Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Sachsens Lehrer sind immer häufiger krank

Hohe Belastung Sachsens Lehrer sind immer häufiger krank

Immer mehr Lehrer macht der Unterricht krank – vor allem psychische Probleme haben an sächsischen Schulen stark zugenommen. Das geht aus einer Statistik des Kultusministeriums hervor, die LVZ.de vorliegt. Demnach hat der Krankenstand in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent zugenommen.

Personalnot im Lehrerzimmer: Immer mehr Pädagogen geben auf und wollen nur noch Teilzeit arbeiten
 

Quelle: dpa

Dresden. Die zunehmende Belastung fordert offensichtlich ihren Preis: In den vergangenen fünf Jahren ist der Krankenstand unter den Lehrern um 20 Prozent gestiegen – im Durchschnitt macht das 15 Ausfalltage pro Jahr. Mit 19 Krankheitstagen sind Förderschullehrer am häufigsten betroffen, am wenigsten müssen Grundschulpädagogen mit 13 Tagen zu Hause bleiben. Allein im vergangenen Jahr fielen die insgesamt 32 471 Lehrer laut einer Statistik des sächsischen Kultusministeriums, die der Leipziger Volkszeitung vorliegt, stolze 481 164 Tage krankheitsbedingt aus. Das bedeutet auch: Etwa 2,5 Millionen Unterrichtsstunden konnten nicht regulär stattfinden – sondern mussten ausfallen oder durch Ersatzlehrer vertreten werden.

„Konkrete Ursachen für diese Entwicklung sind nicht bekannt. Unbestritten ist jedoch, dass der Krankenstand mit dem Alter der Beschäftigten ansteigt“, erklärt das Kultusministerium auf LVZ-Anfrage. Während jüngere Beschäftigte häufiger, dafür aber kürzer erkranken, trifft es ältere Beschäftigte meist schwerer und länger. „Da das Durchschnittsalter der Lehrkräfte in Sachsen in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen ist, ist dieser Umstand vermutlich eine der Hauptursachen für diese Entwicklung.“

Die Gesundheitsberichte der großen gesetzlichen Krankenkassen sprechen eine klare Sprache. So ist der Krankenstand bei Lehrkräften aufgrund psychischer Probleme und akuter Atemwegserkrankungen jeweils der Zweithöchste von allen Berufsgruppen. Deshalb hat der Freistaat reagiert und bietet seit dem Schuljahr 2014/15 psychische Gefährdungsbeurteilungen an. „Dies ist von erheblicher Bedeutung, da davon auszugehen ist, dass gerade bei Lehrern psychische Erkrankungen zur Zunahme der krankheitsbedingten Ausfalltage geführt haben“, macht das Kultusministerium klar. Zugleich legt man in Dresden großen Wert darauf, dass das Ministerium „seit vielen Jahren der gesetzlichen Verpflichtung zur arbeitsmedizinischen Betreuung im vorbildlicher Weise“ nachkomme.

Dennoch sind die Krankentage deutlich angestiegen – und liegen inzwischen mit 5,9 Prozent sogar über dem Durchschnitt aller sächsischen Arbeitnehmer (5 Prozent). Kein Wunder, sagt Wolfgang Renner, der stellvertretende Landesvorsitzende des sächsischen Lehrerverbandes (SLV). „Der höhere Krankenstand ist Ausdruck der zunehmenden Belastung in den Schulen. Lehrer müssen immer mehr Aufwand betreiben und immer mehr aushalten“, kommentiert Renner die Statistik des Kultusministeriums.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Uschi Kruse, ist sich sicher: „Die Dunkelziffer kranker Lehrer ist noch viel höher.“ Viele würden zum Beispiel planbare Eingriffe auf die Ferien legen oder sich trotz Krankheit in die Schulen schleppen. „Der Anteil der Langzeitkranken ist mittlerweile Besorgnis erregend“, sagt Uschi Kruse. Hinzu kommt: „Die Ausfälle müssen von anderen Kollegen kompensiert werden, die wiederum einer stärkeren Belastung ausgesetzt sind. Das ist ein Teufelskreis.“ Deshalb müsse der Freistaat Sachsen deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellen – erstens für eine bessere Vorsorge, und zweitens für mehr Lehrerstellen.

Viele Lehrer scheinen bereits zu kapitulieren, legt eine weitere Statistik des Kultusministeriums nahe: Auch aufgrund der hohen Belastung wollen immer mehr Lehrer in Teilzeit arbeiten. Aktuell unterrichten nur noch zwei Drittel als Vollzeitkräfte, während schon ein Drittel, also etwa 11 000 Pädagogen, ihre Stundenzahl teilweise deutlich reduziert hat. Mit mehr als 40 Prozent machen die älteren Lehrer dabei den größten Anteil aus.

Von Andreas Debski

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Farbspiele
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2018 farbenfrohe Fotos

    Beim Fotowettbewerb der Sparkasse Leipzig kann nun über die zwölf Kalendermotive abgestimmt werden. Das Voting endet am 31. August 2017. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr