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Sachsens junge Winzer hoffen auf mehr Rebflächen

Weinanbau in Sachsen Sachsens junge Winzer hoffen auf mehr Rebflächen

Ein eigenes Weingut zu bewirtschaften - davon träumen viele  Jungwinzer. Doch der Weg dahin ist schwierig. Vor allem in kleinen Anbaugebieten wie Sachsen fehlen Rebflächen. Nun gibt es Hoffnung.

Der Winzer Andreas Kretschko stutzt am 03.07.2015 auf seinem Weinhang in Radebeul (Sachsen) die Weinreben. Der Jungwinzer bewirtschaftet insgesamt 0,6 Hektar Weinbaufläche.

Quelle: dpa

Dresden. Reben verschneiden, Trauben lesen, regelmäßige Kontrollen - um seine Weinberge zu bewirtschaften, muss Winzer Andreas Kretschko lange im Auto sitzen. Denn seine Weinbauflächen, 0,6 Hektar insgesamt, sind über das gesamte Elbtal verteilt - im Radebeuler Johannisberg, in Kleinzadel und den Proschwitzer Katzenstufen. „Das macht das Ganze wirtschaftlich schwierig, weil man viel unterwegs ist“, sagt der 34-jährige Jungwinzer. Zudem bewirtschaftet Kretschko ausschließlich Steillage. Das heißt: Handarbeit statt Maschinen. 

Zuvor war der Diplom-Ingenieur für Weinbau und Önologie sieben Jahre lang Chef der Weinberge im Staatsweingut Schloss Wackerbarth. „Bis der Wunsch groß wurde, etwas eigenes zu machen“. 2012 entschied sich Kretschko für den Schritt in die Selbstständigkeit. Der Traum vom eigenen Weingut treibt gerade junge Winzer um. In Sachsen ist der Weg dahin allerdings schwierig. Es fehlt an Rebflächen. „Der Kuchen ist verteilt, die Sahnestücke vergeben“, sagt Kretschko. Seine Rebflächen hat er über Tipps von anderen Winzern bekommen. 

Nach jahrelangem Kampf gibt es nun Hoffnung für Sachsens Winzer: Der Bundestag beschloss Ende der vergangenen Woche, dass die insgesamt rund 100.000 Hektar große Rebfläche in Deutschland in den kommenden Jahren um 0,3 Prozent pro Jahr wachsen darf. Für kleine Weinbaugebiete wie Sachsen soll es eine Ausnahmeregelung geben: Ihnen sollen jeweils fünf Hektar an neuen Rebflächen zugesprochen werden. Bereits im Vorfeld hatten sich Sachsens Winzer für eine Erweiterung der bestockten Flächen um ein Prozent stark gemacht, um nicht gegenüber großen Weinanbaugebieten benachteiligt zu werden. 

Christoph Reiner, neu gewählter Vorsitzender des Weinbauverbandes Sachsen, freut sich über die Regelung. Gerade für kleine Betriebe seien zusätzliche Rebflächen enorm wichtig, um wirtschaftlich arbeiten zu können. „Denn die Kosten für Technik und Ausstattung sind gleich, egal ob man einen Hektar oder fünf Hektar bewirtschaftet.“ 

Noch muss allerdings der Bundesrat der Regelung zustimmen. Hintergrund der Gesetzesänderung ist, dass die EU von 2016 an den einst verhängten Anbaustopp für Wein lockert. Damit will Brüssel Europas Winzer in einem scharfen Wettbewerb besser positionieren. Die Obergrenze soll wiederum dafür sorgen, dass der deutsche Weinmarkt nicht über die Maßen belastet wird. 

Bundesweit ist die Marktsituation der Winzer verschieden. So hatten die Winzer im größten Weinbauland Rheinland-Pfalz aus Angst vor einem Preissturz nur 0,1 Prozent an Zuwachs gefordert. Sachsen gehört dagegen mit einer Anbaufläche von gerade einmal 480 Hektar zu den kleinsten Anbaugebieten. Wein aus dem Elbtal gilt als Rarität - und das soll es laut Weinbauverband auch bleiben. „Wir wollen nicht ewig weiter, sondern vielmehr sinnvoll wachsen“, betonte Reiner. 

Bisher ist die Nachfrage nach Rebflächen in Sachsen enorm: In der sogenannten Landesreserve, gespeist aus nicht genutzten Rebrechten oder aufgegebenen Flächen, gibt es derzeit 2,5 Hektar an verfügbaren Rebflächen. In den bisher eingegangenen Anträgen meldeten die Winzer in diesem Jahr bislang einen Bedarf von 12,5 Hektar an - und die Antragsfrist läuft noch bis Mitte September. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich“, sagt Frieder Tränkner vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. 

Winzer Andreas Kretschko freut sich, dass er in den vergangenen Jahren überhaupt Flächen bekommen hat - aber sie reichen längst nicht aus. Wie viele andere kämpft er von Jahr zu Jahr mit schwankenden Erträgen und Ernteausfällen durch Frost, Hagel oder Hitze. Mehr Anbaufläche könnte helfen, Verluste leichter zu kompensieren, sagt der Winzer. 4000 Flaschen hat Kretschko zuletzt abgefüllt, unter anderem mit Müller-Thurgau, Riesling und Weißburgunder. Vor Weihnachten war alles ausverkauft, der nächste Wein kam erst im April in die Läden. „Das ist auch ein Grund für mehr Fläche, damit man diese für Winzer schweren Monate verkürzt.“

Radebeul (Sachsen) 51.111565 13.649371
Radebeul (Sachsen)
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