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Sachsens Schüler lernen zu viel, sind überlastet und gestresst

Bildung Sachsens Schüler lernen zu viel, sind überlastet und gestresst

Eine Langzeit-Studie zu Gymnasien in Sachsen zeigt: Auf den Schülern lastet zu viel Druck, auch, wenn die Qualität der Leistung hoch ist. Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth kündigte an, den Unterrichtsumfang zu reduzieren.

Sachsens Schüler haben zu viel Stress. (Symbolfoto)

Quelle: dpa

Dresden. Sächsische Gymnasiasten haben es jetzt Schwarz auf Weiß: Sie müssen zu viel lernen und bewegen sich permanent an der Belastungsgrenze. Das ist ein Ergebnis der groß angelegten Langzeit-Studie des Sächsischen Bildungsinstituts, der TU Dresden sowie der Universität Tübingen. Die Untersuchungen wurden zwischen 2009 und 2014 durchgeführt. Der nun vorliegende, 252 Seiten umfassende Abschlussbericht diagnostiziert eine „erhöhte Gesamtbelastung“ und „weniger verbleibende Freizeit“. Viele Schüler verbinden die gymnasiale Oberstufe mit einer „negativen Lernsituation“. Die Schlagworte dafür lauten: Angst, Beschneidung der Freiheit und Null-Bock-Stimmung.

In der Tat müssen sächsische Schüler mehr leisten als Gleichaltrige in anderen Bundesländern und als von der Kultusministerkonferenz (KMK) verlangt wird. Laut KMK-Statistik liegt der Freistaat mit 33,2 Pflicht-Wochenstunden für Gymnasiasten an der Spitze der Unterrichtsbelastung. An Oberschulen ist der Umfang kaum geringer: Hier hat Sachsen mit 32,2 Stunden ebenfalls den Höchstwert, gemeinsam mit Thüringen und Bremen.

„Der Bericht zeigt, dass die Schüler in der gymnasialen Oberstufe an die Belastungsgrenzen stoßen“, sagt Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) der Leipziger Volkszeitung. „Deshalb werden wir den Unterrichtsumfang vor allem in der Oberstufe noch einmal auf den Prüfstand stellen.“ Zudem sollen Neigungen und Begabungen stärker beachtet werden, so Kurth. Die jüngsten Bürgerdialoge zum neuen Schulgesetz hätten klargemacht: Eltern klagten über die hohe Belastung ihrer Kinder, die kaum noch Zeit für andere Dinge als Schule hätten. Deshalb sollen bis zum Schuljahr 2017/2018 die Lehrpläne nach dem Motto „weniger pauken, mehr denken“ ausgedünnt werden.

Zugleich bescheinigt die Langzeit-Studie den sächsischen Schulen eine hohe Qualität. Demnach verfügt der Freistaat über ein äußerst anspruchsvolles Abitur und die Absolventen haben sowohl eine hohe Allgemeinbildung als auch eine überdurchschnittliche Studierfähigkeit. „Daran werden wir festhalten. Ein solides Wissensfundament ist absolut notwendig“, erklärt die Kultusministerin.

Der Landesschülerrat sieht seine langjährige Kritik durch die Studie bestätigt: „Es muss hinterfragt werden, ob es notwendig ist, so viel zu lernen. Vor allem Gymnasiasten in der Oberstufe stehen unter Dauerstress. Wichtiger als das pure Auswendiglernen sind Grundkompetenzen wie Rechtschreibung oder selbstständiges Arbeiten“, sagt Friedrich Roderfeld, der Vorsitzende des Landesschülerrates Sachsen. Zugleich macht er klar: Die Umstellungen sollten nicht dazu führen, dass das Abitur an Gewicht verliert, sondern an Breite und Qualität noch gewinnt.

Auch Peter Lorenz, der Vorsitzende des Landeselternrates, sagt: „Die Belastung ist zu hoch, die Schüler stehen unter einem enormen Druck und haben nur noch geringe Erholungsphasen – das führt auch zu erheblichen Beeinträchtigungen des Familienlebens.“ Zudem würden die Kinder und Jugendlichen durch die überzogenen Anforderungen, verbunden mit Auswendiglernen, häufig demotiviert, kritisiert Lorenz.

Von Andreas Debski

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