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Sachsens will Frauenschutzhäuser im Freistaat stärker unterstützen

Häusliche Gewalt Sachsens will Frauenschutzhäuser im Freistaat stärker unterstützen

Prügel vom Ehepartner sind wohl noch immer die häufigste Form von Gewalt in der Gesellschaft. Vor allem Frauen sind dabei die Opfer. Viele von ihnen flüchten in ein Frauenschutzhaus. Sachsen will den Kampf gegen diese Form der Gewalt mit mehr Geld verbessern.

Archivfoto

Quelle: dpa

Dresden. Mehr Geld für den Schutz vor Prügel und Erniedrigung - die Regierung macht in diesem Jahr für Projekte gegen die sogenannte häusliche Gewalt zusätzlich 2,9 Millionen Euro locker. Geplant waren 1,4 Millionen Euro. Wie Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD) mitteilte, entfielen jetzt allein 1,3 Millionen Euro auf Frauenhäuser. Das Geld stammt aus dem Integrationspaket, das die Regierung Anfang des Monats beschlossen hat. Dennoch sind die Plätze in den 14 Frauenschutzhäuser des Landes meist weiter knapp, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Aus Sicht der Opposition wird für die betroffenen Frauen noch zu wenig getan.

Die räumliche Ausstattung vor allem der kleineren Frauenschutzhäuser sei unzulänglich, die Mitarbeiter überlastet, hatte die Ministerin nach eigener Aussage bei Besuchen festgestellt. Eine novellierte Richtlinie soll rückwirkend zum Jahresanfang die Verteilung der jetzt erhöhten Mittel neu regeln. Das Netz der Schutzhäuser und Beratungsstellen müsse «regional ausgewogener» gestaltet werden, hieß es. Zudem sei die Situation von Migranten «angemessen zu berücksichtigen».

«Die Finanzierung der Einrichtungen reicht von hinten bis vorne nicht», sagt die Gleichstellungsexpertin der Linke-Fraktion, Sarah Buddeberg. «In zwei Landkreisen – Nordsachsen und Erzgebirgskreis – gibt es kein einziges Schutzhaus.» Seit 2009 seien rund 50 Plätze in den Häusern weggefallen, obwohl der Bedarf wachse. Frauen trauten sich immer öfter, Hilfe zu suchen. Wenn sie dann in ihrer Nähe keine Schutzeinrichtung gebe, sei das ein herber Rückschlag.

Auch Katja Meier von den Grünen erkennt die Bemühungen der SPD-Ministerin an. Das werde dennoch nicht reichen, sagt sie. «Heute haben wir weniger Plätze in Frauenschutzhäusern als vor fünf Jahren.» Geflüchtete Frauen müssten als neue Gruppe berücksichtigt werden.

«Der Anteil der Migrantinnen ist stark gestiegen», bestätigt Kerstin Kupfer von der Landesarbeitsgemeinschaft der Frauenhäuser und Interventionsstellen Sachsen (LAG) in Leipzig. Diese kämen aber aus ganz verschiedenen Ländern und lebten zum Teil schon länger in Deutschland. Geflüchtete seien sie meist nicht.

Kupfer findet es «sehr schön» und «toll», dass es jetzt mehr Geld geben soll. Doch damit sei es nicht getan. Das Geld reiche nicht einmal, allen Mitarbeiterinnen Tariflohn zu zahlen. Außerdem gebe es zu wenig Personal. So bleibe es bei dem Betreuungsschlüssel von eins zu acht. Die LAG fordere einen Schlüssel von eins zu sechs. «In manchen Häusern arbeitet nur eine fest angestellte Sozialpädagogin.» Das sei zu wenig.

477 Frauen und 484 Kinder kamen Kupfer zufolge 2014 in die Schutzhäuser. Die 208 Plätze in 14 Häusern sind auf 101 Zimmer verteilt. «Jede Frau erhält ihr eigenes Zimmer», erklärt Kupfer. Wir können im Grunde nur 101 Frauen gleichzeitig unterbringen.» 2014 seien etwa 120 Frauen abgewiesen worden - wegen des fehlenden Platzes oder einer psychischen Erkrankung. Die älteste Bewohnerin im vergangenen Jahr sei 79 Jahre alt gewesen. Zudem gibt es in Sachsen sieben Interventionsstellen und drei Beratungsstellen für Täter.

Auch der Landesfrauenrat in Dresden sieht Nachholbedarf. Sachsen rangiere im bundesweiten Vergleich auf hinteren Plätzen, sagt die Vorsitzende Susanne Köhler. «Das Erzgebirge ist mit Ausnahme von Freiberg und Zwickau praktisch ein weißer Fleck.» Ein flächendeckendes Angebot sei aber wichtig, schon damit die Opfer einen einigermaßen normalen Alltag zu führen könnten, zur Arbeit gehen, die Kinder in die gewohnten Kitas oder Schulen bringen. Nur eines der Häuser sei barrierefrei und nur selten sei es Kindern erlaubt, Tiere mitzubringen.

Laut Landeskriminalamt wurden 2014 in Sachsen 3153 Fälle häuslicher Gewalt und ähnlicher Delikten erfasst, 442 mehr als 2010. Die Zahl ist laut Statistik in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Fast 2000 Frauen waren 2014 betroffen. Meist ging es dabei um Körperverletzung, aber auch um Freiheitsberaubung, Nachstellung, Bedrohung und Nötigung sowie sexuellen Missbrauch. Täter waren zumeist die männlichen Ehepartner oder Lebensgefährten. Es werde von einem «hohen Dunkelfeld» ausgegangen, hieß es.

Von LVZ

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