der Freistaat dringend neue Lehrer einstellen. Dass sich Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) damit brüste, dass mit Schuljahresbeginn vor jeder Klasse ein Lehrer steht, sei eine Frechheit. Das sei vielmehr selbstverständlich und keine Garantie gegen Ausfall. Die Zahl der Lehrerstellen sei längst „auf Kante genäht“. Fällt ein Kollege aus, sei fachgerechte Vertretung kaum möglich.

So berichtete Iris Kuberczik, Lehrerin an der 1. Grundschule in Hoyerswerda, dass Vertretung meist in Form von Sport erfolge – denn in der großen Turnhalle lassen sich zwei Klassen zusammen beschäftigen. Klassen würden bei Ausfall zusammengelegt, um die Statistik zu schönen. Ergebnis sei dann, dass gleich zwei Klassen keinen vernünftigen Unterricht haben. „Und dann wird uns erzählt, es gebe genügend Lehrer“, so die 43-Jährige. „Das macht uns wütend.“

Auch mehrere Kolleginnen der Grundschule Lauenstein berichteten, dass krankheitsbedingte Ausfälle oft nur mit stiller Beschäftigung der Schüler kompensiert werden können. Zudem fehle es an allen Ecken und Enden an Geld. Lehrmaterialien seien knapp. Löcher in den Klassenzimmerwänden müssten mit Postern zugehängt werden. Die Lehrer seien an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen.

Anlass für die Proteste der Lehrer war der Auftakt der Beratungen zum Haushalt für die Jahre 2013/14, dessen Entwurf zur gleichen Zeit in den Landtag eingebracht wurde. Dabei lehnte Finanzminister Georg Unland (CDU) vor dem Plenum erneut Verhandlungen für einen Generationen-Tarifvertrag ab. „Die Altersteilzeit löst nicht unsere Probleme, sondern verschärft sie. Altersteilzeit leistet keinen Beitrag zur Sicherung der Unterrichtsversorgung“, sagte er.

CDU-Fraktionschef Steffen Flath erklärte im Landtag, er habe kein Verständnis für den Lehrerwarnstreik zu Beginn des Schuljahres. Es stimme, dass es Bundesländer gebe, in denen Lehrer weniger arbeiteten und mehr verdienten als Pädagogen in Sachsen. Im Vergleich mit anderen Berufsgruppen gehe es den Lehrern in Sachsen aber zugleich auch besser. „Es wäre ungerecht, hier draufzusatteln“, sagte er zu Forderungen nach besserer Bezahlung.

Der ehemalige bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas Colditz, äußerte hingegen Verständnis, dass die Lehrer bei den Protesten auch eine bessere Bezahlung forderten. „Sachsens Schulen liegen in bundesweiten Vergleichen an der Spitze. Das muss irgendwann honoriert werden.“ Colditz hatte Ende vergangener Woche im Streit um eine zukunftsfähige Schulpolitik das Handtuch geworfen und war von seinem Amt zurückgetreten. Sein Nachfolger Patrick Schreiber sah sich den Protest zumindest für wenige Minuten selbst von der Landtagspforte aus an.

Die Minister Unland, Kurth und Ministerpräsident Tillich zeigten sich hingegen nicht, auch wenn sie von den Lehrern mit „Kommt raus, wenn ihr Mut habt“, dazu lautstark aufgefordert wurden. Zudem kündigten die Lehrer an, dass sie weiterkämpfen werden. Die Rückendeckung von Schülern und Eltern sei da. Mindestens bis zur Verabschiedung des Haushalts soll weiter protestiert werden.

sl / dpa

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