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Sächsische Pomeranzen in Thüringen - Orangierien sind wieder im Kommen

Sächsische Pomeranzen in Thüringen - Orangierien sind wieder im Kommen

Erstmals seit 90 Jahren können in Gotha wieder Orangen gepflückt werden. Schlossparkverwalter Jens Scheffler und Gartenmeister Peter Fischer nahmen erst vor wenigen Tagen zwölf Pomeranzen, auch Bitterorangen genannt, aus der Orangerie Großsedlitz in Sachsen entgegen.

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Eine Zitrone hängt in der Orangerie in Gotha an einem Zitrusbaum.

Quelle: dpa

Gotha/Weimar. „Die Bäume sind 23 Jahre alt. Großsedlitz musste sich von ihnen trennen“, erzählt Scheffler. Für die in den 1990er  Jahren in Italien gekauften 150 Pomeranzen reiche der Platz nicht mehr. Ein Glücksfall für Gotha: Die Pomeranzen zählten mit ihrem Kronenaufbau zudem zu den bestgepflegtesten in Deutschland, ist der 36-Jährige überzeugt.

Ein weiterer Glücksfall: Die Gothaer sammelten genug Geld, um für jedes Orangenbäumchen 1200 Euro hinblättern zu können. Auch der Orangerie-Verein beteiligte sich. Als er 2006 gegründet wurde, bot das barocke „Lorbeerhaus“ mit zugenagelten Fenstern und kaputter Fassade ein Bild des Zerfalls. Seitdem investierte die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten rund 2,2 Millionen Euro. Ein Großteil des vom Architekten Gottfried Heinrich Krohne entworfenen und 1747 begonnenen Winterquartiers für Pflanzen präsentiert sich in neuer Pracht.

„Insgesamt benötigen wir 3,2 Millionen Euro“, ist von Stiftungs- Sprecherin Susanne Rott zu erfahren. „Eine Million fehlen uns noch.“ Zum Thüringentag am kommenden Wochenende werde der Mittelteil des Hauses saniert übergeben. „Bis auf den Fußboden, den haben wir noch nicht geschafft.“ Das Geld zur Restaurierung der Deckenrosette gab der Orangerie-Verein.

„Um 1800 standen in den Gärten fast 3000 Pflanzen, davon 600 bis 700 Zitruspflanzen und Lorbeerbäume“, erzählt Gartendenkmal-Pfleger Jens Scheffler. „Es gibt keinen historischen Pflanzenbestand mehr.“ Er orientiere sich deshalb an 1910 und 1920, als es Pomeranzen und Lorbeerbäume, Kamelien und Ananasgewächse sowie eine bunte Vielfalt an Beetpflanzen wie Fuchsien und Nelken gab.

In Park und Orangerie von Schloss Belvedere bei Weimar sind die Orangen bereits 1999 zurückgekehrt. „In einem Übergabeinventar von 1796 ist von 700 Orangenbäumen die Rede, eine heute unvorstellbare Zahl“, meint Andreas Pahl, in der Klassik Stiftung verantwortlich für die Parkanlagen. „Ich vergleiche das gern mit einem Inventar aus Potsdam von 1786 nach dem Tod Friedrich des Großen. Mit 725 Pflanzen hatte er gerade mal 25 mehr als der Weimarer Herzog.“ So viele Pflanzen können sich heute niemand mehr leisten.

Die empfindlichen Orangen- und Zitrusbäume bestimmten damals nicht nur an Deutschlands Königs- und Herzogshäusern die Pflanzenmode. Überall entstanden Orangerien zur Repräsentation. Sie wurden aber auch genutzt, um die Gewächse vor nördlicher Kälte zu schützen. Weikersheim in Rheinland-Pfalz, Würzburg in Bayern, Darmstadt in Hessen, Dessau in Sachsen-Anhalt, Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern sind einige Beispiele dafür.

Maximal drei bis acht Grad müssen die Orangerien haben. Belvedere kann sich glücklich schätzen, eine bis heute gut funktionierende Kanalheizung von 1820 zu haben, die die historischen Bestände über Kriege rettete. „Über 200 Jahre alte Myrten gehören heute zum Bestand, gewaltige Zypressen und Palmen“, sagt der Gärtner und Diplomingenieur für Landschaftspflege. Seit drei Jahren ist Pahl Hüter des legendären „Hortus Belvedereanus“, der zur Goethe-Zeit 6000 Gattungen und Arten umfasste, heute sind es rund 500.

Besucher des zum Unesco-Weltkulturerbe gehörendes Schlossparks stehen derzeit vor einer Baustelle. Der Nord- und der Südflügel der Weimarer Orangerien wird saniert. „6,15 Millionen Euro sollen bis 2014 in beide Gebäude fließen“, sagt Stiftungssprecher Timm Schulze. Das Geld stamme auch aus dem Investitionsprogramm des Bundes für Welterbestätten.

Aus dem Dornröschenschlaf erweckt wurden in Thüringen auch der Barockpark Ebeleben mit Orangerie sowie die Rokoko-Orangerie im nahen

Bendeleben (beide Kyffhäuserkreis). Die Orangerie in der Residenzstadt Sondershausen hofft dagegen noch auf ihre Wiedererweckung. Das frühere Pflanzenhaus in Gera beherbergt heute einen Teil der städtischen Kunstsammlung. Am Donnerstag öffnet dort die Ausstellung „Wenden. Vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit“.

Antje Lauschner, dpa

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